In einer Schwefelhöhle haben Forscher das bisher größte bekannte Spinnennetz der Welt entdeckt. Das beeindruckende Netzwerk erstreckt sich über etwa 106 Quadratmeter und beherbergt mehr als 111.000 Spinnen. Besonders bemerkenswert: Zwei normalerweise einzelgängerische Arten – die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) und Prinerigone vagans – haben gemeinsam dieses ausgedehnte Netz-Mosaik erschaffen, ein Verhalten, das Wissenschaftler bisher nicht dokumentieren konnten.
Die ungewöhnliche Spinnenkolonie setzt sich aus rund 69.000 Exemplaren der Hauswinkelspinne und 42.000 Individuen der Art Prinerigone vagans zusammen. Beide Spezies leben üblicherweise als Einzelgänger und siedeln sich vorwiegend in der Nähe menschlicher Behausungen an. Istvan Urak, Hauptautor der Studie von der Sapientia-Universität in Sfântu Gheorghe, vermutet, dass die extremen Umweltbedingungen – permanente Dunkelheit und hoher Schwefelgehalt – dieses außergewöhnliche Zusammenleben begünstigen.
Extreme Lebensbedingungen
Die Umgebungsbedingungen in der Höhle sind tatsächlich extrem: Vollständige Dunkelheit herrscht vor, während schwefelreiches Wasser mit einer konstanten Temperatur von etwa 26 Grad Celsius durch den Hauptgang fließt. Die Spinnen ernähren sich von Mücken, die wiederum mikrobielle Biofilme an den Höhlenwänden als Nahrungsquelle nutzen.
Genetische Anpassung
Genetische Untersuchungen belegen deutliche Unterschiede zwischen den Höhlenbewohnern und ihren Artgenossen außerhalb – sowohl im Erbgut als auch in der Zusammensetzung ihres Mikrobioms (Gesamtheit der Mikroorganismen). Die Wissenschaftler interpretieren diese Abweichungen als möglichen evolutionären Anpassungsprozess an das Leben unter der Erde.
Das internationale Forscherteam hofft nun, diese empfindliche Spinnenkolonie schützen zu können, obwohl sich die Höhle in einem grenzüberschreitenden Gebiet befindet.
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