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Zu laut

Pensionist schießt auf schwerbehindertes Mädchen am Spielplatz

(FOTO: iStock/Olena Vasylieva/Alfira Poyarkova)
(FOTO: iStock/Olena Vasylieva/Alfira Poyarkova)

In einem beispiellosen Vorfall, der die Kleinstadt Bornhöved in Schleswig-Holstein erschütterte, wurde ein 70-jähriger Mann, Karl-Heinz M., zu einer 16-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung nach einem Schuss auf einen Spielplatz.

Ungewöhnliches Geständnis

Im Zuge der Ermittlungen kam heraus, dass Karl-Heinz M. zuvor bereits in zwei Fällen Schüsse in Richtung des Spielplatzes abgegeben hatte. Dabei räumte er ein, sich der Anwesenheit von Kindern bewusst gewesen zu sein. Er konnte aber keine plausible Erklärung für sein Handeln liefern. Eine Verteidigung, die vor Gericht für Kopfschütteln sorgte, war seine Aussage, primär einem „Spatzenproblem“ Herr werden zu wollen. In der Vergangenheit habe er versucht, die Vögel mit Knallkörpern zu vertreiben, sei dann aber zum Luftgewehr übergegangen.

Projektil im Oberarm

Die damals Achtjährige Miley kehrte blutend und mit starken Schmerzen im Arm zu ihrer Mutter zurück: „Meine Tochter Miley kam schreiend vom Spielplatz nebenan, ,Mein Arm, mein Arm!‘ und ließ sich gar nicht beruhigen. Sie blutete, da habe ich das Loch in ihrem Oberarm gesehen.“, berichtete Mutter Alice Carina Sch..

Ein Luftgewehrprojektil hatte sich tief in ihren Oberarm gebohrt. Miley musste sofort ins Krankenhaus. Erst nach Stunden konnte das Projektil in einem zweiten Krankenhaus entfernt werden. Nicht ohne erhebliche Schmerzen für das junge Mädchen, da die Narkose nicht gleich funktionierte.

Unheilbar krank und Hirntumor

Das Mädchen trägt ohnehin ein schweres Schicksal. Es leidet an der unheilbaren Krankheit Neurofibromatose, die schmerzhafte Wucherungen von verändertem Nervengewebe verursacht. Infolgedessen wurde bei Miley ein Gehirntumor diagnostiziert, wodurch sie einen Grad der Behinderung von 100 Prozent hat.

Reaktion und Konsequenzen

Karl-Heinz M. entschuldigte sich vor Gericht bei dem Mädchen und ihrer Familie und willigte ein, ein Schmerzensgeld in Höhe von 7.500 Euro zu zahlen. Der vorsitzende Richter war empört: „Für mich ist nicht klar, was in Ihnen vorgegangen ist. Was erwarten Sie denn zur Mittagszeit, wenn Sie direkt neben einem Spielplatz wohnen? Ich hoffe, dass die Nachbarschaft irgendwann ihren Frieden findet.“

Die Polizei stellte das verwendete DDR-Luftgewehr Suhl 303 Super sowie die zugehörige Munition sicher.