Kid Pex an Gabalier: „Leg dich nicht mit Jugos an!“ (VIDEO)

INTERVIEW

Kid Pex an Gabalier: „Leg dich nicht mit Jugos an!“ (VIDEO)

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kid pex
FOTO: zVg.

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Der selbsternannte Wiener „Tschuschenrapper“ Kid Pex hat in seinem Streit mit Andreas Gabalier allen Grund zur Freude.

Einerseits wurde die von Gabalier im Februar eingebrachte Anzeige wegen gefährlicher Drohung (Song: „So viel Polizei“) gegen Kid Pex und seinen Partner Kroko Jack von der Wiener Staatsanwaltschaft abgewiesen. Zur umstrittenen Zeile „I tät den Gabalier nicht an die Wand stellen lassen, aber samma si ehrlich, eigentlich gherat er dasch…“ stellte die Staatsanwalt fest, dass „Rap von eher harten Worten und Gesten geprägt ist, sodass der Kontext allein die Ernstlichkeit relativiere“. „Mit dem Ausdruck, dieser gehöre eigentlich erschossen, wird lediglich derb zum Ausdruck gebracht, dass diese Person nichts wert sei“, so die Staatsanwälte über die größte Hip-Hop-Staatsaffäre in der Geschichte Österreichs.

„Hulapolizei“ ging viral

Nach dem Urteil veröffentlichte der Wiener Kroate Kid Pex, bürgerlich Petar Rosandić (34), „Hulapolizei“, ein Lied in welchem er sich über die „größte Hip-Hop-Staatsaffäre der zweiten Republik“ und Andreas Gabaliers Anzeige lustig macht. Während das Video gerade viral geht, scheint Andreas Gabalier in diesem „Beef“ die Koffer zu packen: Wie sein Anwalt Meinhard Novak dem STANDARD erklärte, wollte man Kid Pex weiter zivilrechtlich klagen, aber nun entschied man sich davon Abstand zu nehmen. „Wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen und den Rappern erneut eine Plattform geben“, so Novak. Wir haben mit Kid Pex über die neuesten Entwicklungen in dieser Causa gesprochen.

KOSMO: Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt und Andreas Gabalier wird euch nicht mehr klagen. Bist du erleichtert?
Kid Pex: Für mich wäre es kein Problem gewesen, in den Gerichtssaal zu gehen und die Freiheit von Kunst und Hip Hop weiter zu verteidigen. Hip Hop ist schließlich mein Leben zu einem großen Teil, politisches Engagement sowieso – und dafür kämpfe ich, notfalls auch im Gerichtssaal. Aber ja, ich bin erleichtert wegen dem Urteil der Staatsanwaltschaft: Es ist ein für die Kunst und Gesellschaft wichtiger Fall, der klar zeigt, dass die österreichische Justiz – trotz masssiven Rechtsruck in Politik, den Institutionen und Gesellschaft – noch nicht Maßstäbe wie tschetschenische, weißrussische oder nordkoreanische Gerichte hat. Und das ist gut so. Wegen Gabalier ist es mir egal.

Er steht sowieso als Lachnummer der Nation da: Der selbsternannte Rocker hat aus einer Rap-Zeile die größte Hip-Hop-Staatsaffäre der zweiten Republik gemacht, er rannte zur Polizei, zeigte uns an und wollte uns ins Gefängis bringen. Und am Ende hat er verloren und steht wie ein unbelehrbarer, bemitleidenswerter, ewiggestriger, frustrierter Pensionist da, der wegen Sex-Geräuschen bei den Nachbarn die Polizei ruft. Er tut mir ja fast schon leid. Deswegen führe ich ihn im Video auch ins Tögetherland, unsere Republik der interkulturellen Toleranz. Dort versuchen wir ihm zu helfen und ihn von seinen Ängsten zu lösen. Wir haben ihm die Kurt-Waldheim-Kur-Spezialtherapie verschrieben.

