Frauen als Kriegsopfer: Bakira Hasečić erhält Ehrendoktortitel von Glasgow Universität

EHRUNG

Frauen als Kriegsopfer: Bakira Hasečić erhält Ehrendoktortitel von Glasgow Universität

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Bakira Hasecic, ein Folteropfer aus Visegrad, hat den Verein "Frau – Kriegsopfer" ins Leben gerufen. (Foto: zVg.)

Die Opfer des Krieges gegen Bosnien-Herzegowina leiden bis heute an den Folgen körperlicher und seelischer Gewalt. Eine, die für Anerkennung der traumatisierten Menschen als Kriegsopfer kämpft, ist Bakira Hasečić. Nun wird sie ausgezeichnet.

Bakira Hasečić, ein Folteropfer aus Visegrad, hat 2003 den Verein „Frau – Kriegsopfer“ ins Leben gerufen, um Beweise für die Strafverfolgung von Kriegsverbrechern zu sammeln. Der Verein fungiert als Anlauf- und Beratungsstelle und vermittelt Hilfe für die Aufarbeitung des Erlebten. Des Weiteren kämpft die Organisation für die Anerkennung der traumatisierten Menschen als Kriegsopfer. Hasečić ist eine der wenigen Frauen, die über die Vergewaltigungen im Krieg sprechen.

1992 wurde Bakira Hasečić von serbischen Soldaten überfallen. Die muslimische Bosnierin und ihre zwei Töchter wurden mehrfach vergewaltigt und gefoltert. Während des Krieges sind in Bosnien-Herzegowina schätzungsweise 50.000 Frauen Opfer von Vergewaltigungen geworden. Nach wie vor gibt es keine konkreten Zahlen, da die Opfer über die traumatischen Erfahrungen schweigen. Viele der Frauen wurden versklavt, gefoltert und in sogenannte Vergewaltigungscamps gesteckt.

Ehrung einer Kämpferin
Bakira Hasečić ist eine der wenigen Frauen, die mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit getreten ist. Sie hält Vorträge, schreibt Bücher und schweigt nicht. Ihr Mut und ihr Kampf als Menschenrechtsverfechterin wird nun von der Glasgow Caledonian University (GCU) in Schottland gewürdigt, berichtet Daily Record. Die 65-jährige Bosnierin verlor 17 Familienmitglieder, darunter auch ihre Schwester, die gefangen gehalten und wiederholt vergewaltigt, bevor sie ermordet wurde. „Es ist etwas, mit dem ich lebe. Ich gehe damit ins Bett und wache damit auf. Darum kämpfe ich für ein besseres Morgen und um Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen“, so Hasečić. „Ich glaube dieser Kampf war meine beste Therapie. Gerechtigkeit und Wahrheit sind unsere einzige Rache“, erzählt Bakira Hasečić.

Sie kennt ihre Vergewaltiger. Einer von ihnen war Milan Lukic, der Anführer der serbischen paramilitärischen Gruppe der „Weißen Adler“, die die Stadt ethnisch säuberte. Alle nicht Serben, größtenteils Muslime, wurde vertrieben, ermordet und gefoltert. Nach Jahren auf der Flucht wurde Lukic gefangen genommen und vor ein internationales Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag gestellt. Er wurde wegen Kriegsverbrechen einschließlich Mord und Verfolgung zu lebenslanger Haft verurteilt. Für Bakira Hasečić ein beschämendes Urteil, denn in Lukics Anklage wurde Vergewaltigung nicht aufgenommen.

Genaue Dokumentation von Vergewaltigungen
Der Verein „Frau – Kriegsopfer“ hat jedoch dazu beigetragen, dass 29 Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof ausgeliefert werden. Etwa 70 Männer wurden von bosnischen Gerichten zur Rechenschaft gezogen. Der Verein zählt 3100 Mitglieder, die bisher 25.000 Namen von Frauen, die im Krieg vergewaltigt wurden, gesammelt haben, einschließlich derer, die anschließend ermordet wurden. Die Gruppe hat außerdem 6000 Zeugenaussagen gesammelt, die an die bosnischen Staatsanwaltschaften weitergeleitet wurden.

Pamela Gillies, Rektorin und Vizekanzlerin des GCU, besuchte Bosnien letztes Jahr im Rahmen einer Delegation „Remembering Srebrenica Scotland“, die auf den Genozid aufmerksam machen wollen. „Dem von Bakira gegründete Verein ist es gelungen, vielen Frauen eine Stimme zu verleihen und die Schuldigen vor Gericht zu stellen“, so Gillies. „Die Auszeichnung für diese mutige, inspirierende Frau ist eine Anerkennung ihres Kampfes Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen. Muslimische Frauen waren Opfer sexueller Gewalt, Vergewaltigung und Erniedrigung während des Krieges“, ergänzt Gillies. Weltweit wird Vergewaltigung in Konflikten als Kriegswaffe eingesetzt und die Opfer leiden oft unter Stigmatisierung, Scham und Ausgrenzung.

Bakiras Hoffnung ist, dass Opfer von sexueller Gewalt auf der ganzen Welt ihre Kräfte bündeln, um die Täter vor internationale Gerichte zu bringen. „Kriegsverbrecher sollten für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, nicht nur die Soldaten, sondern auch diejenigen, die die Befehle erteilt haben“, so Hasečić.