Ein GPS-Sender, ein toter Wal – und DNA-Proben, die nicht zusammenpassen. Rund um Timmy verdichten sich die Ungereimtheiten.
Mitten im Mai wurde an der Küste der dänischen Insel Anholt ein toter Buckelwal angetrieben. An dem Kadaver fanden Experten jenen GPS-Sender, den der amerikanische Wal-Forscher Jeff Forster dem Tier kurz vor seiner Freilassung durch die Rückenflosse befestigt hatte. Die Seriennummer des Senders war eindeutig, auch Verletzungsmuster und die Form der Schwanzflosse sprachen für eine Identität mit Timmy.
DNA-Zweifel
Nach Informationen der Bild-Zeitung hat eine DNA-Analyse ergeben, dass die entnommenen Proben nicht mit dem Profil von Timmy übereinstimmen. Für den Mittwoch, den 22. Juli, ist eine Pressekonferenz geplant, bei der weitere Details bekanntgegeben werden sollen. Beim Identitätsabgleich wurden zwei Proben herangezogen: Forster hatte vor der Freilassung des Wals Gewebe entnommen, eine zweite Probe sammelten Mitglieder einer privaten Wal-Initiative am Strand von Anholt.
Allerdings war bei der Probenentnahme kein unabhängiger Zeuge anwesend, und auch der Transport ins Labor wurde nicht kontrolliert begleitet. Weder das Land Mecklenburg-Vorpommern noch das Meeresmuseum Stralsund hatten eigene Gewebeproben von Timmy gesichert. Als der Buckelwal damals vor der Insel Poel gestrandet war, verzichtete das Museum nach eigenen Angaben bewusst darauf, um das Tier keinem zusätzlichen Stress auszusetzen.
Laut Deutscher Presse-Agentur soll die Pressekonferenz gegen 14 Uhr beginnen und Klarheit in die Angelegenheit bringen. Fest steht hingegen, dass weder Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus von der SPD noch das Meeresmuseum Stralsund vertreten sein werden.
Lehmanns Kritik
Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann hatte sich bereits zuvor in einem YouTube-Video kritisch zu dem gesammelten DNA-Material geäußert. Die private Initiative habe vor Poel eine Probe entnommen, bei deren Auswertung festgestellt worden sei, dass es sich um ein männliches Tier handele. Der vor Anholt gestrandete Wal war jedoch weiblich.
„Wer hat wann wie, wo, mit wem eine DNA-Probe genommen? Wo wurde die analysiert? Was ist dabei rausgekommen und darauf gibt es keine Antworten?“, fragte Lehmann in dem Video. „Das finde ich komisch. Da wurde gelogen oder irgendwas versaubeutelt.“
Timmy hatte über Monate hinweg für erhebliches mediales Aufsehen gesorgt. Der Buckelwal strandete wiederholt entlang der Ostseeküste in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Schließlich brachte ihn eine private Initiative in Richtung Nordsee und setzte ihn im Skagerrak aus – danach verlor sich jede Spur von dem Tier, bis der Kadaver vor Anholt entdeckt wurde.