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Familienunternehmen aus aller Welt – und warum sie so erfolgreich sind

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Weltweit gibt es zahlreiche Unternehmen, die als Familienbetriebe aufgebaut wurden und seit einigen Jahrzehnten am Markt etabliert sind. Doch welche dieser Familienunternehmen zählen zu den größten und was ist ihr Erfolgsgeheimnis? – Wir sind diesen Fragen für euch einmal nachgegangen.

Definition des Begriffs

Ein Familienunternehmen gilt im klassischen Sinne als solches, wenn eine Familie die Mehrheit an Stimmrechten und/oder am Kapital hat, etwa wenn das Familienoberhaupt Besitzer und Geschäftsführer des Unternehmens ist.

Bei einem sogenannten familiengeführten Unternehmen verteilen sich die Eigentumsanteile auf bis zu zwei Familien, einer der Inhaber ist in der Geschäftsleitung tätig. Man spricht auch dann von einem Familienunternehmen, wenn mindestens ein Familienmitglied offiziell an der Leitung beteiligt ist.

In einem Familienunternehmen werden zudem bestimmte Werte gelebt im Sinne einer Unternehmenskultur, die durch die Familie(n) geprägt ist. Außerdem besteht ein Fortführungswille. Das heißt, dass das Unternehmen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden soll.

Familienunternehmen in Österreich

Gut 90 Prozent der österreichischen Unternehmen sind Familienunternehmen. Hinter Deutschland (95 Prozent) liegt Österreich damit in Europa auf dem zweiten Platz.

  • Porsche Holding GmbH

Der größte und erfolgreichste Autohändler Europas ist die Porsche Holding GmbH, die ihren Sitz in Salzburg hat. Über 32.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, der Jahresumsatz beträgt gut 17 Milliarden Euro. Das Unternehmen wurde 1947 als Familienbetrieb von Louise und Ferry Porsche, den Kindern von Ferdinand Porsche, dem Erfinder des Radnabenmotors und Konstrukteur des Volkswagen, gegründet. Heute ist das Unternehmen in 21 europäischen Ländern sowie Kolumbien, Chile, China, Malaysia, Singapur und Brunei vertreten.

  • Swarovski KG
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Zu den wohl bekanntesten Familienunternehmen in Österreich zählt die Swarovski KG aus Wattens. Sie designt, kreiert und vermarktet qualitativ hochwertige Kristalle, die zu Schmuck, Accessoires und Dekorationsgegenständen verarbeitet werden. Gegründet wurde sie bereits 1895 vom böhmischen Glasschleifer Daniel Swarovski. Inzwischen erwirtschaftet das Unternehmen mit seinen 29.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro.

  • Spar-Gruppe

Ebenfalls ihren Sitz in Salzburg hat die Spar-Gruppe. Das Unternehmen wird von den Familien Drexel, Reisch, Poppmeier und Wild geleitet. Die 40.000 Angestellten der Spar Österreich AG generieren einen Umsatz von rund 12 Milliarden Euro. Gegründet wurde das Unternehmen, damals noch Handelsvereinigung Spar Tirol/Pinzgau genannt, 1954 vom Tiroler Großhändler Hans F. Reisch in Zusammenarbeit mit 100 selbstständigen Kaufleuten. Nur wenige Jahre nach der Gründung ist das Unternehmen in ganz Österreich bekannt und flächendeckend vertreten.

Familienunternehmen in Frankreich

Frankreich hat bei Weitem nicht so viele Familienunternehmen wie Österreich. Trotzdem wurden in dem Land einige große Unternehmen gegründet.

  • Groupe Auchan

Groupe Auchan ist eine französische Supermarktkette, die zum Imperium der Unternehmerfamilie Mulliez gehört. Im Jahr 1955 gründete Francis Mulliez die Holding Association Familiale Mulliez (AFM), heute wird sie von Thierry Mulliez geleitet. Die Group Auchan wurde 1961 von Gérard Mulliez ins Leben gerufen. Dazu gehören inzwischen über 800 SB-Warenhäuser und 820 Supermärkte in 16 Ländern. Der Jahresumsatz beläuft sich auf etwa 85,5 Milliarden Euro. Damit ist die Groupe Auchan eines der erfolgreichsten Familienunternehmen der Welt.

  • Christian Dior SA

Die Marke Christian Dior ist eine der bekanntesten französischen Modemarken. Im Jahr 1946 gründeten der Modeschöpfer Christian Dior und sein Finanzpartner Marcel Boussac, ein vermögender Textilfabrikant, das Unternehmen. Ein Jahr später kam die erste Modekollektion auf den Markt – mit großem Erfolg. Inzwischen gehören auch Lederwaren, Schuhe, Uhren, Schmuck, Brillen, Accessoires, Parfüms und Kosmetik zum Repertoire. Der weltweite Umsatz beträgt rund 44 Milliarden Euro.

  • Mc LEM SAS

Die Familie Mc Lem aus Marseille konnte mit ihrem Unternehmen gleich doppelt Erfolge feiern: Im Jahr 1979 gründete sie zunächst das Unternehmen Mc LEM SAS, in Zusammenarbeit mit dem Designer Anthony Birgin. Produziert wurden originelle Denim-Jeans im modernen Stil zu einem günstigen Preis. Das Geschäft boomte regelrecht – bis zum Jahr 1991, als mit dem Aufkommen der chinesischen Produktionsstätten die Konkurrenz immer größer wird. Der Mc Lem-Clan zieht die Konsequenzen, verkauft ihr Großhandelsgeschäft, konzentriert sich nun auf Denim-Stoff in Marokko – und hat damit erneut Er folg. Den nutzt die Familie, um die Marke KAPORAL ins Leben zu rufen, deren Kollektionen sich längst nicht mehr auf Jeanshosen beschränken.

