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Immobilienvergleich

Sanierungsfall oder doch Pool mit Meerblick – Wien und Kroatien im Immo-Vergleich

Sanierungsfall oder doch Pool mit Meerblick – Wien und Kroatien im Immo-Vergleich
Foto: iStock
4 Min. Lesezeit |

63 Quadratmeter Sanierungsfall in Wien oder Ferienhaus mit Pool in Kroatien – beides kostet rund 250.000 Euro.

250.000 Euro sind kein kleiner Betrag. Doch was lässt sich damit auf dem Immobilienmarkt tatsächlich erwerben? Ein Blick auf aktuelle Angebote in Wien und Kroatien zeigt: Die Unterschiede sind frappierend – bei einem der Vergleichsobjekte musste man genauer hinsehen, um sicherzugehen, dass man sich nicht verlesen hatte.

Wer die sozialen Netzwerke regelmäßig nutzt, ist mit diesem Format vertraut: Ein Video zeigt auf der einen Seite eine beengte oder sanierungsbedürftige Stadtwohnung in einer europäischen Metropole, auf der anderen ein geräumiges Haus mit Garten und Pool irgendwo im Süden – und beide Objekte sind zum selben Preis erhältlich. Solche Gegenüberstellungen sind ein festes Element auf Plattformen wie Instagram oder TikTok.

Freilich sind derartige Vergleiche häufig vereinfacht. Wien ist nicht gleichzusetzen mit einem kleinen kroatischen Ort. Grundstückswerte, Infrastruktur und Arbeitsmärkte unterscheiden sich grundlegend.

Wiener Sanierungsfall

In Wien-Liesing, in der Anton-Baumgartner-Straße, steht derzeit eine Zwei-Zimmer-Wohnung zum Preis von 249.900 Euro zum Verkauf. Die Wohnfläche beträgt knapp 62,93 Quadratmeter, hinzu kommt eine südseitig ausgerichtete Loggia mit 5,38 Quadratmetern. Die Wohnung liegt im fünften Stockwerk einer 1999 fertiggestellten Anlage und ist fußläufig von der U6-Station Alterlaa erreichbar.

Was das Angebot jedoch komplizierter macht, ist der Zustand der Immobilie: Das Inserat weist ausdrücklich auf Renovierungsbedarf hin. Die Wohnung war zuvor vermietet und wird „unsaniert“ angeboten – Küche, Böden und weitere Bereiche müssten je nach individuellen Ansprüchen erneuert werden. Hinzu kommt eine Verpflichtung, die im ausgeschriebenen Preis nicht enthalten ist: Der Erwerb eines Tiefgaragenplatzes um 22.900 Euro ist zwingend vorgesehen. Der tatsächlich zu zahlende Mindestbetrag für Wohnung und Stellplatz beläuft sich damit auf 272.800 Euro – noch ohne Kaufnebenkosten.

Darüber hinaus enthält das Inserat einen Hinweis, der besondere Aufmerksamkeit verdient: Für die gesamte Wohnanlage wird ein erheblicher Instandhaltungsbedarf beschrieben. Eine vorläufige Kostenschätzung beziffert diesen auf rund sieben Millionen Euro netto, die anteilig auf die Wohnungseigentümer umgelegt werden sollen.

Kroatisches Ferienhaus

In Hrebinec in der Gespanschaft Zagreb wird ein Ferienhaus für 249.000 Euro angeboten – und das Angebot sieht grundlegend anders aus. Das Objekt umfasst 85 Quadratmeter, aufgeteilt auf Erdgeschoss, erstes Stockwerk und Dachgeschoss. Laut Inserat wurde das Haus 2022 vollständig renoviert und wird komplett möbliert übergeben.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Konoba (traditioneller Gastraum) mit Wohnbereich, großem Esstisch, Fernseher, Küche mit Bar sowie einem separaten WC. Das erste Stockwerk beherbergt ein weiteres Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Badezimmer; im Dachgeschoss ist ein zusätzliches Schlafzimmer beziehungsweise eine Galerie untergebracht. Was das Angebot für Social-Media-Vergleiche beinahe unglaubwürdig erscheinen lässt, befindet sich vor dem Haus: eine überdachte Terrasse mit Kamin und ein großer privater Pool.

Ergänzt wird das durch Klimaanlagen, per App steuerbare Außenbeleuchtung und Überwachungskameras. Das Haus wird vollständig eingerichtet verkauft und ist laut Inserat bereits ganzjährig touristisch vermietet. Der Angebotspreis von 249.000 Euro liegt damit rechnerisch um 23.800 Euro unter dem Gesamtpreis der Wiener Wohnung inklusive Pflichtstellplatz.

Doch ist ein solcher Vergleich überhaupt zulässig? Vollständig fair ist er nicht. Hrebinec ist kein touristischer Hotspot an der kroatischen Küste wie Rovinj, Split oder Dubrovnik. Der Ort liegt im Landesinneren, nahe Dugo Selo, und ist laut Inserat mit dem Auto in etwa 30 Minuten von Zagreb erreichbar. Auf der anderen Seite erwirbt man in Wien nicht bloß Quadratmeter Wohnfläche – man kauft Zugang zu einer Zwei-Millionen-Metropole mit U-Bahn-Netz, einem dichten Arbeitsmarkt und einer entsprechend hohen Nachfrage nach Wohnraum.

Immobilienpreise spiegeln nicht allein die Größe eines Objekts wider. In Wien fließt ein erheblicher Teil des Kaufpreises in Lage, Anbindung und den Zugang zu einem wirtschaftlich leistungsfähigen urbanen Umfeld. In Hrebinec erhält man für ein vergleichbares Budget deutlich mehr privaten Raum – ein eigenes Haus, Terrasse, Pool – lebt jedoch außerhalb einer Großstadt und ist für viele Wege auf ein Auto angewiesen.

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KO KOSMO-Redaktion
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