Erster Österreichischer Integrationskongress: Erwartungen übertroffen!

MIGRATION UND TEILHABE

Erster Österreichischer Integrationskongress: Erwartungen übertroffen!

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Integrationskongress
FOTO: Igor Ripak

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Mehr als 400 Teilnehmende beleuchteten Aspekte von Migration, Integration und Teilhabe.

Der erste Österreichische Integrationskongress hat die Erwartungen der OrganisatorInnen weit übertroffen: Mehr als 400 WissenschaftlerInnen, UnternehmerInnen, VertreterInnen von Gemeinden und Ländern sowie MigrantInnenorganisationen beleuchteten in der Messe Wien zahlreiche Aspekte von Migration, Integration und Partizipation – und machten damit diesen Kongress zur bisher umfassendsten Plattform für die Analyse von Integration in Österreich.

Man kann es ohne Übertreibung als Meilenstein bezeichnen, was die mehr als 400 registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim ersten Österreichischen Integrationskongress im Congress Center der Messe Wien geleistet haben. In fünf Themenschwerpunkten von Bildung über Arbeit und Wirtschaft bis zu Gesundheit und Partizipation und insgesamt 45 Referaten, Diskussionen, Workshops und Vorträgen erarbeiteten und präsentierten sie die unterschiedlichen Facetten und Herausforderungen, die Integration und Partizipation in der österreichischen Einwanderungsgesellschaft darstellen. Sie kamen vom Land, aus der Stadt, aus Unis sowie Erwachsenenbildungsstätten und vertraten über 250 Organisationen und politische Einheiten wie Gemeinden und Länder. Umfassender wurde das Thema bislang nicht behandelt.

Zukunftsfrage der österreichischen Gesellschaft

Womit auch klar wurde: Längst geht es beim Thema Integration nicht mehr um kleine und klar abgrenzbare Bereiche, deren Management man einer Handvoll spezialisierter Einrichtungen und Projekten überlassen kann. Längst ist es für das Einwanderungsland Österreich zur Zukunftsfrage geworden, die Vielfalt zu begrüßen und den Zugewanderten gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

So haben knapp 40 Prozent der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer mittlerweile Migrationshintergrund, wie Tülay Tuncel von der Wiener Wirtschaftsagentur ausführte. Alexandra Staber vom bfi Kärnten beleuchtete hierzulande gerne verdrängte Aspekte: Zum einen strömen dringend benötigte Pflegerinnen und Pfleger aus dem benachbarten Ausland in österreichische Heime, die ohnehin händeringend nach Personal suchen. Zum anderen sind die als GastarbeiterInnen geholten MigrantInnen der 1960er- und 1970er-Jahre heute häufig selbst pflegebedürftig. Österreichs Pflegekräfte kommen daher um das Thema Vielsprachigkeit nicht herum, wenn sie die bestmögliche Betreuung der Pflegebedürftigen sicherstellen wollen. In Kärnten gibt es dazu übrigens seit 2014 entsprechende Projekte.

In der Bundeshauptstadt stellt sich die Frage der Vielsprachigkeit am häufigsten – auch und gerade für die Stadtverwaltung, wie Kurt Luger von der MA 17 ausführte. Ohne systematische Erhebung und Planung wäre das für die Behörden kaum zu bewältigen. Seit Längerem gibt es daher den sogenannten Diversitätsmonitor. Laut ihm ist etwa ein Viertel der Beschäftigten der Gemeinde Wien ausländischer Herkunft. 20 Prozent der Behörden bieten systematisch mehrsprachiges Service für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt an, 64 Prozent immerhin fallweise. Anhand dieser Ergebnisse werden Verbesserungen erarbeitet.

Integrationskongress
Initiator Dino Schosche. (FOTO: Igor Ripak)

Im allgemeinen Diskurs werden Integration und Migration vorwiegend als urbane Phänomene gesehen. Zwar leben die meisten Zugewanderten und ihre Kinder tatsächlich in Städten, aber das Thema betrifft den ländlichen Raum weit mehr als gedacht. Das machte Marika Gruber von der FH Kärnten in ihrem Vortrag deutlich.

Dass Österreich – seit Jahrzehnten – eine Einwanderungsgesellschaft ist, macht auch ein demokratiepolitisches Umdenken nötig. Mit Ausnahme der direkten Mitbestimmung bei Betriebsrats- und Arbeiterkammerwahlen sind mittlerweile hunderttausende Menschen aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft von einer politischen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen, wie Gernot Mitter und Franjo Marković von der AK Wien in einem Workshop erklärten. Demokratiepolitisch ist dieses Phänomen mittlerweile zu einem massiven Problem geworden.

„Thema sachlicher diskutieren“

„Meine Hoffnung besteht darin, dass wir durch unsere Arbeit und – noch wichtiger – unsere Zusammenarbeit, durch Vernetzung und Austausch, gemeinsam einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass das Thema Integration sachlicher diskutiert wird und neue Diskurse entstehen“, sagt Initiator Dino Schosche. „Der erste Integrationskongress war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Ähnlich beurteilt der Wiener Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky den Kongress: „Der erste Österreichische Integrationskongress ermöglicht den Austausch von Expertise und Erfahrungen aus den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Arbeit. Seriöse Politik braucht ein fundiertes Wissen über die Gesellschaft und ihre Herausforderungen. Dieses Wissen ermöglicht es uns, an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten anstatt Ängste zu schüren.“

Fortsetzung für 2020 geplant

Nach dem Erfolg der Veranstaltung ist auch an eine Fortsetzung gedacht: Der zweite Österreichische Integrationskongress ist für den 12. Mai 2020 im Wiener Europahaus geplant.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der MA 17 der Stadt Wien, der Arbeiterkammer Wien, den ÖBB und der Wirtschaftsagentur Wien. Weitere Unterstützung kam von der Volkshilfe Wien, den VHS Wien, der Caritas und dem Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen. Medienpartner waren BIBER, Okto, KOSMO, BZ, Vienna Online, BUM und Metropole.

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