FIFA-Boss Infantino will den Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren verkaufen – und tritt damit eine Lawine los.
Die UEFA schlägt Alarm. Unmittelbar nachdem die Pläne bekannt geworden waren, meldete sich der europäische Fußballverband mit einer unmissverständlichen Stellungnahme zu Wort: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die UEFA nimmt dies äußerst ernst. Das sollte auch jeder nationale Fußballverband tun. Das sollte auch jeder Beteiligte tun: Ligen, Vereine, Spieler, Fans, Regierungen und alle, denen die Zukunft des Sports am Herzen liegt.“
Und weiter: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns ist Eigentümer des Fußballs. Es steht der FIFA nicht zu, ihn zu verkaufen.“
Infantinos Privatisierungspläne
Mit seiner Absicht, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Geldgeber zu veräußern, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino (56) eine Welle massiver Empörung ausgelöst. Wie die britische „Times“ berichtet, sollen dabei bereits Kontakte ins Umfeld von US-Präsident Donald Trump (80) geknüpft worden sein.
Die konkreten Pläne sehen nach Angaben der FIFA vor, dass private Investoren rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FFE erwerben können – bei einem zunächst auf 20 Milliarden Dollar taxierten Gesamtwert. Im FFE sollen die kommerziellen Rechte an sämtlichen FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Klub-WM. Die FIFA selbst bliebe Mehrheitsgesellschafterin und behielte nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Spielkalender sowie alle Fragen des Regelwerks.
Darüber hinaus sollen alle 211 Mitgliedsverbände kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie entweder halten oder weiterverkaufen könnten.
Boykott als Option
Nach Informationen von ESPN plant die UEFA noch in dieser Woche eine Dringlichkeitssitzung ihrer 55 Mitgliedsverbände einzuberufen. Dabei soll unter anderem ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft auf den Tisch kommen.
Bereits am Dienstagabend hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet, dass die UEFA einen Boykott von FIFA-Wettbewerben ernsthaft in Betracht ziehe.