Familienunternehmen in den USA

101 der 500 weltweit größten Familienunternehmen haben in den Vereinigten Staaten von Amerika ihren Stammsitz. Damit gibt es in den USA weltweit am meisten Familienunternehmen, dicht gefolgt von Deutschland mit einer Anzahl von 94 Familienunternehmen.

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      • Wal-Mart Store Inc.

1962 eröffnete Sam Walton in Rogers, einer kleinen Stadt in Arkansas, den ersten Wal-Mart (Walton´s Market) der Welt. Zehn Jahre später ging das Unternehmen an die Börse und vergrößerte sich schlagartig auf über 11.400 Filialen weltweit. Mit über zwei Millionen Angestellten ist der US-Einzelhändler der größte private Arbeitgeber sowie das mit Abstand größte Familienunternehmen der Welt. Im letzten Jahr machte das Unternehmen rund 486 Milliarden US-Dollar Gewinn. S. Robson Walton, der älteste Sohn des Gründers, bestimmt heute als Vorsitzender über die Vorgänge im Unternehmen. Insgesamt hat die Walton-Familie mit einem Anteil von 50,9 Prozent die Mehrheit der Stimmrechte.

      • Koch Industries Inc.

Die Firma Koch ist mit einem Umsatz von rund 115 Milliarden US-Dollar im Jahr das siebtgrößte Familienunternehmen der Welt. Gegründet wurde es 1925 Von Fred C. Koch, heute ist es in den Händen der Brüder David und Charles Koch. Während David Koch eine Position als Vize-Präsident und Miteigentümer von Koch Industries innehat, nimmt Charles Koch als Präsident den Chefsessel für sich in Anspruch. Das Unternehmen hat verschiedene Produktionsbereiche, darunter Energie, Erdöl, Erdgas, Asphalt, Kunststoff und Nahrungsmittel.

      • Ford Motor Company

Die Ford Motor Company zählt zu den größten Autoherstellern weltweit und hat ihren Sitz in Dearborn. Der Ursprung des Konzerns geht auf die Fabrik zurück, die Henry Ford im Jahr 1903 in Detroit gegründet hat. Seit 1955 ist Ford eine Aktiengesellschaft. Mit einem Umsatz von rund 157 Milliarden US-Dollar (Stand 2017) ist die Ford Motor Company das fünftgrößte Familienunternehmen der Welt.

Familienunternehmen in Deutschland

In Deutschland gibt es 94 Familienunternehmen – damit liegt das Land im weltweiten Vergleich auf dem zweiten Platz.

      • Volkswagen AG

Die Volkswagen AG ist das zweitgrößte Familienunternehmen der Welt und einer der größten Autohersteller Europas. Der Konzern hat seinen Sitz in Wolfsburg, die größten Anteile daran haben die Familien Porsche und Piëch. Mit über 600.000 Angestellten auf der ganzen Welt gehört die Volkswagen AG zu den größten Arbeitgebern. Der Umsatz belief sich 2017 auf rund 231 Milliarden Euro.

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          • BMW AG

Die Bayerische Motoren Werke AG (BMW AG) wurde 1916 von Karl Rapp und Gustav Otto aufgebaut und hat seinen Sitz in München. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Industriellenfamilie Quandt als Großaktionär ein, die heute die meisten Anteile am Unternehmen hat. Die Tochtergesellschaft BMW Group gehört zu den größten Wirtschaftsunternehmen Deutschlands. Der Jahresumsatz von rund 99 Milliarden Euro (Stand 2017) kann sich durchaus sehen lassen.

          • Schwarz-Gruppe

Josef Schwarz gründete im Jahr 1930 das Familienunternehmen Schwarz Beteiligungs GmbH, der die Unternehmen Lidl und Kaufland gehören. Die Schwarz-Gruppe ist eine der größten Supermarktketten Deutschlands und stand lange unter der Leitung von Dieter Schwarz, dem Sohn des Gründers. 1999 hat sich Dieter Schwarz aus der Unternehmensleitung zurückgezogen und seinen Anteil auf die gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung übertragen. Im letzten Jahr betrug der Umsatz 90,2 Milliarden Euro.

Erfolgsgeheimnisse von Familienunternehmen

Familienunternehmen zeichnen sich durch bestimmte Eigenschaften aus, wegen denen Angestellte dort lieber ihre Karrierelaufbahn starten und das Unternehmen als solches wettbewerbsfähiger, erfolgreicher und langlebiger ist als andere Unternehmensmodelle.

      • Die Eigenarten eines Familienunternehmens entstehen durch den Einfluss der Familie, nicht durch die Größe des Betriebes.
      • Familiäre Eigenschaften wie Vertrauen, Bindung und Loyalität finden sich im Unternehmen wieder, was enorme Wettbewerbsvorteile bringt und sie erfolgreicher macht.
      • Durch solche familiären Beziehungsmuster wird die Arbeit des Personals stärker wertgeschätzt, was die Identifikation mit dem Unternehmen steigert.
      • Familienunternehmen sind stärker an finanzieller Eigenständigkeit interessiert und versuchen möglichst wenig Fremdkapital in Anspruch zu nehmen.
      • Familienunternehmen sind langfristig orientiert und setzen stärker auf die Entwicklung von Kernkompetenzen und Vertrauensressourcen. Das gelingt, indem sie länger als andere Unternehmen an bewährten Geschäftsprinzipien, gewachsenen Kunden- und Lieferantenbeziehungen festhalten und sich bemühen, ihre Mitarbeiter möglichst lange zu halten.