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Islam-Kindergärten: Studie soll neue Erkenntnisse über Zustände liefern

(Foto: iStock)

Wissenschaftler der Universität Wien und der FH Campus Wien haben rund 700 islamische Kindergärten untersucht. Mittels Fragebögen, Gruppendiskussionen, Beobachtungen und Behördenakten wurde die Lage der Institutionen durchleuchtet.

Nun wurde die Studie zu den Wiener Islam-Kindergärten präsentiert. Sie belegt, dass die Religion zunehmend aus den Einrichtungen gedrängt wurde.

Acht Wissenschaftler der Universität Wien und der FH Campus Wien haben sich mit Pluralität und den religionspägagogischen Rahmenbedingungen in Wiener Kindergärten beschäftigt. Ihr Fokus lag auf den islamischen Kindergärten. Gleichzeitig wurde eine eigenständige Teilstudie des Islamforschers Ednan Aslan zu den Motiven von Betreibern islamischer Kindergärten und den Erwartungen muslimischer Eltern präsentiert, wie „orf.at“ berichtet.

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Die 2015 veröffentlichte Vorstudie Aslans hatte damals wegen Vorwürfen grober Missstände für Aufregung gesorgt. Die neue Studie von Uni und FH relativiert diese Vorwürfe nicht nur teilweise, sie ortet auch eine direkte Auswirkung der Vorstudie auf die aktuelle Situation in islamisch orientierten Kindergärten und -gruppen.

Religion aus Kindergärten verbannt

Damals kommte die Studie kein „massiv indoktrinierendes Verhalten“ in Einrichtungen mit besonderen Bezügen zum Islam nachweisen. Laut Studienautoren wurde die Religion seit 2015 aus den Kindergärten gedrängt. Aslans Studie habe zu einer Stigmatisierung von islamischen Kindergärten geführt, dass diese Bezüge zum Islam aus dem Alltag gestrichen haben.

Nicht nur inhaltlich habe man sich von der Religion distanziert, auch Gegenstände und Symbole wurden aus den Räumlichkeiten entfernt.  So seien Kindergartenbetreiber aufgefordert worden, den Koran zu entfernen, arabische Zeichen zu übertünchen, Türen zu angrenzenden Moscheen zu versperren oder zu bunte Teppiche durch einfarbige auszutauschen.

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Bei der aktuellen Präsentation der Studie warnen die Wissenschaft vor einer bedenklichen Folge. Aslans Teilstudie wittert eine Verlegung des Religionsunterrichts auf den Nachmittag oder das Wochenende. Darüber hätten dann die Pädagogen keine Macht mehr, was vermittelt oder gelehrt werden würde.

Tendenzen zur Ausgrenzung

Aufgrund von gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen würde es vermehrt zur Bildung von Parallelgesellschaften kommen. Islamkindergärten würden dadurch quasi zum „Sammelbecken“ für Kinder, die andernorts nicht aufgenommen würden. Das würde zu einer schlechten Durchmischung führen.

Zum einen würden sowohl muslimische als auch nicht muslimische Eltern mit Migrationshintergrund immer wieder von „subtilen Ausgrenzungsmechanismen“ berichten. Ihre Kinder würden schlicht keine Plätze in anderen Kindergärten bekommen und zu Kindergärten mit Islamorientierung verwiesen.