Wundert es dich, dass er jetzt aufgibt und nicht mehr weiter klagen wird? Obwohl er es, laut seinem Anwalt, vor hatte…
Nein, wundert mich gar nicht. Auch er dürfte mittlerweile mitbekommen haben, dass er sich mit dieser „Ich-zeig-dich-an“-Taktik bei mir, aber auch bei anderen, z.B. beim Wiener Konzerthaus-Chef Naske, ganz klara verschätzt hat. Logisch, dass er nicht wieder als Depp der Nation dastehen mag – nach dem ganzen Zirkus, den er in Gang gesetzt hat. Ja, Andreas Gabalier füllt die Stadien, aber kann glücklicherweise mit seinen Anzeigen nur medial Druck aufbauen. Ich persönlich glaube, dass das alles eine Medien-Promostrategie von ihm ist, um immer im Gespräch zu bleiben. Aber bei uns hat er sich eben geschnitten. Hoffentlich weiß er jetzt endlich: Oida, Andi, leg dich nicht mit Rappern an, und vor allem nicht Jugorappern (lacht).

„Es ist schön, wenn man etwas aus Überzeugung gemeinsam macht – und nicht für das Geld.“

– Kid Pex

Die Zeile ihres Partners Kroko Jack auf dem Track So viel Polizei („…eigentlich gherat er dasch…“) ist für dich nicht unter der Gürtellinie?
Nicht nur die Staatsanwälte wissen, auf welchen Fundamenten Rap basiert ist. Auch jede Oma im Park, egal ob Dragica oder Hannelore, weiß scheinbar mehr über Hip Hop als der selsbternannte Volks-rock-n-Rolla. Er ist ja komplett in seiner armen, verängstigten Volks-Rock-n-Roll-Stadionblase gefangen – mit eisernen Kreuzen, Witzen übers Kopftuch, Scheitelknien und seiner heilen Bergkameraden-Welt. Dabei sollte er wissen: Rap ist nicht die Sprache der Political corectness, sondern die der Wut von Minderheiten, es ist auch keine Kuschelstunde der neoliberalistischen Scheinheiligkeit oder ein Lehrgang auf der Diplomatischen Akademie.

Die Leute, die Rap hören, sind genauso wie die Rapper – sie haben Wut im Bauch, sie sprechen kompromissslos politische Zustände an und rechtspopulistische Schlagersternchen wie Andreas Gabalier bekommen dort klarerweise ihr Fett ab. Das ist Tradition im Rap. Und sind wir uns doch ehrlich: im Vergleich zu den Bushido-Tracks gegen Politiker z.B. oder auch im Vergleich zu vielen wilden Rock-Tracks von früher, war diese Zeile doch ein kleiner Seitenhieb. Außerdem, sang nicht Friedenssänger Bob Marley schon „I shot the sheriff“?

Kid Pex zusammen mit Monika Weber, der Tochter vom legendären Drahdiwaberl-Frontmann Stefan Weber. (FOTO: zVg.)

Apropos Rock: Die legendäre Anarchoband „Drahdiwaberl“, in der ja auch Falco seine Musikkarriere fünf Jahre verfolgte, unterstützt dich im Video und überfällt als Motorradgang Andreas Gabalier. Wie kam es dazu?
Dass die Band vom legendären Stefan Weber, seine Tochter Monika und ehemalige Weggefährten von Falco mich unterstützen, ist der absolute Wahnsinn. Dazu kam es eigentlich überraschend, als auf einem Konzert von mir Falco- und Drahdiwaberl-Band-Mitglied Bernhard Rabitsch mit seiner hip-hop-affinen Freundin Lisa, einer alten Bekannten, auftauchte, die ich schon von früher aus der Hip-Hop-Szene kannte, aber lange nicht mehr gesehen habe. Er sagte zu mir, Stefan Weber, wäre er noch am Leben, würde sicherlich meine Musik und meine politische Attitüde sehr mögen. Als wir das vorläufige Video dann Monika Weber in ihrem Tattoo-Studio „Happy Needles“ zeigten, hieß es gleich: „Ja, das ist es, fix sind wir dabei“. Es ist schön, dass so große Legenden des Anarcho-Rocks hinter mir stehen. Und das Rock und Hip Hop zusammenfinden.

