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ORF-Doku zu 30 Jahren Jugoslawien-Krieg: Opfer und Täter treffen aufeinander

Kriegsverbrecher Esad Landžo im Gespräch mit einem ehemaligen Lagerarzt (FOTO: Screenshot ORF-TVthek, WELTjournal + vom 23.06.2021)

Der Jugoslawien-Krieg jährt sich heuer zum 30. Mal. Aus diesem Anlass brachte der ORF im „WELTjournal“ und „WELTjournal +“ gestern zwei Schwerpunkt-Dokus heraus, bei denen Opfer auch erstmals auf Täter trafen.

Am Mittwoch zeigte der ORF anlässlich des 30. Jahrestages des Jugoslawien-Krieges zwei Dokumentationen. In der Reportage „Slowenien und Kroatien – 30 Jahre unabhängig“ im „WELTjournal“ sprach der ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz mit ehemaligen Soldaten – vom Kommandanten im steirischen Grenzabschnitt bis zu damaligen Grundwehrdienern. Anschließend wurde im „WELTjournal +“ die Dokumentation „Unverzeihlich – Schuld und Sühne“ gezeigt. Darin kehrte der Bosnier Esad Landžo, der 1998 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, Mordes und Folter zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde an die Orte seiner Verbrechen in Bosnien zurück – und traf dort auf Opfer! Beide Dokumentationen könnt ihr auf der nächsten Seite nachsehen.

„Slowenien und Kroatien – 30 Jahre unabhängig“
Vor 30 Jahren begann der Zerfall des sozialistisch Jugoslawien mit den Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien und Kroatien. Der Krieg in Slowenien dauerte nur zehn Tage. Die Kriege in Kroatien und Bosnien-Herzegowina gingen jedoch über drei Jahre lang und forderten zahlreiche Opfer, viele Menschen wurden vertrieben. Im Juni 1991 begann die Auflösung Jugoslawiens an der Staatsgrenze zu Österreich, an der heutigen slowenisch-österreichischen Grenze.

Die jugoslawische Volksarmee versuchte damals, die Grenzübergänge, die von slowenischen Truppen kontrolliert wurden, wieder in Besitz zu nehmen. Dieser Krieg an der Staatsgrenze führte zum größten militärischen Einsatz des österreichischen Bundesheeres in der Zweiten Republik. Etwa 7.700 Soldaten waren von Ende Juni bis Mitte Juli 1991 in der Steiermark und in Kärnten im Einsatz.

ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz sprach im „WELTjournal“ mit ehemaligen Soldaten– vom Kommandanten im steirischen Grenzabschnitt bis zu damaligen Grundwehrdienern. Der Balkan-Korrespondent traf in Slowenien auf Veteranen und den ersten demokratisch gewählten Regierungschef Lojze Peterle.

In Kroatien besuchte Wehrschütz den Friedhof nahe der Stadt Vukovar, an dem die Opfer des Massakers begraben wurden. Gemeinsam mit dem letzten Vorsitzenden des jugoslawischen Staatspräsidiums und späteren Präsidenten Kroatiens, Stipe Mesić, sowie mit dem letzten jugoslawischen Außenminister Budimir Lončar reflektierte Wehrschütz die Ereignisse von vor 30 Jahren, die Europa erschüttert und nachhaltig geprägt haben.

„Unverzeihlich – Schuld und Sühne“
Wie lebt ein verurteilter Kriegsverbrecher mit seiner Schuld? Kann er sich mit seiner Vergangenheit aussöhnen und auf Vergebung hoffen? – Diesen Fragen stellte sich das „WELTjournal +“ in der Dokumentation „Unverzeihlich – Schuld und Sühne“. Darin wurde der Bosnier Esad Landžo begleitet, der 1998 vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, Mordes und Folter zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde.

Nachdem Landžo seine Strafe abgebüßt hatte, kehrte er nun an die Orte seiner Verbrechen in Bosnien zurück und suchte den Kontakt zu den Menschen, die er damals misshandelt und gedemütigt hat. „Was ich getan habe ist unentschuldbar, es gibt zahllose Erklärungen, aber keine Entschuldigung“ sagte Landžo in der ORF-Doku. Diese beschäftigt sich unter anderem auch mit den Fragen: Können wir Kriegsverbrechern vergeben? Und: Sollen wir das überhaupt?

Auf der nächsten Seite kommt ihr zu dein beiden Dokumentationen.

Quellen und Links:

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