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Frauengesundheit

Menstruationsurlaub: Montenegro macht’s vor – zieht Serbien nach?

Menstruationsurlaub: Montenegro macht’s vor – zieht Serbien nach?
FOTO: iStock/Mariia Skovpen
4 Min. Lesezeit |

Montenegros Parlament hat in dieser Woche eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes beschlossen, die berufstätigen Frauen künftig zwei Tage bezahlten Menstruationsurlaub pro Monat einräumt. Voraussetzung ist eine ärztlich diagnostizierte sekundäre Dysmenorrhoe – also schmerzhafte Menstruationszyklen, die auf pathologische Ursachen wie Endometriose, Polypen, Myome oder Eierstockentzündungen zurückzuführen sind. Auch Symptome wie Dyspareunie, Dysurie, Unfruchtbarkeit oder übermäßige Blutungen können als Grundlage dienen.

Die Initiative geht auf die unabhängige Abgeordnete Jevrosima Pejovic zurück, die den entsprechenden Gesetzesantrag bereits im März eingebracht hatte. Praktisch bedeutet die neue Regelung, dass die Diagnose von einem Facharzt festgestellt werden muss und das ärztliche Attest jährlich – spätestens bis 31. Dezember – erneuert sowie dem Arbeitgeber bis Ende Jänner des Folgejahres vorgelegt werden muss.

Ana Dornik, Vorsitzende des Vereins „Frauen mit Frauen“ und selbst Brustkrebsüberlebende, begrüßt den Schritt ausdrücklich. Für viele Frauen sei die Menstruation weit mehr als ein paar Tage leichtes Unwohlsein – sie könne Gesundheit, Alltag und Arbeitsfähigkeit ernsthaft beeinträchtigen. „Menstruationsurlaub sollte nicht als Privileg verstanden werden, sondern als Maßnahme, die unterschiedliche Gesundheitsbedürfnisse anerkennt und zu echter Gleichstellung am Arbeitsplatz beiträgt“, betont sie.

Serbiens zögerliche Haltung

In Serbien hingegen ist Menstruationsurlaub weder im Arbeits- noch im Krankenversicherungsrecht verankert. Frauen, die aufgrund schwerer Beschwerden nicht arbeitsfähig sind, können zwar über das reguläre System der Arbeitsunfähigkeit Krankenstand beantragen – sofern ein Arzt die medizinische Notwendigkeit bestätigt. Einen konkreten Gesetzesvorschlag in diese Richtung gibt es jedoch nicht einmal in Ansätzen.

Jovana Ruzicic, Direktorin des Zentrums für Mütter, hofft dennoch auf eine vergleichbare Lösung auch in Serbien – zumal sich die Arbeitswelt ohnehin im Wandel befinde. „Eine solche Maßnahme erkennt an, was Frauen längst wissen: Starke Menstruationsschmerzen, die auf pathologische Zustände zurückgehen, sind kein Leiden, das man einfach durchbeißen muss, sondern ein ernsthaftes Gesundheitsproblem“, erklärt sie. Gleichzeitig warnt sie davor, solche Regelungen als Anlass für neue Diskriminierung zu missbrauchen.

Deutlich skeptischer äußert sich Ranka Savic, Vorsitzende der Vereinigung freier und unabhängiger Gewerkschaften. Unter der aktuellen serbischen Regierung hält sie die Einführung von Menstruationsurlaub schlicht für nicht umsetzbar. „Diese Regierung kümmert sich nicht um die Bürgerinnen und Bürger, ihre Bedürfnisse und Probleme. Das wird erst möglich sein, wenn verantwortungsvollere Menschen an die Macht kommen, die ihr Volk nicht nur in Worten lieben.“

Geteilte Parlamentsmeinungen

Gemischte Reaktionen kommen auch aus dem Parlament. Der Gynäkologe und Abgeordnete Borislav Antonijevic sieht in einer solchen Regelung erhebliches Missbrauchspotenzial und bezweifelt, ob Frauen eine Lösung akzeptieren würden, die mit einer Gehaltskürzung von bis zu 40 Prozent verbunden sein könnte. „In Einzelfällen, bei bestimmten Tätigkeiten, kann individuell entschieden werden – aber ich würde das nicht verallgemeinern“, so Antonijevic.

Ihre Kollegin Snezana Rakic, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Abgeordnete der Volksbewegung Serbiens, würde einen entsprechenden Gesetzesvorschlag hingegen sowohl als Ärztin als auch als Frau unterstützen. Aus ihrer täglichen Praxis weiß sie, dass die betroffenen gynäkologischen Erkrankungen unter Frauen in Serbien weit verbreitet sind – auch wenn offizielle Statistiken dazu fehlen. „In Europa hat sich diese Praxis bereits etabliert – die Gesundheitssysteme dort haben erkannt, dass anhaltende Schmerzen, Blutungen und Kopfschmerzen die Lebensqualität von Frauen direkt beeinträchtigen.“

Sie hält es für realistisch, dass Arbeitgeber dieses Problem zunehmend wahrnehmen und entgegenkommen – besonders bei körperlich belastenden Tätigkeiten. Da ein Großteil der Arbeit mittlerweile auch online erledigt werden könne, entstünden für Betriebe ohnehin kaum Nachteile.

International ist Montenegro damit nicht allein. Spanien war 2023 das erste europäische Land, das Menstruationsurlaub auf nationaler Ebene gesetzlich verankerte. Portugal ermöglicht Frauen mit diagnostizierter Endometriose oder Adenomyose seither bis zu drei bezahlte Fehltage pro Monat – kein allgemeiner Menstruationsurlaub, sondern ein gezieltes Recht für Frauen mit chronischen Erkrankungen.

In Slowenien steht das Thema derzeit im Mittelpunkt öffentlicher Debatten.

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KO KOSMO-Redaktion
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