Dragan aus Wien: „Mit 16 Jahren habe ich mich an Männer verkauft!“

GESTÄNDNIS

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Dragan aus Wien: „Mit 16 Jahren habe ich mich an Männer verkauft!“

(FOTO: iStock Photo)

„Escorts sind für die Freier einfacher. Er zahlt für das, was er will und bekommt es auch. Er schreibt mich an, ich weiß ganz genau warum. Im Gegensatz zu dem normalen Chat, wo es auch Sexdates gibt, braucht man einfach nicht um den heißen Brei herumreden.“

„So einen richtigen durchschnittlichen Freier gibt es nicht. Es war durch die Bank alles dabei, wobei mein Jüngster 33 und der Älteste 49 war. Die Freier wollten meistens der aktive Part sein, obwohl es auch welche gab, die sich auch gerne bumsen lassen wollten.“

„Er wollte, dass ich ihm auf den Bauch sch**ße“

Dragan wählte seine Freier bewusst aus. Weder wollte er sich mit jemandem aus dem ehemaligen Jugoslawien treffen, noch waren bekannte Persönlichkeiten dabei. In einer Beziehung lebten einige der Männer jedoch schon, ob die Freier mit einer Frau oder einem Mann zusammen waren, weiß Dragan nicht. Privates hätte man beim Treffen für TG nie besprochen.

Dragan zeigte sich, während er von den Sex-Treffs erzählte, relativ gefühllos und gelassen, lediglich ein gewisser Ekel war in seiner Stimme zu erkennen, als er von den Vorlieben bzw. der mangelnden Hygiene einiger Freier erzählte.

„Das Ekelhafteste, das mir passiert ist… Hmmm, da war ein Typ der einfach abartig gestunken hat. Jetzt nicht, nach Schweiß oder so, sondern er hat sein Teil anscheinend wochenlang nicht gewaschen. Eichelkäse und so…“

„Da gab es dann noch einen: Wir waren schon mitten drinnen und hatten uns davor schon öfters getroffen. Er hatte mir zwar damals von seiner Vorliebe erzählt, jedoch habe ich immer gesagt, dass ich das nicht mehr mache. Damals hatte ich auch schon mehr für meine Dienste verlangt, so circa 150 Euro. In Mitten seiner Ekstase hat er dann zu mir gesagt: ‚Und jetzt, scheiß mich an! Lass es laufen!‘ Das war für mich ein dezenter Abturner und ich erklärte, dass das Thema tabu ist. Das war unser letztes Treffen.”

„Es war einfach nur Sex für mich. Ich habe es als Beruf gesehen und mich nie danach schmutzig oder ähnliches gefühlt. Alle Freier waren sauber, gesund und gepflegt. Selbstverständlich keine Topmodells oder Typen mit denen ich eine Beziehung eingehen würde, aber das war mir ja auch nicht wichtig.“

Angst vor HIV oder davor, aufzufliegen?
„Vor Krankheiten hatte ich keine Angst, da ich nur geschützten Sex hatte – außer der Blowjob natürlich, aber das ist das Risiko sich anzustecken relativ gering. Und auch wenn jemand mal ohne Gummi wollte, dann habe ich das immer abgeblockt und gedroht, zu gehen. Da war mir das Geld dann auch egal. Ich war zwar jung, aber wusste, dass Safer Sex Pflicht ist, da man sich schneller Krankheiten einfängt, als einem lieb ist und ich mir die Zukunft nicht verbocken wollte.“

„Dass es illegal war, war mir klar, aber Angst vor dem Gesetz hatte ich nie. Ich war jung, naiv und bekam leiwandes Geld.“

„Alles war illegal, da die Plattform erst ab 18 erlaubt ist. Ich habe gelogen, bereits volljährig zu sein. Ich hatte trotzdem Fotos von meinem Gesicht in meinem Profil als normaler User, da ich damals nicht darüber nachgedacht habe, dass mich jemand erkennen könnte. Ich habe mir gedacht, wenn ich die Plattform nicht kannte, wieso sollte sie dann der Rest der Welt kennen. Außerdem wird sich dort niemand herumtreiben, der nicht schwul bzw. bisexuell ist.“

„Natürlich hatte ich immer Angst, dass es jemand erfahren könnte. Vor allem da ich aus Serbien bin, wo die Menschen sehr konservativ sind. Angst vor den Freiern hatte ich nicht, nur Panik davor, dass jemand davon erfährt und es publik macht.“

Bis heute lebt Dragan mehr ungeoutet als geoutet. In seinem familiären Umfeld werden Homosexuelle nur schwer akzeptiert, vor allem, wenn es sich um ein Familienmitglied handelt. Aus diesem Grund hat er nur seinen engsten Freunden davon erzählt hat. Von seiner Zeit als Escort wiederum wissen, mit mir, nun zwei Personen Bescheid…

Das Ende der Zeit als Escort
„Zum Schluss war es hauptsächlich das Geld, das mich interessierte. Ich hatte meinen Stammkundenbaum und mehr wollte ich nicht. Es war mir zu anstrengend, immer neue Freier zu finden, den Ansprüchen gerecht zu werden, etc. Einige wollten zum Beispiel, dass ich in Damen-Dessous auf sie warte. Für mich unmöglich. Wie soll ich meiner Mutter erklären, dass sie Damenunterwäsche mit wäscht, die nicht ihr gehört.“

Aufgehört als Escort zu arbeitet hat Dragan als er eine Beziehung einging. Seine Vergangenheit hatte er vor seinem damaligen Freund verheimlicht. Zudem hätte er das Glück gehabt, dass die Freier nicht in der schwulen Fortgehszene unterwegs waren, weshalb er alles gut verstecken konnte. Gleichzeitig blieb jedoch auch der Zusatzverdienst durch die Sex-Dates aus…

„Es war schwierig das Geld nicht mehr zu bekommen, da es einfach gefehlt hat. Man konnte sich halt doch mehr leisten. Meistens gab ich das Geld für Sachen aus, die man nachvollziehen konnte: Zigaretten, Fortgehen usw. Ich habe meine Freizeit damit gestaltet.“

„Eine Sucht war jedoch nicht dahinter, da mich die Beziehung erfüllt hat und ich dem Ganzen nicht wirklich nachgetrauert habe. Das Escort-Dasein war immer eine Nebensache. Ich habe niemals die Schule geschwänzt oder irgendwie meine Verpflichtungen vernachlässigt.“

Ob sich Dragan damals selbst als Prostituierter gesehen hat und wie er heute lebt, lest ihr auf der nächsten Seite…

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien der gebürtige Wiener bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.