Ein Umweltskandal erschüttert die Region nördlich von Budapest. In der Akku-Fabrik von Samsung SDI, die seit 2017 in Göd (Ungarn) Lithium-Ionen-Batterien für europäische Automobilhersteller produziert, wurden laut Recherchen des ungarischen Portals Telex alarmierend hohe Konzentrationen krebserregender Schwermetalle nachgewiesen. Die Situation verschärft sich durch die Tatsache, dass dem Unternehmen bereits zweimal aufgrund von Beschwerden lokaler Bürgerinitiativen die Umweltgenehmigung entzogen wurde – die Produktion lief dennoch weiter.
Telex berichtet unter Berufung auf einen internen Sicherheitsbericht des Samsung-Werks von erschreckenden Messergebnissen. Sowohl unternehmensinterne als auch behördliche Kontrollen hätten ergeben, dass die Belastung durch Metallstäube in bestimmten Produktionsbereichen den zulässigen Arbeitsplatz-Grenzwert um das 200- bis 510-fache überschreitet. Dabei handelt es sich um Nickel-Kobalt-Mangan-Staub, den Telex als „giftigen Stoff mit potenziell tödlichen Folgen bei Freisetzung“ beschreibt.
Standardmäßig müssten die betroffenen Fabrikbereiche hermetisch abgeriegelt sein, mit Luftabsaug- und Filtersystemen sowie strengen Schutzkleidungsvorschriften. Den Recherchen von Telex zufolge hat Samsung jedoch versäumt, angemessene Schutzmaßnahmen zu implementieren. Weder sei der krebserregende Staub ordnungsgemäß abgesaugt worden, noch hätten alle Mitarbeiter die erforderliche Schutzausrüstung erhalten.
Während offizielle Behördenvertreter betonen, dass keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe, melden Anwohner Beobachtungen wie schwarze Staubablagerungen auf Fahrzeugen und Gebäuden. Die rechtliche Situation des Werks ist prekär. Im Frühjahr 2024 setzte ein Gericht nach einer Klage von Bürgerinitiativen die Umweltgenehmigung vorläufig aus.
Rechtliche Probleme
Ein weiteres Gerichtsurteil im Oktober 2025 erklärte die Betriebsgenehmigung für ungültig. Laut Telex produzierte die Fabrik dennoch etwa vier Monate lang – bis zum 3. Februar 2026 – ohne rechtskräftige Umweltgenehmigung weiter, bevor sie Anfang Februar auf gerichtlichem Weg eine neue Genehmigung erhielt.
Der Fall entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Streitpunkt im ungarischen Parlamentswahlkampf. Sogar der ungarische Inlandsgeheimdienst befasste sich mit der Angelegenheit und informierte die Regierung im Frühjahr 2023 über gravierende Grenzwertüberschreitungen. Bei einer anschließenden Regierungssitzung plädierten mehrere Minister für die Schließung des Werks.
Telex zufolge wurden jedoch lediglich Geldstrafen verhängt. Das Portal richtet seine Kritik insbesondere gegen Außenminister Peter Szijjarto, der für ausländische Investitionen zuständig ist und sich schützend vor das Unternehmen gestellt haben soll. Szijjarto weist diese Anschuldigungen zurück und bezeichnet sie als politisch motivierte Kampagne.
Gesundheitsrisiken
Die gesundheitlichen Risiken sind erheblich. Nickelverbindungen gelten als karzinogen. Feinstaub dieser Art kann tief in die Lunge eindringen und dort schwerwiegende Schäden verursachen – von chronischen Entzündungen bis hin zu Krebserkrankungen. Auch neurologische Schäden werden mit langfristiger Exposition in Verbindung gebracht.
Die feinen Metallpartikel können, sobald sie in die Atmosphäre gelangen, über weite Strecken transportiert werden. Besonders Feinstaubpartikel bleiben lange in der Luft und können Dutzende Kilometer zurücklegen.
Bei entsprechenden Wetterbedingungen mit Nord- oder Nordwestwind könnten sie theoretisch auch österreichisches Territorium erreichen.