Start NEWS POLITIK Neues Friedensdenkmal von Srebrenica löst Streit in Bosnien aus
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Neues Friedensdenkmal von Srebrenica löst Streit in Bosnien aus

(FOTO: zVg.)

Ein neues Friedensdenkmal in Srebrenica hat zu einem Streit zwischen lokalen Serben und Bosniaken geführt, die sich darüber aufregen, dass das Denkmal keinen Hinweis auf den Völkermord an Tausenden von Männern und Jungen aus der Stadt im Juli 1995 gibt.

Das neue Denkmal wurde am Montag anlässlich des von den Vereinten Nationen unterstützten Internationalen Friedenstages eingeweiht. Dadurch wurden erneut die anhaltenden ethnischen Spaltungen zwischen Serben und Bosniaken in der Stadt nach dem Krieg hervorgehoben.

Der Bürgermeister von Srebrenica, Mladen Grujičić, erklärte gegenüber BIRN, die Gemeindeversammlung habe beschlossen, „ein Denkmal zu errichten, das universell und ohne direkten Bezug zu den Opfern des vergangenen Krieges sein wird“. Es würde „überhaupt nicht mit dem Krieg verbunden sein, es wird nicht dazu dienen, Kränze zu legen oder irgendetwas in diesem Sinne zu gedenken, aber es wird als Botschaft des Friedens und des Zusammenlebens dienen“, so Grujičić. Das neutrale Denkmal sei von einem Kunstwerk eines Schulkindes aus Srebrenica inspiriert worden, erklärte der Bürgermeister weiter.

Doch dieses so genannte „neutrale“ Denkmal stößt einigen Bewohnern sauer auf. Die Vereinigung der Mütter von Srebrenica und Zepa Enclaves, eine Organisation, die Kriegsopfer vertritt, äußerte sich unglücklich darüber, dass das Denkmal den Völkermord an Bosniaken durch bosnisch-serbische Streitkräfte von 1995 nicht anerkennt:

„Manchmal denke ich mir, wie er [Grujičić] dem bosniakischen Volk überhaupt begegnen oder etwas sagen kann, wenn man bedenkt, dass er… den Völkermord geleugnet und die Opfer persönlich minimiert hat und was für eine Heuchelei es ist, dass er in Srebrenica ein Denkmal des Friedens errichtet“, sagte Sahida Abdurahmanovic, ein Mitglied der Vereinigung.

Wie auch andere serbische politische Führer besteht Grujičić darauf, dass die Massaker an Bosniaken trotz der Urteile internationaler und bosnischer Gerichte keinen Völkermord darstellten. Bisher wurden 47 Personen von Gerichten im ehemaligen Jugoslawien und in Den Haag wegen Verbrechen gegen Bosniaken aus Srebrenica im Juli 1995 zu mehr als 700 Jahren Gefängnis- und vier lebenslangen Haftstrafen verurteilt, darunter der bosnisch-serbische politische Führer Radovan Karadžić.

Bei dem Genozid im Jahr 1995 wurden mehr als 7.000 bosniakische Männer und Jungen aus Srebrenica getötet und mehr als 40.000 Frauen, Kinder und ältere Menschen ausgewiesen. Dementsprechend sind auch die Meinungen über das Denkmal sehr gespalten. Eine Einheimische, Mirnes Zahirović, sagte, das Denkmal habe „Unruhe unter einem bereits geteilten Volk gebracht“. Und weiter: „Die Errichtung eines Friedensdenkmals in der Stadt, in der Völkermord an Bosniaken begangen wurde, ist nichts anderes als ein Augenzwinkern für Kriegsopfer und [Nachkriegs-] Rückkehrer nach Srebrenica“.