Die Hitze in Wiener Klassenzimmern erreicht unerträgliche Ausmaße, weshalb Greenpeace nun ein Sofortprogramm des Bundes für hitzetaugliche Schulen einfordert. Dieses soll Sanierungen, außenliegende Beschattung und moderne Lüftungsanlagen umfassen.
Über das Greenpeace Hitze-Dashboard lassen sich die aktuellen Temperaturen in Schulklassen und Wiener Wohnungen in Echtzeit verfolgen. Am Donnerstag wurden in der Maroltingergasse in Wien-Ottakring im zweiten Stock bereits 35,0 °C gemessen. Der bisherige Höchstwert lag sogar bei 38,1 °C – eine Temperatur, die die normale Körpertemperatur deutlich übersteigt.
Herbert Formayer, Professor am Institut für Meteorologie der BOKU (Universität für Bodenkultur Wien), erläutert die Problematik: „Die Durchschnittstemperatur in Österreich liegt bereits um 3,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau.“ Der Großteil der Erwärmung erfolgte seit den 1980er Jahren. Viele österreichische Schulen sind deutlich früher und damit unter anderen Bedingungen gebaut worden. In Klassenzimmern ohne entsprechende Maßnahmen gegen Überhitzung wie in der Maroltingergasse spitzt sich die Situation prekär zu. Gleichzeitig ist es keine Option, die Fenster untertags geschlossen und die Hitze draußen zu halten – bereits innerhalb von 20 Minuten steigt der CO₂-Gehalt ohne Lüftung auf unzumutbare Werte.
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Betroffene Stimmen
Die Direktorin des GRG 16 Maroltingergasse, Elisabeth Gutenberg, bestätigt die schwierige Situation: „Wir sehen jedes Jahr, wie schwierig der Unterricht in den warmen Monaten für Schülerinnen und Schüler, aber auch für unser Lehrpersonal wird.“ Teilweise sind die Klassenräume so aufgeheizt, dass Kinder Kreislaufprobleme bekommen. Wir brauchen dringend Unterstützung vom Bund, um unser Schulgebäude an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich, betont die weitreichenden Folgen: „Wenn es in Klassenzimmern 30 Grad hat, leidet nicht nur die Konzentration, sondern auch die Chancengleichheit. So kann kein Kind in Österreich gut lernen. Die Bundesregierung muss endlich handeln und genug Budget und Ressourcen bereitstellen, um Schulen vor Hitze zu schützen – mit Sanierungen, außenliegender Beschattung und modernen Lüftungssystemen. Hitzeschutz in Schulen ist kein Luxus, sondern eine notwendige Maßnahme für Bildungsgerechtigkeit – und ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz.“
Alarmierende Messwerte
Trotz der bevorstehenden Ferien steigen die Temperaturen in den Wiener Klassenzimmern auf kaum erträgliche Werte, oft während des laufenden Unterrichts. Die Ergebnisse einer gemeinsamen Messreihe von Greenpeace und der Universität für Bodenkultur zeichnen ein beunruhigendes Bild: Seit Ende Mai wurden an 25 Tagen Temperaturen über 27 Grad in den Klassenzimmern dokumentiert. An bis zu 16 Tagen kletterte das Thermometer während des Unterrichts je nach Raum sogar auf über 30 Grad.
Finanzielle Hürden und Lösungsansätze
Die betroffenen Schulen und Gemeinden stehen vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Nach Angaben von Greenpeace sind die derzeit verfügbaren Mittel völlig unzureichend, um umfassende Hitzeschutzmaßnahmen umzusetzen. Experten betonen, dass neben baulichen Verbesserungen wie außenliegenden Beschattungssystemen auch moderne Lüftungsanlagen erforderlich sind, da die CO₂-Werte in den Klassenzimmern bereits am Vormittag kritische Schwellen überschreiten.
Die Bundesregierung steht unter wachsendem Druck, ein umfassendes Hitzeschutzprogramm für Schulen zu finanzieren. Bildungsgerechtigkeit und Gesundheitsschutz stehen dabei im Mittelpunkt der Forderungen. „Ein solches Sofortprogramm ist nicht nur eine Investition in bessere Lernbedingungen, sondern auch in die Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonal“, betonen Schulvertreter.
📍 Ort des Geschehens
Hitzeschutz in Schulen ist ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz.