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Todesfalle

Mehrere Tote nach Tesla-Unfällen: Erstes Land verbietet versenkte Türgriffe

Mehrere Tote nach Tesla-Unfällen: Erstes Land verbietet versenkte Türgriffe
FOTO: iStock/jozzeppe
5 Min. Lesezeit |

Ein Designmerkmal, das Leben kosten kann – und Behörden, die zögern, während China längst gehandelt hat.

Seit seiner Markteinführung im Jahr 2012 galt das Tesla Model S als technologisches Vorzeigeobjekt – nicht zuletzt wegen seiner elektrisch versenkbaren und elektrisch betätigten Türgriffe, die damals für erhebliches Aufsehen sorgten. Doch was zunächst als elegantes Designmerkmal gefeiert wurde, entpuppte sich unter bestimmten Bedingungen als ernste Gefahr für Leib und Leben.

Im September 2025 kam es in Deutschland erneut zu einem tragischen Vorfall: Nach einem Unfall mit einem Tesla Model S kamen ein Mann und zwei Kinder in den Flammen ums Leben. Ein Augenzeuge, der den Eingeschlossenen zu helfen versuchte, scheiterte sowohl beim Löschen des Brandes als auch beim Öffnen der Fahrzeugtüren. „Ich wollte noch Personen retten. Ich habe versucht, das Auto aufzumachen, das ging aber auch nicht“, schilderte er gegenüber den „Ruhr Nachrichten“.

Der deutsche Fall reiht sich in eine Serie internationaler Vorfälle ein: Im Herbst 2024 starben drei College-Studenten im Alter von 19 und 20 Jahren in einem brennenden Tesla Cybertruck in den USA, weil Helfer die Türen nicht öffnen konnten. Grundsätzlich gilt: Elektrofahrzeuge brennen nach dem aktuellen Stand der Daten nicht öfter als Benzin- oder Dieselfahrzeuge – Batteriebrände sind allenfalls schwerer zu bekämpfen. Im vorliegenden Fall war jedoch nicht der Akkubrand das eigentliche Problem, sondern die spezifische Türkonstruktion des amerikanischen Herstellers. Tesla hatte Beschwerden über diese Technik über Jahre hinweg kleingeredet.

Behördliche Prüfung

Nun zieht das Thema auch in Deutschland juristische Konsequenzen nach sich. Wie zunächst „Bild“ und „Auto Motor und Sport“ berichteten, soll das Kraftfahrtbundesamt auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Türmechanismus einer eingehenden Prüfung unterziehen. Ausgangspunkt ist ein Gutachten zu dem eingangs geschilderten Unfall in Nordrhein-Westfalen, das ein Versagen der automatischen Türöffnung nach dem Aufprall dokumentiert.

Gegenüber FOCUS online bestätigte das Kraftfahrtbundesamt lediglich, dass die Behörde die betreffenden Fälle bereits untersuche. Versenkte Türgriffe finden sich mittlerweile nicht nur bei Tesla, sondern auch bei zahlreichen anderen modernen Fahrzeugen – sowohl bei Elektroautos als auch bei Verbrennern. Der ADAC und weitere Fachleute üben an dieser Technologie seit Langem Kritik und verweisen auf die damit verbundenen Sicherheitsrisiken.

Das Problem ergibt sich auf zwei Ebenen: Versenkte Türgriffe sind generell schwerer zu greifen – selbst dann, wenn eine mechanische Öffnung prinzipiell möglich wäre. Besonders heikel wird die Situation, wenn diese Bauweise mit einer elektrischen Verriegelung kombiniert wird. „Technisch unterscheiden sich die Systeme deutlich von klassischen Türgriffen. In vielen Modellen werden Türen primär elektrisch entriegelt. Der eigentliche Öffner im Innenraum ist oft kein mechanischer Hebel, sondern eine Taste. Ohne Stromversorgung funktioniert diese nicht mehr“, erläuterte „Auto Motor & Sport“ mit Blick auf das Tesla Model S und vergleichbare Modelle.

Zwar verfügen die betroffenen Fahrzeuge über mechanische Notentriegelungen, doch diese sind im Ernstfall weder intuitiv bedienbar noch allgemein bekannt – eine Voraussetzung, die bei Fahrgästen etwa in einem Taxi schlicht nicht gegeben ist. Hinzu kommt, dass bei einem Brand kaum Zeit bleibt, solche Mechanismen überhaupt zu betätigen: Bereits nach wenigen Atemzügen in den giftigen Brandgasen verlieren Menschen das Bewusstsein.

Das Kraftfahrtbundesamt verweist in diesem Zusammenhang auf die Zuständigkeit der niederländischen Zulassungsbehörde, bei der die EU-Typgenehmigung für das Fahrzeug erteilt wurde. Gegenüber FOCUS online erklärte das KBA: „Im konkreten Fall hat Tesla von der niederländischen Typgenehmigungsbehörde zum einen für die Türverschlüsse eine Genehmigung nach UN-R11 und für den Schutz der Insassen bei einem Seitenaufprall entsprechend der UN-R95 erhalten. Das Fahrzeug entspricht insofern den aktuell geltenden Rechtsnormen. Eine rechtliche Begründung für einen Rückruf ist nach aktuellem Sachstand nicht gegeben, ein entsprechender Eintrag in der Rückrufdatenbank daher nicht vorhanden.“

Gleichwohl teilte das Kraftfahrtbundesamt mit, die genannten Fälle aktiv zu untersuchen, und ergänzte: „Gleichwohl eine Abweichung von Genehmigungsvorschriften nicht erkannt werden konnte, steht das KBA mit anderen Genehmigungsbehörden zu dieser Thematik in Kontakt und wird sich dafür einsetzen, dass diese Thematik behandelt wird, um eine Anpassung der Regelungen zu initiieren.“ Die Situation erinnert an das berüchtigte „Schlüssel-Gate“ bei General Motors, wo es ebenfalls mehrere Jahre dauerte, bis ein gefährlicher Konstruktionsfehler schließlich behoben wurde.

Chinas Verbot

Während europäische Behörden noch abwägen, handelt China bereits entschlossen. Die chinesischen Behörden bewerten versenkte und elektrisch betätigte Türgriffe offenbar als deutlich gravierenderes Sicherheitsrisiko als ihre deutschen und europäischen Pendants – und reagieren mit einem Verbot der umstrittenen Technologie. Die entsprechende Regelung tritt am 1. Jänner 2027 in Kraft und gilt für alle ab diesem Zeitpunkt in China verkauften Fahrzeuge.

Modelle, die bereits eine behördliche Genehmigung erhalten haben und kurz vor der Markteinführung stehen, müssen von den Herstellern bis spätestens 2029 nachgerüstet werden. Der Hintergrund der strikten Maßnahme: Stand April 2025 hatten 60 Prozent der 100 am häufigsten verkauften Elektro- und Hybridautos in China versteckte Türgriffe. Damit ist die Verbreitung der umstrittenen Technologie auf dem weltweit größten Automobilmarkt deutlich höher als in Europa.

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KO KOSMO-Redaktion
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