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INTERVIEW

„Ich muss es hier noch einmal laut sagen: Sch*** auf … Integration!”

FOTO: zVg.

“Sch*** auf … Integration!” heißt das Buch von Sava Ristić, einem Schriffsteller, der aus Ex-Jugoslawien stamm. In seinem Buch macht er auf die häufigsten Probleme aufmerksam, mit denen Migranten vom Balkan bei der Integration in die österreichische Gesellschaft konfrontiert sind.

Welche Probleme auftauchen können und was man ändern könnte, erklärte Sava gegenüber KOSMO.

KOSMO: Wie kamen Sie auf die Idee das Buch “Sch*** auf … Integration!” zu schreiben?

Sava: Ich war viele Jahre auf der Suche nach einer Antwort: Wie gute Integration gelingen kann? Letztendlich ist mir klar geworden, dass es hier keine Lösungen gibt, weil „Integration“ gar nicht existiert. „Integration ist nur ein Hirngespinst, eine „fata morgana“, ein fiktives Märchen und eine Ersatzdroge für das Volk. „Integration“ ist ein Machtinstrument für Parteien, damit sie ihre WählerInnenstimmen maximieren. Genauso unzählige ExpertInnen lieben dieses Thema, die davon Leben und über dieses Thema schreiben und letztendlich es entstehen dadurch nur weitere Probleme und keine brauchbare Lösungen. Warum? Weil, sobald die „Integration“ im Spiel ist, wird unsere Gesellschaft in zwei Teile gespalten. Dadurch gibt es automatisch die Bio-ÖsterreicherInnen (die sind makellos, die haben „unsere Werte“, sind wertvollere BürgerInnen), die sich nicht integrieren müssen und von oben herab mit dem Finger auf MigrantInnen zeigen können. Andererseits gibt es MigrantInnen (die sind Fehlerhaft, die haben keine Werte, die sind unvollständig), die müssen sich integrieren, damit sie überhaupt zu einem „brauchbaren Menschen“ werden. Also dieser fiktive Begriff „Integration“ macht nichts anderes als unsere Gesellschaft zu teilen in minderwertige BürgerInnen (MigrantInnen) und wertvollere BürgerInnen (Einheimische). Dieses Konzept lehne ich strikt und entschieden ab. Das ist eine Frechheit und das zerstört unsere Gesellschaft und unser Land Österreich. Hier in Österreich darf es nur eine Gesellschaft geben. Und in einer Demokratie dürfen BürgerInnen selbst über ihr Leben bestimmen. Weder Staat noch Gesellschaft haben das Recht, darüber zu entscheiden, welchen Namen ich meinem Kind gebe (Dragan, Ahmed oder Monika). Aber sehr wohl hat der Staat das Recht, die Rechte der Kinder zu schützen.

Was hat Sie zum Schreiben motiviert, und was zu so einem Titel des Buches?

Es gibt viele Gründe um mit dem Mythos „Integration“ aufzuräumen. Mir liegt unsere österreichische Gesellschaft sehr viel am Herzen und umso wichtiger ist es auf die richtigen Lösungen zu setzen und nicht auf scheinheilige Wohlfühl-Begriffe, die nur mehr Spaltung und Probleme mit sich bringen. Weiters ist es wichtig, dass MigrantInnenkinder selbstbewusst aufwachsen ohne dass irgendjemand sie ständig erinnert, dass sie nicht von hier sind und nicht hierher gehören. Darum schreibe ich in meinem Buch explizit einen Brief an Kinder: Seid Mutig, übernimmt Verantwortung über euer Leben, liest Bücher, steht zu euch selbst, träumt große Träume und lasst euch nicht einreden, dass ihr weniger Wert seid.

Wieso lässt man Menschen ins Land, wenn man vorhat, diese zu benachteiligen? Wie kann man Migrant*innen, die in einem Land bereits leben, ausgrenzen und ihnen den Weg für die Teilhabe an der Gesellschaft erschweren? Was für eine Hilfe ist es Flüchtlinge ins Land zu lassen und diese dann zum Nichtstun zu verdammen? Wie können wir ein Viertel der Bevölkerung (Menschen mit Migrationshintergrund) als Fremdkörper ansehen? Wie glauben wir eine Gesellschaft demokratisch zu gestalten, wenn wir ein Viertel der Bürger*innen (Menschen mit Migrationshintergrund) dieser Gesellschaft benachteiligen? Diese Rechnung kann niemals aufgehen. Das kann doch nicht unser Ernst sein. Das können wir doch nicht wollen.  Ich muss es hier noch einmal laut sagen: „Scheiss auf Integration!!!”  “Integration” ist ein Produkt unseres Denkens und dient allein der Befriedigung unseres Egos.

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