Ein Pessar mit Widerhaken soll Vergewaltiger stoppen – doch die Idee ist umstritten. Während Forscher das Produkt nun in Österreich untersuchen, warnen Menschenrechtler vor falschen Signalen.
Ein ursprünglich in Südafrika entwickeltes Schutzpessar gegen sexuelle Übergriffe soll nun auch in Österreich wissenschaftlich untersucht werden. Forscher des Fraunhofer-Instituts Stuttgart und der Hochschule Ravensburg-Weingarten planen Studien zu dem tamponähnlichen Produkt aus nicht-reizendem Kunststoff. Die Besonderheit: Im Inneren des Pessars befinden sich scharfe Widerhaken, die sich bei einem Übergriff am Penis des Angreifers verhaken würden und nur durch medizinischen Eingriff entfernt werden könnten.
Das unter dem Namen „Rape-aXe“ von einem südafrikanischen Unternehmen entwickelte Produkt verfolgt mehrere Ziele: Es soll potenzielle Täter abschrecken, die Beweissicherung nach Übergriffen verbessern und Frauen ein stärkeres Sicherheitsgefühl vermitteln. Die geplante Studie des Fraunhofer-Instituts soll diese Wirkungen nun für den österreichischen Kontext prüfen.
Kritische Stimmen
Die Menschenrechtsorganisation terre des femmes steht dem Produkt jedoch kritisch gegenüber. Gegenüber RTL erklärte die Organisation, dass ein solches Pessar problematische Signale sende: „Wieder einmal wäre dann die Frau diejenige, die für ihren eigenen Schutz zuständig ist.“ Statt mehr Sicherheit zu bieten, suggeriere das Produkt, dass Frauen in ständiger Alarmbereitschaft sein und „auf sich aufpassen“ müssten.
Terre des femmes betont, dies sei nicht der richtige Ansatz im Kampf gegen sexualisierte Gewalt: „So wird von der Notwendigkeit abgelenkt, Täterverhalten und gesellschaftliche Machtverhältnisse in den Fokus zu rücken.“ Was auf den ersten Blick als hilfreiche Erfindung erscheint, könnte letztlich zu einer Täter-Opfer-Umkehr beitragen oder sogar zusätzliche Gewalt gegen Betroffene fördern.
Sicherheitsbedenken
Zwar könnte das Pessar einem Angreifer Schmerzen zufügen, doch ob dieser daraufhin von seinem Opfer ablässt, sei keineswegs garantiert. „In der konkreten Situation gibt es ein erhöhtes Eskalationsrisiko nach der Verletzung des Täters“, warnt terre des femmes. Zudem biete das Produkt keinen Schutz vor traumatischen Belastungen.
Das Anti-Vergewaltigungs-Pessar bewegt sich somit in einem Spannungsfeld zwischen technologischer Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung. Einerseits könnte es Frauen ein subjektives Sicherheitsgefühl vermitteln und abschreckend wirken, andererseits besteht die Gefahr, dass es die Verantwortung für den Schutz vor sexualisierter Gewalt einseitig auf potenzielle Opfer verlagert.