Ein geplatzter Deal, juristische Anträge und schwere Vorwürfe: Der Machtkampf zwischen UEFA und FIFA eskaliert auf offener Bühne.
Der Machtkampf zwischen UEFA und FIFA um die Investorenpläne von Gianni Infantino hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Beide Verbände erheben schwerwiegende gegenseitige Vorwürfe, während der eigentliche Deal längst vom Tisch ist.
Die ursprünglichen Investorenpläne, mit denen Infantino die Vermarktung der Weltmeisterschaft neu aufstellen wollte, scheiterten am massiven Widerstand aus Europa. Obwohl das Vorhaben letztlich zurückgezogen wurde, hat es eine Auseinandersetzung zwischen UEFA und FIFA ausgelöst, die seither an Schärfe gewonnen hat.
Juristische Eskalation
Die UEFA beschränkt sich nicht auf verbale Kritik: Bereits am 3. August 2026 forderte die UEFA in einem Schreiben 18 namentlich genannte FIFA-Funktionäre auf, sämtliche relevanten Daten, Dokumente und elektronische Nachrichten als potenzielle Beweismittel unverändert aufzubewahren. Jede Vernichtung oder Veränderung dieser Unterlagen wurde ausdrücklich als mögliche Beweisvereitelung gewarnt.
Am 27. August 2026 stellte die UEFA bei US-Bundesgerichten in Florida und New York Anträge, um mittels Discovery-Verfahren Dokumente und Zeugenaussagen von FIFA-nahen Gesellschaften sowie dem Investmentfonds Thrive Capital zu sichern. Diese Beweismittel sollen für eine in der Schweiz vorbereitete Strafanzeige wegen mutmaßlicher „criminal mismanagement“ gegen FIFA-Präsident Infantino im Zusammenhang mit dem gescheiterten FIFA-Forward-Enterprise-Investorenplan verwendet werden.
Aus Sicht der UEFA haben die Pläne eine rote Linie überschritten, da sie die Interessen des europäischen Fußballs grundlegend gefährdet hätten.
Die FIFA weist diese Schritte entschieden zurück. Die von der UEFA an gleich mehrere Gerichte parallel gestellten Anträge seien nicht mehr als bloße Pressemitteilungen. Zudem erhebt der Weltverband einen weitreichenden Vorwurf: Das wirtschaftliche Motiv der UEFA habe darin bestanden, zu verhindern, dass kleinere Länder über die finanzielle Stärke verfügen, um mit der europäischen Elite konkurrieren zu können.
Die FIFA beschränkt sich dabei nicht auf verbale Gegenangriffe. Mit Anträgen bei US-Gerichten versucht der Weltverband, die von der UEFA angestrebte Herausgabe von Dokumenten und Aussagen zu verhindern oder zumindest zu verzögern. FIFA-nahe Gesellschaften beantragten, an den Verfahren beteiligt zu werden und Gelegenheit zu einer formellen Stellungnahme zu erhalten.
In Florida wurde der FIFA bereits erlaubt, einem der Beweisanträge entgegenzutreten. Der Weltverband will bis zum 30. September ausführlich darlegen, warum die Forderungen der UEFA abgewiesen werden sollten. Die FIFA argumentiert unter anderem, dass in der Schweiz bislang kein Strafverfahren anhängig sei und interne Streitigkeiten laut FIFA-Statuten über ein Schiedsverfahren geklärt werden müssten. Zudem könnten durch die geforderte Offenlegung vertrauliche Informationen öffentlich werden.
Infantinos Position
Gianni Infantino, der die FIFA seit 2016 führt, sieht sich mit anhaltender Kritik konfrontiert, zeigt jedoch keine Bereitschaft zum Rückzug. Der Konflikt hinterlässt Spuren im internationalen Fußball und wirft Fragen darüber auf, wie sich die Auseinandersetzung auf die sportliche Entwicklung in kleineren Nationen auswirken wird –
darunter auch Länder des Balkans.