Kroatiens Regierung greift hart durch: Neue Glücksspielregeln sollen Spieler schützen, doch der EU-Branchenverband läuft Sturm – ein Konflikt mit Brüssel bahnt sich an.
Die kroatische Regierung unter Ministerpräsident Andrej Plenkovic hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zur strengeren Regulierung des florierenden Online-Glücksspielmarktes verabschiedet. Die neuen Bestimmungen umfassen die Einführung eines landesweiten Sperrsystems nach deutschem Vorbild, ein weitreichendes Werbeverbot für Glücksspiele zwischen 6 und 23 Uhr sowie das Untersagen von Prominenten und Sportlern in der Glücksspielwerbung. Zudem werden die Lizenzgebühren auf nahezu 400.000 Euro angehoben.
Als Begründung führt die Regierung den Schutz gefährdeter Spieler an, insbesondere von Jugendlichen. Besorgniserregend erscheinen dabei die Daten der European Union Drug Agency, wonach 12,9 Prozent der kroatischen Schüler ein Risikoverhalten im Zusammenhang mit Glücksspiel aufweisen. Der kroatische Rundfunksender HRT berichtet, dass landesweit bis zu 50.000 Menschen von Spielsucht betroffen sind, wobei die Wartezeiten für therapeutische Hilfe beträchtlich sind.
EU-Rechtsstreit droht
Der europäische Branchenverband Euromat hat jedoch Einspruch bei der EU-Kommission in Brüssel eingelegt, wie aus einer im April 2025 veröffentlichten Presseerklärung hervorgeht. Der zentrale Vorwurf lautet, dass Kroatien gegen die TRIS-Richtlinie (Technical Regulation Information System) verstoßen habe, indem die neuen Regelungen nicht vorab in Brüssel notifiziert wurden. Eine solche Missachtung der TRIS-Vorgaben könnte zur Ungültigkeit der Bestimmungen führen – ein Szenario, das sich bereits in einem vergleichbaren Fall in Litauen abgespielt hat.
Die kroatischen Regulierungsmaßnahmen weisen deutliche Parallelen zu den strikten deutschen Glücksspielvorschriften auf, gehen jedoch in einzelnen Aspekten noch weiter. Das in Deutschland etablierte OASIS-System (Online-Ausschlusssystem), das eine Identitätsprüfung der Spieler vorsieht und bei Verstößen eine landesweite Sperrung ermöglicht, dient Kroatien offensichtlich als Referenzmodell. In Deutschland hat dieses System allerdings unerwünschte Nebeneffekte gezeigt, darunter die Abwanderung von Spielern zu nicht-regulierten ausländischen Anbietern.
Folgen für Touristen
Für deutsche Urlauber, die Kroatien traditionell als Ferienziel schätzen, könnten die Neuregelungen spürbare Auswirkungen haben. Wer während seines Aufenthalts Online-Glücksspiele nutzen möchte, könnte von den nationalen Sperrmechanismen erfasst werden. Nach Informationen von kroatien-nachrichten.de warnen lizenzierte Anbieter vor den potenziellen Konsequenzen: Wenn die Anforderungen für legale Anbieter zu kostspielig und kompliziert werden, könnten Nutzer verstärkt auf unlizenzierte Angebote aus dem Ausland ausweichen.
Diese Befürchtung gewinnt durch die bereits erfolgte IP-Blockierung von mehr als 900 Websites an Substanz. Der Streitfall wirft grundlegende Fragen zur Regulierungshoheit der EU-Mitgliedstaaten im Bereich des Online-Glücksspiels auf. Die Reaktion der Europäischen Kommission auf das kroatische Vorgehen bleibt abzuwarten.
Eine mögliche Annullierung der Regelungen könnte das Verhältnis zwischen Zagreb und Brüssel belasten. Die Entwicklung in Kroatien könnte wegweisend für künftige Regulierungsansätze im europäischen Online-Glücksspielsektor sein.
Ungeachtet dieser regulatorischen Auseinandersetzungen wird Kroatien mit seinen hervorragenden Badegewässern, die laut einer Rangliste zu den besten Europas zählen, weiterhin Urlauber anziehen.
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