Ein Wiener Turnverein will bauen – doch die Nachbarschaft kämpft um jeden Quadratmeter Grün.
Seit mehr als einem Jahrhundert ist das Grundstück in der Wallrißstraße im Besitz des Turnvereins Wien-Gersthof – im Sommer dient es als Turnplatz. Nun plant der Verein, dort eine eigene Turnhalle zu errichten. „Der Grund, warum wir jetzt eine Turnhalle brauchen, liegt darin, dass wir bisher nur in Schulturnhallen mehr oder weniger eingemietet sind und das mit bestimmten Problemen verbunden ist“, erklärt Klaus Paula, Obmann des Turnvereins Wien-Gersthof, im Interview mit „Wien heute“. Der Verein zählt rund 450 Mitglieder.
Das Vorhaben wird bereits seit einigen Jahren verfolgt. Seitens der Stadt gilt das Projekt als baurechtlich unbedenklich. „Grundsätzlich ist es gemäß Bauordnung legitim, dass ein solches Projekt am genannten Standort gebaut wird, denn dieser verfügt über die passende Widmung (‚Erholungsgebiet Sport- und Spielplätze‘)“, heißt es dazu.
Die geplante Halle soll eine Höhe von sechs Metern erreichen. „Das ist das, was wir hier bauen dürfen. Das ist Sport- und Wiesenfläche und das wird so weit wie möglich ausgenutzt. Aber es ist noch immer keine riesige Halle. Es ist also keine Eventhalle, wie manche Nachbarn glauben, es ist eine reine Trainingshalle“, so Paula.
Widerstand der Nachbarschaft
Gegen das Vorhaben formiert sich allerdings Widerstand aus der Nachbarschaft. Unter dem Motto „Grünraum statt Beton“ hat sich eine Bürgerinitiative zusammengefunden, die eine Verbauung der Fläche verhindern will. „Wir haben uns sofort, nachdem wir die Ausschreibung gesehen hatten, zusammengeschlossen. Relativ schnell waren dann Dutzende Leute zusammen bei einer Anrainerversammlung“, berichtet Initiator Stefan Vospernik gegenüber „Wien heute“.
Zusätzlich rief er eine Petition ins Leben, die bislang mehr als 200 Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden hat. Darin heißt es: „Die Gersthofer Turnvereinswiese ist eine der letzten unverbauten Grünflächen in Wien-Währing und von großer Bedeutung für Mensch und Natur. Das Areal ist ein Rückzugsort für zahlreiche Tierarten und ein wichtiger Regulator für das Stadtklima. Die geplante Verbauung würde dieses wertvolle Naturjuwel unwiederbringlich zerstören.“
Die Skepsis unter den Anrainern bleibt groß. Befürchtet werden unter anderem Lärmbelästigung sowie eine spürbare Veränderung des unmittelbaren Wohnumfelds. „Es könnte zu einer Sichteinschränkung, einer Lichteinschränkung und Lärmbelästigung kommen“, sagt ein Anwohner. Eine weitere Bewohnerin meint: „Ich finde es unmöglich, dass jedes kleine Fleckchen nur noch irgendwie zugebaut wird.“
Forderung an Gemeinderat
Die Bürgerinitiative richtet daher eine konkrete Forderung an den Gemeinderat: Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan soll angepasst werden, um die Wiese „einschließlich ihrer Böschung in der derzeitigen, weitgehend unverbauten Form erhalten“ zu können. Das rund 2.000 Quadratmeter umfassende Grundstück wird vom Turnverein vorrangig in den Sommermonaten als Trainingsgelände genutzt.
Ein Teilbereich der Wiese kommt außerdem einem benachbarten Kindergarten als Spielfläche zugute.
Die geplante, rund 460 Quadratmeter große Turnhalle soll im hinteren Bereich des Areals entstehen.