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RUDICE

Kosovo-Albaner steht in Serbien wegen Kriegsmorden vor Gericht

(FOTO: zVg.)

Der mutmaßliche ehemalige Kämpfer der Kosovo-Befreiungsarmee, Nezir Mehmetaj, musste in Belgrad vor Gericht. Er soll im Juni und Juli 1999 an der Ermordung von sieben Menschen beteiligt gewesen sein und Häuser geplündert und verbrannt haben.

Der Prozess gegen den Kosovo-Albaner Nezir Mehmetaj startete am Donnerstag vor dem Obersten Gerichtshof von Belgrad. Mehmetaj wurde wegen der Beteiligung an Kriegsverbrechen gegen Zivilisten im Dorf Rudice in der Gemeinde Klina im Juni und Juli 1999 angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, als Mitglied der Kosovo-Befreiungsarmee sieben Menschen getötet und Häuser in Rudice niedergebrannt und geplündert zu haben.

Mehrfachmorde und Erniedrigung von ethnischen Minderheiten
Der Anklageschrift zufolge war Mehmetaj Mitte Juni 1999 an der Ermordung von fünf Mitgliedern der Familie Dašić beteiligt. Ende des Monats soll er zwei weitere Personen getötet haben, Jelaj Ramadan und Zorka Siljaković. Mehmetaj und andere namenlose Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee sollen im Juli 1999 zehn Häuser im Dorf geplündert und verbrannt haben – alle gehörten Nicht-Albanern.

Er wird weiters beschuldigt, Mitglieder der Roma und der ägyptischen Gemeinschaft in Rudice belästigt zu haben. Im Juli 1999 soll er sechs oder sieben Roma und ägyptische Jugendliche gewaltsam in sein Haus im Dorf gebracht haben. Dann zwang er sie, eine Stunde lang eine Grube zu graben, beleidigte sie dann und eröffnete das Feuer in ihre Richtung. Die jungen Männer flohen vor Angst, verließen später das Dorf und kehrten nie zurück.

Mehmetaj bestritt alle Anschuldigungen
Der Kosovo-Albaner sagte vor Gericht aus, er sei zwar im Dorf Rudice geboren, habe aber 1987 den Kosovo verlassen und sei in die Schweiz gegangen, um dort zu arbeiten. Er sei nur einmal im Jahr zurückgekehrt, um seine Familie zu besuchen. Während des Krieges 1999 soll Mehmetaj, wie er selbst behauptet, nicht im Kosovo gewesen sein:

„Ich kam im September 1999 zum ersten Mal [nach dem Krieg] über Albanien in den Kosovo. Ich kaufte ein Auto in Durres, nahm meine Mutter, meine Schwestern und meinen Bruder mit und ging mit ihnen in das Dorf Rudice“, sagte Mehmetaj dem Gericht. Seine Familienmitglieder sollen zu dieser Zeit Flüchtlinge in Albanien gewesen sein.

Nach seiner Ankunft im Kosovo habe er nach seinem Vater gesucht, der 1998 verhaftet wurde und dessen Aufenthaltsort unbekannt war. Schließlich habe Mehmetaj ihn in einem Gefängnis in Sremska Mitrovica in Serbien gefunden: „Ich fand heraus, dass mein Vater Mitte Oktober am Leben war, als Vertreter des Roten Kreuzes zu uns nach Hause kamen [in Rudice]. Ende November [1999] ging ich zu meiner Frau und meiner Familie zurück in die Schweiz“, fügte Mehmetaj hinzu.

Nezir  Mehmetaj wurde im Januar 2020 am Grenzübergang Merdare zwischen Serbien und dem Kosovo aufgrund eines serbischen Haftbefehls festgenommen. Er ist seitdem in Haft. Sein Prozess wird im Mai fortgesetzt.

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