Die Vorstandsgehälter des niederösterreichischen Energieversorgers EVN stehen in der Kritik. Der SPÖ-NÖ-Vorsitzende Sven Hergovich bemängelt, dass die Bezüge der Führungskräfte deutlich über dem Branchendurchschnitt liegen. Der aktuelle Vergütungsbericht für das Geschäftsjahr 2023/2024 belegt diese Einschätzung: EVN-Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz erhält demnach ein Jahresgehalt von 784.100 Euro – eine Summe, die frühere Schätzungen von 600.000 Euro noch übertrifft.
Hergovich sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den großzügigen Vorstandsbezügen und den überhöhten Stromtarifen in Niederösterreich. Er verweist darauf, dass die EVN-Preise etwa ein Drittel über jenen der vergleichbaren Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) liegen. Nach Ansicht des SPÖ-Politikers sollten die Unternehmensgewinne primär zur Entlastung der Stromkunden verwendet werden, statt die Managementgehälter weiter anzuheben.
Eigentümerstruktur
Ein Blick auf die Eigentümerstruktur zeigt, dass die EVN mehrheitlich in öffentlicher Hand ist. Das Land Niederösterreich hält 51 Prozent der Anteile, die Wiener Stadtwerke kontrollieren weitere 28,35 Prozent. Die restlichen Aktien befinden sich im Streubesitz. Bei Hauptversammlungen sorgt die Vergütungspolitik regelmäßig für Diskussionen – zuletzt stimmten nur 84 Prozent der Aktionäre für die vorgeschlagene Gehaltsstruktur.
Sonderdividende umstritten
Besonders die Verwendung der Sonderdividende aus der Verbund-Beteiligung steht im Zentrum von Hergovichs Kritik. Diese Ausschüttung sollte seiner Meinung nach dem Gemeinwohl dienen, fließt jedoch vorrangig in die Netzinfrastruktur, anstatt die Strompreise zu senken. Für 2025/26 rechnet man mit zusätzlichen Einnahmen von rund 144 Millionen Euro, die der SPÖ-Politiker lieber zur Reduzierung der Kundenrechnungen einsetzen würde.
In einer Videobotschaft räumt Hergovich ein, die EVN unterschätzt zu haben, und bekräftigt seine Forderung, die Übergewinne des Energieversorgers an die Bevölkerung zurückzugeben.