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Machtwechsel

Serbien nach Vučić: Dieser Arzt könnte neuer Premier werden

Serbien nach Vučić: Dieser Arzt könnte neuer Premier werden
(FOTO: EPA/MARKO DJOKOVIC)
5 Min. Lesezeit |

Die Studentenliste hat die Parlamentswahl in Serbien klar gewonnen. Nun richtet sich der Blick auf Ilija Srdanović: Der Kardiologe führt die Liste an und wird als möglicher neuer Premierminister gehandelt. Doch auch andere bekannte Persönlichkeiten stehen im Fokus.

Serbien steht vor einem politischen Umbruch. Nach fast zwei Jahren Protesten hat die Studentenbewegung die Parlamentswahl am 25. Oktober für sich entschieden und dem politischen Lager von Aleksandar Vučić eine deutliche Niederlage zugefügt. Während im Land gefeiert wird, beginnt bereits die nächste entscheidende Phase: Wer soll die neue Regierung führen?

Im Mittelpunkt steht derzeit Ilija Srdanović, ein Kardiologe und Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Novi Sad. Er führte die Wahlliste „Studentska lista – Studenti pobeđuju“ („Studentenliste – Die Studenten siegen“) an. Sein Name wird in aktuellen Medienberichten als möglicher Kandidat für das Amt des Premierministers genannt. Eine offizielle Nominierung gibt es allerdings noch nicht.

Die Studentenbewegung hat bewusst darauf verzichtet, sich vor der Wahl auf einen einzelnen künftigen Regierungschef festzulegen. Sie entstand aus Protesten gegen Korruption und politische Einflussnahme und setzt auf ein gemeinschaftliches Entscheidungsmodell. Deshalb ist offen, ob Srdanović tatsächlich die Regierung übernehmen wird oder eine andere Persönlichkeit mit dieser Aufgabe betraut wird.

Ein Arzt an der Spitze der Regierung?

Srdanović wurde während der Protestbewegung zu einem der bekanntesten Vertreter der Studentenliste. Seine berufliche Laufbahn liegt in der Medizin und Wissenschaft, nicht in der etablierten Parteipolitik. Mit seiner Spitzenposition auf der Liste steht er nun im Zentrum der Diskussion über die künftige Führung des Landes.

Die Proteste, aus denen die Bewegung hervorging, begannen nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad am 1. November 2024. Bei der Katastrophe kamen 16 Menschen ums Leben. Der Vorfall löste landesweite Demonstrationen aus und wurde zum Symbol für die Forderungen nach Aufklärung, Verantwortlichkeit und einem entschiedeneren Vorgehen gegen Korruption.

Die Studentenbewegung entwickelte sich in der Folge zu einer ernsthaften politischen Kraft. Bei der Wahl am Sonntag erhielt sie nach den am 26. Oktober veröffentlichten Daten der serbischen Wahlkommission 52,65 Prozent der Stimmen. Das Lager „Aleksandar Vučić – Vereinigtes Serbien“ kam auf 39,22 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,78 Prozent.

Diese Namen prägen die Studentenliste

Neben Srdanović stehen weitere bekannte Persönlichkeiten im Mittelpunkt. Dejan Šoškić, ehemaliger Gouverneur der serbischen Nationalbank, bringt wirtschaftspolitische Erfahrung mit. Der Soziologe Jovo Bakić, Professor an der Universität Belgrad, ist seit Jahren als Kritiker der Regierung bekannt. Radomir Saičić wiederum ist Chemiker und Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Er trat während des Wahlkampfs und am Wahlabend als Vertreter der Studentenbewegung auf. Alle vier zählen zu den öffentlich bekannten Gesichtern der Liste. Dass sie eine wichtige Rolle spielen könnten, bedeutet jedoch nicht, dass bereits feststeht, wer künftig Premierminister wird oder welche Funktionen sie in der Regierung übernehmen werden.

Mehrheit im Parlament, große Erwartungen

Nach den bisherigen Auszählungen und Projektionen könnte die Studentenliste rund 140 der 250 Sitze im serbischen Parlament erhalten. Damit hätte sie eine absolute Mehrheit und könnte grundsätzlich ohne Koalitionspartner regieren. Die endgültige Mandatsverteilung muss jedoch im formellen Wahlverfahren bestätigt werden.

Die Erwartungen an die neue politische Führung sind hoch. Die Bewegung hat versprochen, Korruption und organisierte Kriminalität zu bekämpfen, staatliche Institutionen unabhängiger zu machen und die Verantwortlichkeit politischer Entscheidungsträger zu stärken. Auch die Freiheit der Medien und Reformen im Bildungswesen gehören zu den zentralen Anliegen, aus denen die Proteste entstanden sind.

Die entscheidende Frage wird sein, wie sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Positionen innerhalb der Bewegung in einer gemeinsamen Regierung zusammenführen lassen. Aus einer Protestbewegung eine handlungsfähige politische Führung zu formen, stellt eine andere Herausforderung dar als die Mobilisierung auf der Straße.

Auch die EU blickt auf Belgrad

Die politische Neuordnung könnte auch Auswirkungen auf Serbiens Beziehungen zur Europäischen Union haben. Der Beitrittsprozess ist seit Jahren von Konflikten über Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit und die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo geprägt. Gleichzeitig pflegt Belgrad enge Beziehungen zu Russland.

Welche außenpolitischen Prioritäten eine neue Regierung setzen wird, ist noch offen. Die Studentenbewegung konzentrierte sich im Wahlkampf vor allem auf innenpolitische Reformen. Gerade deshalb wird sich zeigen müssen, ob sie auch bei den schwierigen Fragen der europäischen Integration und der Beziehungen zu den Nachbarstaaten eine gemeinsame Linie findet.

Die Entscheidung steht noch aus

Ilija Srdanović steht als Spitzenkandidat der Studentenliste im Zentrum der Diskussion über die künftige Regierung. Eine offizielle Entscheidung über das Amt des Premierministers gibt es bislang nicht. Auch die Rolle von Šoškić, Bakić und Saičić bleibt offen.

Mit dem Wahlsieg hat die Studentenbewegung einen entscheidenden Schritt geschafft. Ob daraus ein dauerhafter politischer Wandel entsteht, wird sich daran messen lassen, ob sie ihre Forderungen in konkrete Reformen umsetzt. Die erste große Entscheidung steht nun unmittelbar bevor: Wer soll Serbien künftig regieren?

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KO KOSMO-Redaktion
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