Kokain in unseren Songtexten – Wo früher getrunken wurde, wird heute gezogen!

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Kokain in unseren Songtexten – Wo früher getrunken wurde, wird heute gezogen!

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Cijelo selo smrce bijelo
FOTO: KOSMO

Unsere Bloggerin Jelena befasste sich in ihrem neuesten Blog mit einem Trend, der sich unschwer erkennen lässt und einige Fragen birgt…

„Cijelo selo smrče bijelo“ (Das ganze Dorf zieht Weißes) – ein überaus bekanntes Lied des Balkansängers DJ Krmak, das in etwa 2006 erschienen sein dürfte. Was damals noch eher der Seltenheit entsprach, zieht sich heute mehr denn je durch die Textzeilen: Kokain!

Ich zitiere aus Maya Berovićs Song, Legalna: „Ti si k’o koks, najbolji kvalitet“ (Du bist wie Koks, die beste Qualität), oder aus Miami Yacines Hit, Kokaina: „Und sie fragen mich: ‚Woher kommt das ganze weiße Zeug? (…) Mon frère, mach kein Auge, bei mir läuft!’“, oder etwa aus O.T. Genasis‘ Megahit: „I’m in love with the coco!“…Das könnte jetzt ewig lang so weiter gehen.

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Unsere Bloggerin Jelena wurde am Wochenende Zeugin einer für sie noch nie dagewesenen Situation, die aber in den meisten Wiener (Balkan) Clubs mittlerweile an der Tagesordnung zu stehen scheint.

 

Was früher als absolute Luxusdroge abgetan wurde, ist inzwischen in aller Munde – oder sollte ich lieber sagen: In aller Näschen?! (Flachwitz beiseite) Mit dem steigenden Taschengeld und den freiheitsbejahenden Erziehungsmethoden der vielbeschäftigten Eltern von heute wächst auch der Reiz nach neuen aufputschenden Hilfsmitteln, die unsere verwöhnten, aber insgeheim komplexbehafteten Heranwachsenden durch den Tag bzw. die unzähligen Partywochenenden bringen sollen.

Berović, Buba, Jala und etwaige Deutschrapper machen es vor und ihre Fans ahmen es wie Schäfchen nach. Während viele dieser Künstler vermutlich selbst gar keine der Drogen konsumieren, die sie in ihren Texten mit besonders viel Einfallsreichtum besingen, kann man zweifelsfrei eine Glorifizierung des einen oder anderen Rauschmittels in ihren Liedern dingfest machen. Dass dadurch die Hemmschwelle für potenzielle Imitatoren deutlich sinkt, ist unschwer zu erkennen. Könnte man sie daher als „Dealer durch die Blume“ bezeichnen? In meinen Augen – ja!

Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!
Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass Musik bzw. Texte schon immer ein Spiegel der Gesellschaft waren, in der wir leben und Interpreten durch ihre Liedzeilen im Grunde nur den derzeitig vorherrschenden Trends folgen. Daher stellt sich mir die Frage, was war zuerst da – die Henne oder das Ei bzw. das Koks oder die ach so bösen Künstler, die davon singen?

Es gab schon einmal eine Ära, in der Kokain, Ecstasy und andere Drogen ihre Blütezeit erlebten. Nicht ohne Grund sangen Künstler, wie Falco davon. Nun aber scheint diese Zeit ein Revival zu erleben. Zu verdanken haben wir das unter anderem der Musikindustrie. Künstlerische Freiheit in allen Ehren – dabei gibt es jedoch ein Problem…

Auf die Plätze, fertig – Koks!
Ich traue mich nämlich zu behaupten, dass junge Erwachsene, die teilweise noch grün hinter den Ohren sind, und zu viel Geld in der Tasche haben durch Liedzeilen, wie sie oben angeführt sind, auf dumme Ideen kommen. Singt beispielsweise ein BAUSA: „Sie ballert eine Line und sie ist frisch verliebt!“ dann denkt sich die 17-jährige Anna „Ach, scheinbar ist das normal und alle machen das – vielleicht sollte ich es auch ausprobieren, damit ich zumindest mitreden kann.“ Und schon ist ein neuer Stern am Kokser-Himmel geboren. Denn so schnell kommt man von dieser Droge nicht mehr weg.

Ziemlich unbemerkt hat es sich eingeschlichen – das weiße Pulver, mit dem sich neben Anna auch unzählige andere Mädels und Jungs inzwischen auf verschiedensten Club-Toiletten der Stadt das Näschen pudern. Denn es gilt ja mit dem Strom zu schwimmen. Das hat unsereins früher noch mit Alkoholkonsum vollbracht. Was einst nämlich noch Wodka, Whisky & Co. waren, sind heute Koks, Tabletten und wer weiß was noch. Viel zu wenig „high life“ ist die flüssige Methode von damals für die Kids von heute!

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EXKLUSIV. Beherrscht das weiße Pulver das Wiener Nachtleben? KOSMO hat mit Dealern und Konsumenten von Kokain, Speed und anderen Psychostimulanzien gesprochen.

 

Durch soziale Netzwerke, wie Instagram und den damit einhergehenden Druck immer perfekt auszusehen, möglichst viel zu erreichen, zu reisen und zu verdienen, bedarf es eines Hilfsmittels, das einem dabei verhilft, all das unter einen Hut zu bringen. Viele finden dann in der Droge Zuflucht.

Alk war gestern!
Und genau dieser Trend spiegelt sich in den künstlerischen Ergüssen der Sänger und Sängerinnen von heute wider. Seien es nun jene aus der Estrada, oder jene aus dem deutschen bzw. internationalen Hip Hop: Das einstige Allzweckmittel „Alkohol“ wurde ein für allemal durch die Trenddroge Kokain ersetzt.

Nicht dass die flüssige Ursprungslösung besser gewesen wäre, aber wir sind uns wohl einig, dass es sich bei dem Stimulans und Betäubungsmittel Kokain um das schlimmere Übel handelt. Wo früher beim Fortgehen noch Herzschmerz mit Alkohol bekämpft, oder die Freude über das Leben mit gleichem begossen wurde, werden heute schneeweiße Lines gezogen. Weder das eine noch das andere ist förderlich, dennoch scheint keiner darauf verzichten zu wollen.

Schlechtes Umfeld? – Zweifelsfrei! Zu wenig Strenge und Kontrolle ausgeübt durch die Erziehungsberechtigten? – Gut möglich. Doch wenn man den Songtexten, die sich die Kids heutzutage so reinziehen, genauer lauscht, lässt sich die generelle Tendenz hin zum Rauschmittel unschwer erkennen.

Die Grenze hin zu Drogen, die in Songtexten einst meist respektiert wurde, und maximal für das pflanzliche Betäubungsmittel Marihuana überschritten wurde, ist inzwischen komplett erloschen. Und ich frage mich, was kommt als nächstes?