Mit einem dramatischen 34:33-Sieg gegen die Schweiz sichern sich Österreichs Handballer das EM-Ticket und bereiten ihrem scheidenden Teamchef Pajovic einen emotionalen Abschied.
Österreichs Handballer haben sich am Sonntag das Ticket für die EM-Endrunde 2026 in Skandinavien gesichert und ihrem scheidenden Teamchef Ales Pajovic einen emotionalen Abschied beschert. In einem packenden Duell bezwang die ÖHB-Auswahl (Österreichischer Handballbund) die Schweiz knapp mit 34:33 (16:15) und sicherte sich damit in Gruppe 7 den zweiten Platz hinter Deutschland. Für Pajovic endete nach sechs ereignisreichen Jahren seine Amtszeit an der Seitenlinie von Hutecek und Co.
Vor ausverkauftem Haus in Graz erwischten die Gastgeber einen Blitzstart und zogen schnell auf 4:1 davon. Doch Zeitstrafen gegen Herburger und Bozovic brachten die kampfstarken Eidgenossen zurück ins Spiel, die beim 9:9 erstmals ausgleichen konnten. Angeführt vom 39-jährigen Routinier Bozovic, der einen Sahnetag erwischte, erarbeitete sich Rot-Weiß-Rot jedoch immer wieder kleine Vorsprünge. Mit einer knappen Führung ging es in die Kabinen.
Dramatische Schlussphase
Nach dem Seitenwechsel hatten die Österreicher zunächst Pech mit zwei Aluminiumtreffern, was die Schweizer zu ihrer ersten Führung und einem 18:16-Vorsprung nutzten. Doch die Pajovic-Truppe antwortete eindrucksvoll: Mit sechs Treffern in Serie drehten die Hausherren die Partie und setzten sich erstmals deutlicher ab (22:18). Die Gäste steckten jedoch nicht auf – Sigrist und Leopold hielten ihr Team mit Treffern im Spiel und verkürzten den Rückstand.
In der Schlussphase zogen die Österreicher nochmals auf 33:28 davon und brachten den Vorsprung trotz eines späten Schweizer Treffers in der Schlusssekunde über die Zeit. Nach dem Unentschieden im Hinspiel (29:29) gelang den Österreichern dank einer kämpferischen Vorstellung der verdiente Erfolg. Überragend agierten Bozovic mit neun und Frimmel mit sieben Toren. Die Schweizer dürfen sich trotz der Niederlage als einer der vier besten Gruppendritten ebenfalls über die EM-Qualifikation freuen.
Emotionaler Abschied
„Danke Jungs für heute“, wandte sich ein sichtlich bewegter Pajovic nach Spielende in einer emotionalen Ansprache an die 3.100 Zuschauer, die ihm mit stehenden Ovationen dankten. „Die Chance, eine Nationalmannschaft zu trainieren, war für mich eine Ehre. Es waren unglaubliche sechs Jahre. Ich denke, wir haben schon etwas für den Handball in Österreich gemacht. Das, was wir erreicht haben, wird für immer in meinem Herzen bleiben. Danke Graz und danke Österreich!“
Auch ohne den verletzten Kapitän Bilyk meisterte das ÖHB-Team die Qualifikation für die EM und damit bereits das achte Großturnier seit 2018. „Ich war zuversichtlich, dass wir es heute packen. Aber natürlich bin ich sehr stolz, auf diese Mannschaft. Was wir seit zwei, drei Jahren leisten, ist unglaublich. Ich bedanke mich auch bei allen Fans in der Halle. Es war heute wieder unglaublich geil, hier in Österreich zu spielen“, resümierte Spielmacher Hutecek im ORF-Interview.
Torschütze Bozovic ergänzte: „Wir wollten das unbedingt für Pajo. Wir haben alles gegeben. Es hat Gott sei Dank geklappt.“ Unmittelbar nach dem Schlusspfiff wurde der scheidende Erfolgscoach gebührend geehrt. Die Spieler überraschten Pajovic mit einem emotionalen Dankesvideo, in dem sie persönliche Abschiedsworte an ihren Trainer richteten.
Bei der Europameisterschaft vom 15. Jänner bis 1. Februar 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen wird dann der Spanier Iker Romero das Zepter übernehmen. Er erbt von Pajovic eine eingespielte Mannschaft, während der Slowene künftig beim deutschen Spitzenklub Flensburg-Handewitt an der Seitenlinie stehen wird. Die Ära Pajovic geht als außerordentlich erfolgreich in die ÖHB-Geschichte ein: Drei EM- und zwei WM-Teilnahmen sowie die historischen achten Plätze bei den Europameisterschaften 2020 und 2022 fallen in die Amtszeit des 46-Jährigen.
Romero und die Herausforderungen der EM 2026
Mit Iker Romero übernimmt ein ehemaliger Spitzenspieler das österreichische Nationalteam, der auf der Trainerbank noch vergleichsweise wenig Erfahrung mitbringt. Der Spanier, der in seiner aktiven Karriere für Topklubs wie Barcelona und Berlin auflief, sammelte bislang vor allem als Co-Trainer bei den Füchsen Berlin und dem ungarischen Powerhouse Veszprém HC wertvolle Erfahrungen. Ende 2024 übernahm er seine erste Position als Cheftrainer bei einem kleineren deutschen Bundesligisten.
Bei der Europameisterschaft 2026 dürfte auf die Österreicher eine anspruchsvolle Gruppenphase warten. Voraussichtlich wird das ÖHB-Team auf mindestens einen der skandinavischen Gastgeber sowie einen weiteren Medaillenkandidaten treffen – ähnlich wie bei der EM 2024, als Österreich trotz starker Leistungen knapp am Einzug ins Viertelfinale scheiterte. Dennoch zeigte die Pajovic-Truppe bei den jüngsten Großturnieren, dass sie durchaus mit den europäischen Spitzenmannschaften mithalten kann.
Gekrönt vom finalen Erfolg in der EM-Qualifikation.