Der Frost schlägt zu: In der Türkei bricht die Haselnussernte ein – mit dramatischen Folgen für den Weltmarkt und deutsche Süßwarenhersteller.
Ein Kälteeinbruch in der Türkei hat die Haselnussernte massiv beeinträchtigt und sorgt für erhebliche Marktturbulenzen. Als weltweit dominierender Produzent mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent hat die türkische Erntesituation unmittelbare globale Auswirkungen. Klimaexperten sehen in diesem Wetterextrem ein typisches Muster des Klimawandels, der Phänomene wie unerwartete Frostperioden verstärkt.
Wie das Wirtschaftsmagazin „Capital“ berichtet, sind die Haselnusspreise seit Jännerbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen. Diese Entwicklung trifft deutsche Unternehmen wie Ritter Sport und Seeberger besonders hart, die auf den Rohstoff für ihre Produktion angewiesen sind. An den internationalen Rohstoffbörsen liegen die Preise für türkische Haselnusskerne aktuell bei etwa 9.400 Euro pro Tonne – ein Anstieg von rund 34 Prozent seit Jahresbeginn.
Hersteller unter Druck
Die Preisexplosion stellt verschiedene Lebensmittelhersteller vor konkrete Herausforderungen. Ritter Sport verarbeitet jährlich mehrere tausend Tonnen Haselnüsse, vorwiegend aus türkischen Anbaugebieten, und kämpft gleichzeitig mit steigenden Kakaopreisen – eine doppelte Belastung für den Schokoladenproduzenten.
Der Nussspezialist Seeberger bezieht seine Haselnüsse zwar hauptsächlich aus Italien, spürt aber dennoch die Preisdynamik des Weltmarkts. Ferrero hingegen, als weltweit größter Abnehmer von Haselnüssen, hat seine Bezugsquellen diversifiziert und verweist darauf, dass keine Lieferengpässe zu befürchten seien.
Regionale Auswirkungen
Die wirtschaftlichen Folgen für die Landwirte in der türkischen Schwarzmeerregion sind gravierend, zumal viele Bauern keine Versicherung gegen Ernteausfälle abgeschlossen haben. Die Frostschäden im April treffen die Landwirte besonders hart, da in den betroffenen Dörfern an der Schwarzmeerküste der Haselnussanbau oft die einzige Einkommensquelle darstellt.
Trotz staatlicher Interventionen durch die türkische Getreidebehörde, die einen Mindesteinkaufspreis von 4,20 Euro pro Kilogramm festgelegt hat, zeichnet sich eine Preissteigerung von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. In türkischer Lira gerechnet bedeutet dies sogar einen Anstieg von über 50 Prozent.
Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer in Giresun werden internationale Käufer die verfügbaren Bestände rasch aufkaufen. Dies könnte paradoxerweise dazu beitragen, Versorgungsengpässe in Deutschland zu vermeiden, da ein kleinerer Teil der türkischen Ernte für den Inlandsmarkt reserviert werden soll.
Zahlreiche Unternehmen reagieren bereits mit Anpassungen ihrer Rezepturen, um den Haselnussanteil zu reduzieren. Mandeln entwickeln sich dabei zu einer kostengünstigeren Alternative. Auch andere klimabedingte Faktoren wie Hitze und Dürre setzen den Herstellern zu.
Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass diese Produkte in naher Zukunft deutlich teurer werden könnten.