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Gastrotrend

Digitaler Zahltod für Kellner? Karte statt Bargeld lässt Trinkgeld versiegen

Digitaler Zahltod für Kellner? Karte statt Bargeld lässt Trinkgeld versiegen
FOTO: iStock
2 Min. Lesezeit |

Die Kasse klingelt, doch das Trinkgeldschälchen bleibt leer. Eine Salzburger Wirtin steht vor einem Phänomen, das die Gastronomie zunehmend belastet.

Im Halleiner Zinkenstüberl am Dürrnberg zeigt sich ein Phänomen, das Gastronomen zunehmend Sorgen bereitet. Während die Tageseinnahmen durchaus zufriedenstellend ausfallen, bleibt die Trinkgeldkasse nahezu leer. Chefin Sandra Lindtner verzeichnete einen Tagesumsatz von 1140 Euro, doch die Trinkgeldzeile auf dem Tagesabschluss wies lediglich 8,70 Euro aus – ein Missverhältnis, das die Wirtin frustriert.

Kartenzahlung als Problem

„Leider ist das mittlerweile fast jeden Tag so“, erklärt Lindtner resigniert. Als Hauptgrund für die magere Trinkgeldbilanz identifiziert sie das veränderte Zahlungsverhalten ihrer Gäste: Die meisten Besucher des Lokals begleichen ihre Rechnungen mit Bankomat- oder Kreditkarte, was offenbar zu einer deutlichen Zurückhaltung beim Trinkgeldgeben führt.

Branchenweites Phänomen

Die Problematik ist keineswegs auf das Zinkenstüberl beschränkt. Aktuelle Branchenumfragen zeigen, dass Gäste beim bargeldlosen Bezahlen österreichweit deutlich seltener oder geringere Trinkgeldbeträge geben. Besonders problematisch: Bei Kartenzahlungen wird das Trinkgeld oft auf das Firmenkonto überwiesen und landet nicht direkt beim Servicepersonal, was die Motivation zum Geben zusätzlich senkt.

Die Gastronomie reagiert bereits auf diese Entwicklung. Digitale Lösungen wie spezielle Trinkgeld-Apps werden getestet, um die Trinkgeldgabe bei Kartenzahlungen zu erleichtern. Ob diese Innovationen die Großzügigkeit der Gäste tatsächlich steigern können, bleibt jedoch abzuwarten.

Steuerliche Fallen

Die Digitalisierung des Trinkgelds bringt jedoch neue Probleme mit sich. In Österreich ist Trinkgeld grundsätzlich steuer- und sozialversicherungspflichtig, sofern es über digitale Bezahlterminals oder Registrierkassen abgewickelt wird. Nur ein pauschaler Freibetrag – etwa 58,86 Euro monatlich für Kellner in Wien – bleibt abgabenfrei.

Die verstärkte Kontrolle durch die Österreichische Gesundheitskasse und die Zunahme von Kartenzahlungen führen zu vermehrten Nachforderungen und Unsicherheit in der Branche. Was früher als unbürokratische Anerkennung guter Bedienung galt, wird zunehmend zum administrativen Aufwand für Gastronomen und Personal.

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KO KOSMO-Redaktion
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