„Hoffentlich weiß er jetzt endlich: Oida, Andi, leg dich nicht mit Rappern an, und vor allem nicht Jugorappern (lacht).“

– Kid Pex

Zu sehen sind auch die Rapperin Esra Özmen und Hermes Phettberg, ebenso Big-Brother Siegerin Lusy Skaya. Wie viele Leute haben mitgewirkt?
Also, erstmal möchte ich meiner kleinen-großen Schwester Esra und ihrem Bruder Enes danken. Ich kenne Esra, seit ich sie im 14 im Jugendzentrum gesehen hab, und heute ist sie zurecht einer der wichtigsten Frauen in der österreichischen Musiklandschaft. Lusy Skaya kenne ich schon einige Jahre und, obwohl sie Big Brother Deutschland gewonnen hat, erfüllt sie allen zum Trotz nicht die typischen Instagram-Fitnessmodell-Klischees: Sie ist ein Unikat, eine Frau die eine sehr große soziale Ader hat und auch für die Caritas arbeitet und sich immer wieder engagiert.

Auch für einen befreundeten Flüchtling von mir hat sie sich öffentlich eingesetzt, ohne eine Sekunde zu zweifeln. Über Hermes Phettberg brauchen wir gar nicht reden: Der Mann ist eine absolute Legende. Der ORF bräuchte wieder so eine „Nette Leit Show“, das waren noch Zeiten. Aber nicht nur ihnen bin ich dankbar. Ohne das Kollektiv besorgter Bürgerinnen und verängstigter Demokraten hätte es dieses Video nie gegeben. Ich persönlich hätte nie die Kohle für so ein gut produziertes Video und alle haben riesige Arbeit – und das ehrenamtlich – geleistet. Aber es ist schön, wenn man etwas aus Überzeugung gemeinsam macht – und nicht für das Geld.

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FOTO: Screenshot/ Youtube KidPexTV

Früher hast du ja auf unsere Sprache gerappt, hattest einen Riesenhit mit Juice (Kako je u Beču) und hattest einige IDJ-Videos-Veröffentlichungen. Die Balkan-Karriere ist stillgelegt?
Ich hatte in den letzten 7 Jahren das Bedürfnis, mich politisch mehr zu äußern – das hat mich immer mehr zum politischen Deutschrap geführt. Natürlich hatte ich früher teilweise sehr erfolgreiche Zeiten am Balkan, ich war ja auch auf Tour mit bekannten Rappern wie Juice, Stoka, Woo und vielen anderen. Ob auf Jugo bald wieder was kommt, werden wir sehen. Ich habe sehr viel unveröffentlichtes Zeug rumliegen – einen Track z.B. mit der Legende Ajs Nigrutin. Irgendwann muss das raus, aber alle Jugorap-Fans können sich ja meine Kodeks EP aus dem letzten Jahr anhören, die ich mit meinem Begleiter seit Tag eins Freshmaker gemacht habe.

Und wie ist dein weiterer Plan: Wann kommt ein neuer Skandal?
Ach, in diesem Land ist vieles, was ich mache, ein Skandal. Aber ehrlich gesagt, jetzt brauche ich auch mal Ruhe. Ich habe drei Interviews heute gegeben und das ist das vierte jetzt. So geht das schon die ganzen letzten Tage. Bald bin ich hoffentlich in Kroatien am Strand und kann über die ganze Sache noch mehr lachen, als ich es eh schon musste. Ach ja, danke, Andi Gabalier!

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Seit seinem Sieg gegen Gabalier dominiert der Tschuschenrapper die Themen in den Medien. (FOTO: zVg.)

Hier geht’s zum aktuellen Video-Statement von Kid Pex:

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