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REPORTAGE

Ein Leben in den Fängen des Kokains

FOTO: Bundeskriminalamt

Die ecuadorianische Polizei hat unlängst einen Transport von 1,5 Tonnen Kokain in einem Flugzeug nach Wien sichergestellt.

„Ehrlich gesagt, habe ich es eine Weile lang geschafft, allem zu widerstehen. Ich war wirklich clean. Aber jetzt habe ich wieder mit der Chemie angefangen und nehme wieder oft etwas“, verrät der junge Kellner. Obwohl es hier nicht um einen Dealer, sondern um einen Konsumenten geht, erinnert auch seine Wohnung in vieler Hinsicht an die Junggesellenwohnung von Rocky, und die Ausrüstung auf dem Tisch und die Speed-Päckchen zwischen Chips, Bier und der Fernbedienung für das TV-Gerät verraten seine Laster. „Natürlich würde ich niemandem empfehlen, meinen Weg zu gehen… Nein, natürlich will ich den Drogenkonsum nicht verherrlichen“, sagt Thomas. „Ich hatte eine schwere Kindheit und viele Probleme in der Familie. Vielleicht ist das der Grund, warum ich heute Speed nehme, und wenn ich etwas Geld übrig habe, dann leiste ich mir auch mal Kokain. Aber das ist selten, in der Gastronomie ist Speed weiter verbreitet als Kokain“, erklärt er uns. Auf meine Frage, ob er daran denkt, diese Gewohnheit aufzugeben, die in Kombination mit Alkohol auf längere Sicht noch mehr todbringende Risiken wie z.B. einen Herzinfarkt mit sich bringt, winkt Thomas ab: „Im Moment bin ich nicht stark genug, um damit aufzuhören“, bekennt er offen im Gespräch mit unserem Journalisten.

Immer mehr Kokain in Wien
Der Umfrage Global Drug Survey zu den Gewohnheiten des Drogenkonsums zufolge haben in Österreich 15 bis 20 Prozent der Befragten erklärt, dass sie im vergangenen Jahr MDMA, Speed oder Kokain konsumiert haben. Dass der Verbrauch an schnellen Drogen wie den oben genannten und Ecstasy-Tabletten in Österreich von Jahr zu Jahr steigt, darauf weisen auch die Statistiken des österreichischen Innenministeriums hin. Urteilt man nach der Statistik über polizeiliche Anzeigen nach dem Drogengesetz, ist klar, dass Kokain hinter Marihuana bei der Zahl der Aufgriffe an zweiter Stelle liegt. So geht aus dem letzten polizeilichen Jahresbericht von 2016 hervor, dass die Zahl der Anzeigen wegen Drogendelikten gegenüber 2015 um 10 Prozent gestiegen ist. Dass Wien im Netz des internationalen Drogenhandels eine wichtige Stellung einnimmt, davon zeugt auch ein Beispiel aus dem Februar, als die ecuadorianische Polizei den Transport von 1,5 Tonnen Kokain in einem Flugzeug aufdeckte, dessen Bestimmungsziel die österreichische Hauptstadt war.

„checkit!“
Warnungen, Informationen und „drug checking“
Als moderne Metropole hat die Stadt Wien mit der Einrichtung „checkit!“ auch eine eigene Drogenberatung. Dieser Service der Stadt, finanziert aus Mitteln der Stadt und des Gesundheitsministeriums, umfasst eine Reihe von Themen rund um Narkotika, angefangen von Rechtsberatungen, der Sammlung von Erkenntnissen über verschiedene Drogen und ihre Gefährlichkeit bis hin zu einem anonymen Service, bei dem Konsumenten eine Laboruntersuchung ihrer Drogen durchführen lassen können. Die Überprüfung von Drogen, besser bekannt als „drug checking“ soll den Kunden bessere Einsicht vermitteln in das, was sie einnehmen, vor allem bei synthetischen Drogen. Denn vor allem riskante Drogen, zum Beispiel zu hoch dosierte MDMA-Tabletten, können die Konsumenten das Leben kosten. Darum machen die Experten von „checkit!“ auch regelmäßig Laboranalysen von neuen Drogen auf dem Markt und veröffentlichen auf der Internetseite www.checkit.wien regelmäßig aktuelle Warnungen und Hinweise zu den Narkotika. Auf derselben Seite finden Sie auch die Arbeitszeiten der Telefonberatung (01/400053655) und alle weiteren Informationen zu den Aktivitäten dieser wichtigen städtischen Einrichtung.

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