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Mediziner zweifeln: Ist die Corona-Impfung für Kinder wirklich sinnvoll?

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(FOTO: iStock)

Zwar ist man sich grundsätzlich darüber einig, dass auch Kinder rasch gegen Corona geimpft werden sollten, doch unter Fachleuten zeigen sich nun erste Zweifel an der Strategie.

Aus medizinischer Sicht scheint es außer Frage zu stehen, dass eine Corona-Impfung von Kindern unter 16 Jahren wichtig und wünschenswert ist. In Deutschland wurde etwa durch die Bundesregierung Anfang Mai beschlossen, „unverzüglich eine Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und vor Einsetzen des Winters 2021/22 umzusetzen“. Einerseits, um rechtzeitig die entsprechenden Impfdosen zu bestellen und andererseits um sicherzustellen, dass der Schul- und Kindergartenbesuch nicht wieder durch Lockdowns beeinträchtigt wird. Auch in Österreich werden entsprechende Schritte gesetzt.

Und auch diverse Impfstoffhersteller arbeiten bereits an Impfstoffstudien für Kinder- und Jugendliche. Moderna und Johnson & Johnson kündigten etwa bereits an, bis Herbst ihre Studien für einen Kinder-Jugendimpfstoff mit geringeren Impfstoffkonzentrationen abgeschlossen zu haben. Und auch Pfizer/Biontech arbeitet in Freiwilligenstudien seit März an einem Kinderimpfstoff, der ebenfalls bis Herbst oder Winter für Kinder zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren gedacht ist. 

Sicherheitsprobleme, die nicht bereits von den Impfstoffstudien bei Erwachsenen in seltenen Fällen aufgetreten sind, werden nicht erwartet. Allerdings bereiten jüngste Meldungen aus Israel und den USA den Herstellern Kopfzerbrechen. Demnach gibt es mögliche Verdachtsfälle nach mRNA-Impfungen, bei denen insbesondere Jüngeren (keine Kinder!) wenige Tage nach der zweiten Impfdosis seltene Fällen von Myokarditis, also Entzündungen des Herzbeutels, aufgetreten waren. Sowohl die EMA als auch die CDC hatten jedoch betont, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass diese Fälle direkt mit der Impfung in Zusammenhang stehen.

Impfdosen lieber zuerst für Ältere
Doch auch unabhängig von diesen Sicherheitsfragen, wird langsam Widerstand bei Ärzten und Wissenschaftlern gegen eine möglichst lückenlose Impfung aller Kinder und Jugendlichen laut. Der Grund: Ob man die Kinder impfen müsse, um Herdenimmunität zu erreichen, sei keineswegs sicher. Und außerdem: Solange der Impfstoff immer noch recht knapp ist, wäre es besser zunächst diejenigen zu impfen, die eher von schweren Covid-19-Erkrankungen betroffen sind. Dies sind jedoch nicht die Jungen!

Auch eine Gruppe von Ärzten der Universität Witten/Herdecke kommt zu dem Schluss: „Es gibt keine Nachweise, dass eine Impfung bei Kindern erforderlich oder überhaupt wirksam wäre, um die nach Impfungen und Selbstschutzmaßnahmen noch gefährdete, erwachsene Bevölkerung zu schützen oder eine Herdenimmunität zu erreichen.“

Neurologische Schäden befürchtet
Andere verweisen unterdessen auch weiterhin auf die Gesundheitsrisiken, die für Kinder bei einer Covid-19-Erkrankung zwar deutlich niedriger sind, als bei Erwachsenen – aber mutmaßlich eben immer noch höher als nach einer Impfung. Angst hat man hier vor allem vor neurologischen Störungen bei Kindern, die bei einer Infektion mit dem Coronavirus wochen- oder monatelang anhalten könnten. Dazu gehört etwa das „Pädiatrische Inflammatorische Multisystem-Syndrom“, ein fiebriger Entzündungsprozess, der wenige Wochen nach der Infektion auftritt und auch schwere Verläufe haben kann. Vorläufige Daten legen nahe, dass eins von tausend infizierten Kindern betroffen sein könnte. 

Nach jüngsten Studien in London klagen dort 13% der unter 11-Jährigen und 15% der 12- bis 16-Jährigen, die an Covid-19 erkrankten, über mindestens ein Symptom fünf Wochen nach der Entlassung aus der Klinik. In Amerika läuft derzeit eine ähnliche Debatte: Von vier Millionen nachweislich infizierten Kindern wurden 16.000 im Krankenhaus behandelt, etwa 300 starben.

Quellen und Links: