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Feuerwolke

Außer Kontrolle: Frankreichs giftiger Waldbrandrauch droht über Europa zu ziehen

Außer Kontrolle: Frankreichs giftiger Waldbrandrauch droht über Europa zu ziehen
Foto: iStock
4 Min. Lesezeit |

Über Frankreichs Wäldern türmt sich ein Phänomen auf, das Europa bislang nicht kannte – und das Feuer zu einer unkontrollierbaren Kraft macht.

Aufnahmen der französischen Feuerwehr vom vergangenen Samstag zeigen eine mächtige, dunkle Wolkenformation, die sich über den Wäldern der Gironde in Westfrankreich kilometerhoch in den Himmel erhebt. Meteorologen sehen darin deutliche Hinweise auf einen sogenannten Pyrocumulonimbus (Feuerwolke) – ein seltenes und gefährliches Wetterphänomen, das sich ausschließlich unter bestimmten Bedingungen über besonders intensiven Waldbränden entwickelt. Derartige Wolken beschleunigen die Ausbreitung von Feuern erheblich.

Bei den Waldbränden im Département Gironde wurden nach Angaben der Behörden insgesamt rund 13.000 Hektar Waldfläche zerstört. Im Zuge der Brände mussten etwa 30.000 Menschen aus gefährdeten Gebieten evakuiert werden.

„Es ist ein kriegsähnliches Szenario, in dem wir unter ständigem Beschuss stehen“, sagt Eric Brocardi, Sprecher des Französischen Feuerwehrverbandes FNSPF: „Diese Rauchwolke erzeugt ihr eigenes Wettersystem und führt dazu, dass alles, was sich in ihrem Weg befindet, spontan in Flammen aufgeht.“

Gefährliche Kettenreaktion

Brände der Intensität, wie sie derzeit in weiten Teilen Europas wüten, entstehen in der Regel aus dem Zusammenspiel dreier Faktoren: extremer Hitze, anhaltender Trockenheit und starker Winde, die Funken über weite Strecken tragen. Mit wachsender Ausdehnung eines Brandes saugen die Flammen zunehmend mehr Umgebungsluft an, was die Windgeschwindigkeiten in der unmittelbaren Umgebung weiter steigert. Der heiße Rauch wird dabei mit zunehmender Kraft in die Höhe getrieben – in extremen Fällen bis zu zehn oder fünfzehn Kilometer, an die Grenze zur Stratosphäre.

Erst in dieser Höhe kühlt der Rauch ab, der enthaltene Wasserdampf kondensiert und formt eine Wolke – allerdings in einer Höhe, die unter normalen Umständen nicht vorkommt. Da der Rauch große Mengen an Ruß- und Aschepartikeln enthält, die als Kondensationskerne für Wasser wirken, entwickelt sich daraus rasch eine Gewitterwolke. Der entstehende Sturm befeuert paradoxerweise die Brände am Boden weiter.

Ausschlaggebend dafür ist die extreme Höhe der Wolke: Setzt Niederschlag ein, fallen die Regentropfen ungewöhnlich lange durch die extrem heiße und trockene Luft rund um den Brandherd – und verdampfen, noch ehe sie den Boden erreichen. Dieser Verdampfungsprozess kühlt die Luft ab, erhöht ihre Dichte und lässt sie als heftige, kalte Sturmböe senkrecht in Richtung Erdboden rasen – ein Phänomen, das als „Downburst“ (Fallböe) bezeichnet wird.

Dieses Phänomen birgt besondere Gefahren: Treffen die Böen auf den Boden, breitet sich der Wind schlagartig in alle Richtungen aus, was die Feuerfront vorantreibt und Einsatzkräfte in unmittelbare Lebensgefahr bringt, da sie unvermittelt von den Flammen eingeschlossen werden können. Zusätzlich entladen sich durch die freigesetzte Energie Blitze, die auf dem ausgetrockneten Untergrund neue Brandherde entzünden.

Europas neue Realität

Was Brocardi beschreibt, ist in Regionen wie Australien, Kalifornien oder Teilen Kanadas seit Jahren eine bekannte und gefürchtete Erscheinung. In Europa hingegen waren solche Feuerwolken bislang nicht zu beobachten – bis jetzt. „Die Wolke ist die Bestätigung, dass diese Brände sehr gefährlich sind“, erklärt der australische Waldbrand-Experte Rick McRae von der Universität New South Wales im Guardian. „Diese Gewitterwolken erreichen ein Volumen von etwa 10.000 Kubikkilometern in der Atmosphäre und haben daher erhebliche Auswirkungen.“ In Australien werden Pyrocumulonimbus-Wolken seit knapp 25 Jahren dokumentiert – und treten infolge des Klimawandels mit steigender Häufigkeit auf, wie McRae betont.

Laut Brocardi könne die Rettung „nur aus dem Himmel kommen“, in Form von heftigem Regen oder dadurch, dass man das Feuer gezielt ans Meer lenkt, wo es von selbst erlischt. Doch danach sehe es momentan nicht aus: „Wir sind an einem Punkt der operativen Ohnmacht angelangt.“

Wetterforscher McRae warnt davor, dass Frankreich eine neue Hitzewelle bevorsteht, die zur Entstehung weiterer „Feuerwolken“ beitragen könnte: „Die entscheidende Frage ist, ob wir am Dienstag oder Mittwoch weitere Pyro-CBs beobachten werden können.“

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KO KOSMO-Redaktion
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