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Gesundheitsbefragung

„Mir geht’s eh gut“: Wenn Schmerzen in Österreich zum Alltag gehören

„Mir geht’s eh gut“: Wenn Schmerzen in Österreich zum Alltag gehören
(Foto: Pexels)
5 Min. Lesezeit |

Der Rücken zieht, der Nacken ist verspannt, aber insgesamt geht es schon: Österreichs neue Gesundheitszahlen zeigen, wie positives Wohlbefinden und Beschwerden nebeneinander bestehen können. Besonders aufschlussreich ist, wie unterschiedlich Menschen auf allgemeine und konkrete Gesundheitsfragen antworten.

Wann würden wir uns selbst als chronisch krank bezeichnen? Bei einer schweren Erkrankung vielleicht sofort. Bei wiederkehrenden Kreuzschmerzen, einer Allergie oder erhöhten Blutdruckwerten möglicherweise weniger selbstverständlich. Genau solche Unterschiede werden in der am 20. Oktober 2026 veröffentlichten Österreichischen Gesundheitsbefragung sichtbar.

Die Mehrheit fühlt sich gesund

72,5 Prozent der Menschen ab 15 Jahren in Privathaushalten bewerten ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. Gleichzeitig nennt die Befragung bei 72,6 Prozent mindestens eine der konkret abgefragten chronischen Erkrankungen beziehungsweise gesundheitlichen Beschwerden.

Das ist kein Beweis dafür, dass Menschen ihre Gesundheit falsch einschätzen. Wer mit einer gut behandelten Erkrankung lebt oder nur zeitweise Beschwerden hat, kann sich insgesamt durchaus wohlfühlen. Eine positive Bewertung bedeutet schließlich nicht zwangsläufig völlige Beschwerdefreiheit.

Für die Erhebung wurden von April 2025 bis Mai 2026 insgesamt 16.446 zufällig ausgewählte Personen persönlich oder online befragt. Die Ergebnisse beruhen auf ihren Angaben, nicht auf einer medizinischen Untersuchung aller Teilnehmer. Menschen in Pflegeheimen und anderen institutionellen Haushalten gehören nicht zur untersuchten Grundgesamtheit.

Warum zwei unterschiedliche Krankheitszahlen auftauchen

Besonders interessant wird es bei der Frage, was Menschen selbst als dauerhaftes Gesundheitsproblem wahrnehmen. Auf eine entsprechende allgemeine Frage antworteten 40,9 Prozent mit Ja. Bei der anschließenden Abfrage von 19 konkreten Erkrankungen und Beschwerden lag der Anteil mit mindestens einer Nennung deutlich höher.

Der Originalbericht beschreibt ausdrücklich: Manche Befragte verneinten allgemein eine dauerhafte Erkrankung, nannten bei den einzelnen Fragen aber beispielsweise Allergien, erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck oder chronische Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen.

Die beiden Werte messen daher Unterschiedliches. Sie zeigen, dass eine allgemeine Selbsteinschätzung und die Antworten auf konkrete Gesundheitsfragen auseinanderliegen können. Ob jemand Beschwerden unterschätzt, gut damit zurechtkommt oder den Begriff „chronisch krank“ anders versteht, lässt sich daraus allein nicht feststellen.

Rücken und Nacken betreffen Millionen

Rund 2,5 Millionen Menschen berichteten über chronische Rücken- oder Nackenbeschwerden innerhalb der zwölf Monate vor ihrer Befragung. Die Probleme gehören in nahezu allen Altersgruppen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden.

Chronische Kreuzschmerzen beziehungsweise Rückenleiden nannten 26,2 Prozent, chronische Nacken- oder Halswirbelsäulenbeschwerden 21,1 Prozent. Diese Werte dürfen nicht einfach addiert werden: Eine Person kann von beidem betroffen sein.

Auch andere Gesundheitsprobleme sind verbreitet. Allergien ohne allergisches Asthma wurden von 25,6 Prozent genannt, erhöhte Cholesterin- beziehungsweise Blutfettwerte von 25,4 Prozent und Bluthochdruck von 23,8 Prozent. Die Liste umfasst damit sehr unterschiedliche Erkrankungen, Beschwerden und gesundheitliche Risiken.

Entscheidend ist auch, was im Alltag schwieriger wird

Die bloße Frage „Hast du Schmerzen?“ erzählt noch nicht die ganze Geschichte. Relevant ist ebenso, ob jemand deshalb schlechter schläft, bestimmte Bewegungen vermeidet oder nach der Arbeit weniger unternehmen kann.

Wer den Einkauf anders trägt, beim Spielen mit den Kindern vorsichtiger wird oder Freizeitaktivitäten auslässt, kann seinen Alltag bereits verändert haben. Solche Beispiele beschreiben mögliche Auswirkungen. Wie häufig Menschen ihre Beschwerden auf diese Weise ausgleichen, lässt sich aus den genannten Gesamtzahlen nicht ablesen.

Eine weitere Zahl zeigt, wie verbreitet Schmerzen grundsätzlich sind: Hochgerechnet 4,8 Millionen Menschen hatten innerhalb der vier Wochen vor ihrer Befragung körperliche Schmerzen. Darunter fallen unterschiedliche Schmerzstärken und Ursachen. Gemeint sind deshalb nicht automatisch 4,8 Millionen chronische Schmerzpatienten.

Der Rücken hat selten nur einen Einflussfaktor

Bei Rückenschmerzen können körperliche Belastungen, Bewegungsmangel und psychische Faktoren zusammenwirken. Wiederholtes schweres Heben kann eine Rolle spielen, ebenso einseitige Belastungen oder beruflicher Stress.

Häufig sind Rückenschmerzen unspezifisch. Das bedeutet, dass sich keine einzelne eindeutige Ursache feststellen lässt. Die Schmerzen sind deshalb nicht eingebildet. Ebenso wenig lässt sich aus der Befragung ableiten, welcher Beruf oder welcher Lebensstil die Beschwerden einer bestimmten Person verursacht hat.

Bei unkomplizierten unspezifischen Rückenschmerzen wird grundsätzlich zu angepasster Bewegung geraten. Längere Bettruhe ist meist nicht hilfreich. Welche Belastung sinnvoll ist und ob eine Behandlung benötigt wird, hängt jedoch von den individuellen Beschwerden ab.

Was beim Arztgespräch wirklich weiterhilft

Wer wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden besprechen möchte, kann sich vorher einige Punkte notieren:

  • Verlauf: Seit wann bestehen die Schmerzen und wie häufig treten sie auf?
  • Ort: Wo sitzen sie und strahlen sie in Arme oder Beine aus?
  • Auslöser: Was verschlechtert die Beschwerden, was lindert sie?
  • Alltag: Welche Tätigkeiten oder Nächte werden beeinträchtigt?
  • Medikamente: Welche Mittel werden bereits genommen und wie oft?

Neue Lähmungen, Störungen der Blasen- oder Darmkontrolle oder Taubheit im Genitalbereich zusammen mit Rückenschmerzen müssen sofort medizinisch abgeklärt werden. Auch Fieber oder Schmerzen nach einem Unfall gehören ärztlich beurteilt.

Ein gutes Gesundheitsgefühl und die Aufmerksamkeit für Beschwerden schließen einander nicht aus. Beim nächsten „Mir geht’s eh gut“ kann deshalb eine zweite Frage helfen: Was fällt mir heute schwerer, als es eigentlich sollte?

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KO KOSMO-Redaktion
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