„Erinnerst du dich, Bruder, Tequila-Party Nachtwerk?“

NOSTALGISCH

„Erinnerst du dich, Bruder, Tequila-Party Nachtwerk?“

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(FOTOS: Nachtwerk-Facebook)

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Lang lang ist es her, seit meinem letzten großen Rausch in der wohl größten und legendärsten Jugo-Disco, die Wien je gesehen hat. Im Nachtwerk gab es viele Mega-Festln. aber jeder Jugo, der in den 2000er-Jahen fort war, hat wohl eine Absturzgeschichte von einer der Tequila-Partys zu erzählen.

Eine alte Garage für die Wiener Linien am Arsch der Welt – so oder so ähnlich kann man das gute alte Nachtwerk in der Doktor-Gonda-Gasse in Liesing beschreiben. Jeden Freitag und Samstag verwandelte sich das zweistöckige Gebäude in das Fortgeh-Mekka für alle Jugos aus Wien und Umgebung. Und jeder, der in dieser Zeit groß geworden ist, erinnert sich an zumindest einen legendären Besuch bzw. Alk-Absturz in der Jugo-Hütte, oder – wie in meinem Fall – an zahlreiche, zugegebenermaßen mit einigen Lücken.

Seiner Zeit voraus
Alles was Großraumdiskotheken wie das Bollwerk, der Praterdome und ähnliche heute bieten, konnte das Nachtwerk vor bereits mehr als 15 Jahren. Zwei Stöcke, ein eigener „Narodna Raum“ in dem nur Balkan-Musik gespielt wurde, und selbstverständlich auch eine Pizzeria. So rückwirkend weiß glaub ich keiner so genau, ob die Pizza überhaupt gut war… Im Stadium des Vollsuffes war es sowieso oft keine gute Idee, sich überhaupt etwas hinter die Beißer zu schieben.

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(FOTO: Nachtwerk-Facebook)

Auch für die Testosteron vollgepumpten Jungs, mit Neon-Kappen und Pali-Schal, die direkt aus dem „Fitness“ kamen gab es ein ganz spezielles Angebot. Ein Pimmelvergleich – ähm sorry Kräftemessen – am Eingang in Form von Boxautomaten. Frisch gestylt mit einem fetten und schön geglätteten Voki „prügelten“ sie an den Automaten um die Gunst des weiblichen Geschlechts.

Apropos weibliches Geschlecht: Auch die Mädels von damals blieben – aus heutiger Sicht – nicht von den Modesünden verschont. Hässliche „Achseltaschen“ mit einem Gurt quer über ein kitschiges bauchfreies Trägerleibchen. Dazu goldgelb gefärbte Haare und nicht existente Augenbrauen. Ganz coole gingen natürlich mit einem fetzigen Trainingsanzugsoberteil, oder gar mit Trainingsanzugshosen in Neonfarben ins Nachtwerk – egal ob männlich oder weiblich.

„Pet tekila i jednu kiselu“
Auch wenn die Jugo-Disko mit zahlreichen anderen Partys und hunderten Auftritten von Balkan-Stars punkten konnte, so ist kein Event des Nachtwerks so legendär wie die Tequila-Party. Jeder letzte Samstag im Monat stand ganz im Zeichen des Absturzes – 80 Cent pro Stamperl Tequila waren es zu meiner Zeit.

Also schnell Mama und Papa nach Kohle gefragt, drei Stunden geduscht und gestylt und auf geht’s! Ganz glückliche hatten auch Geburtstag am Tag der Tequila-Party (so wie ich) und bekamen eine ganze Flasche aufs Haus.

Selbst mit zwanzig Euro konnte man sich bei dieser Party so richtig schön aus dem Leben schießen. Eine kleine Flasche Mineralwasser und der Rest wurde in den „goldenen Wundersaft“ aus Mexico investiert, der selbst den größten Tanzmuffel zu einem Partylöwen machte. Ich konnte damals genau 5 Sätze Jugo, aber der Satz „Pet tekila i jednu kiselu“ war bestens einstudiert. Und spätestens nach dem dritten Einweg-Plastikspamperl war es sowieso scheiß egal und man ging einfach nur ab wie ein Zäpfchen.

Klogang zu später Stunde – ein Erlebnis
Auch wenn das Nachtwerk neben der Garderobe über ein relativ großes Klo verfügte, so musste man tief in der Nacht oftmals länger anstellen. Immer wieder kamen einem Alkoholleichen entgegen, die von ihren Freunden aus der Disko gehievt wurden. Oder aber ganz harte Sorten, die nur schnell am Klo brechen waren, um mehr Platz für noch mehr Tequila zu machen. Sollte man es dann doch aufs WC geschafft haben, so wurde zur Balkan-Diskomusik im Chor und in verschiedensten Tonlagen und Härtegraden „gespieben“.

„Warst du Samstag Nachtwerk?“
Der Sonntag nach der Tequila-Party wurde zumeist im Bett verbracht und gechillt – zumindest, wenn man zu den Glücklichen gehörte, die nicht Leib und Seel auskotzen mussten. Viele konnten sich nach den Saufgelagen ausruhen, ich musste jedoch so gut wie immer zu meinen Volleyball-Matches fahren – und das quer durch das Land. Eine Tortour, die ich heute wohl nur noch mit Infusionen und Sauerstoffzelt überleben würde.

Wer zur Jugo-Community der damaligen Zeit dazugehören wollte, der musste sich einfach im Nachtwerk blicken lassen, um die obligatorische Frage am Montag in der Schule: „Warst du Samstag Nachtwerk?“ mit einem stolzen „Ja“ beantworten zu können. Alle paar Minuten wurde das Netz gecheckt, ob es bereits die neuesten Fotos auf Nachtwerk.at oder Viennainfo.at gibt, um anzugeben, mit wem man unterwegs war, oder welchen Aufriss man getätigt hat. Selbstverständlich musste man die Fotos auch auf Netlog und die anderen damals aktuellen Sozialen Netzwerken hochladen.

Gegen Mitte der Woche war der Geist der letzten Tequila-Party leider verflogen und alle warteten gespannt auf den nächsten letzten Samstag im Monat, wenn es wieder hieß: „Gemma Nachtwerk Tequila-Party?“

Den Link zu den Fotos und das Video findet ihr auf der zweiten Seite!

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien hatte der gebürtige Wiener bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.