Start Community SKANDAL: Abzocke österreichischer Autofahrer in Kroatien
KOSMO DECKT AUF!

SKANDAL: Abzocke österreichischer Autofahrer in Kroatien

forderung
Der ÖAMTC geht davon aus, dass 15.000 bis 20.000 österreichische Fahrer solche Anwaltsbriefe bekommen haben. (FOTO: zVg.)

Kroatischer Behördendschungel
Aber nicht nur die „Tischler-Briefe“ sorgen nun für Diskussionen: Die Systematik der Handhabung von Parkstrafen in Kroatien ist definitiv verwirrend und chaotisch. Das zeigt sich auch, als wir uns im Auftrag von zwei betroffenen Lesern, die getrennt voneinander Forderungen für Parkvergehen in Zadar und Zagreb erhalten haben, bei den zuständigen Parkraumbewirtschaftungsunternehmen anrufen. Während man uns in der Zagreb-Holding am Telefon anbietet, den angekommenen Tischler-Brief zu ignorieren und stattdessen ein Tagesticket (cirka 20 Euro) für das Vergehen zu zahlen, werden wir in Zadar bei der Parkraumbewirtschaftung „Obala i lučice“ abgewiesen. „Sobald sie den Brief von Dr. Tischler haben, liegt alles in seinen Händen und sie müssen ihn kontaktieren. Dann sind wir nicht mehr zuständig“, sagt Nedjeljko Zrelić, Dispatcher des Unternehmens. Als wir ihn auf die Diskussionen in Österreich aufmerksam machen, sagt Zrelić: „Es gibt keine Diskussion, genauso wie wenn wir als Kroaten in Österreich für das Parken zahlen müssen. Der Tischler-Brief ist wie das Amen, es gibt da keine Diskussion“, so Zrelić.

„Der Brief von Dr. Tischler ist wie das Amen. Es gibt da keine Diskussion“, so Nedjeljko Zrelić, Dispatcher des Parkraumunternehmens „Obala i Lučice“ aus Zadar.

Mysteriös verschwundene Zettel?
Während sowohl der ÖAMTC als auch der deutsche Automobilclub ADAC wegen der hohen kroatischen Forderungen für ausländische Autofahrer die Notbremse ziehen und öffentlich in Aussendungen Protest einlegen, berichten viele Autofahrer, dass sie nun per Anwaltschreiben Strafen aus den Jahren 2013, 2014 und 2015 erhalten. „Das Seltsame ist, dass viele Mitglieder glaubwürdig berichten, seinerzeit keine Benachrichtigung über die Strafe vor Ort auf ihrer Autoscheibe gefunden zu haben, womit sie dann die Möglichkeit gehabt hätten, vor Ort ein Tagesticket zu zahlen. Diese berichten oft, sie haben die Benachrichtigung auf der Scheibe erst auf dem Foto gesehen, die der Anwalt mitgeschickt hat“, sagt Pronebner.

ÖAMTC rät: Parktickets aus Kroatien 5 Jahre lang aufheben
Unter anderem deswegen empfiehlt der ÖAMTC, die Parktickets aus Kroatien fünf Jahre lang – für den Fall der Fälle – aufzuheben. Sollten sie ebenso einen Brief von Dr. Tischler erhalten haben, dann macht es auf jeden Fall Sinn, Rechtsberatung einzuholen (zB beim ÖAMTC, dem ARBÖ, dem VKI oder der AK – je nach Mitgliedschaft). Abgesehen von der Senkung der Forderung, die der ÖAMTC oft für ÖAMTC-Mitglieder erreicht, lohnt es sich in manchen Fällen auch bei den Parkraumbewirtschaftungs-Unternehmen in Kroatien selbst anzurufen und nachzuforschen. Was nur wenige österreichische Autofahrer wissen: In Zagreb kann man dank einer Regelung der dortigen Holding den Tischler-Brief ignorieren, falls man als Strafe dem Unternehmen ein Tagesticket von 20 Euro zahlt. Es geht immerhin um eine Ersparnis von mehr als 160 Euro.

Tourismuszentrale besorgt
Weder Zrelić noch Dr. Tischler wollen uns die Frage beantworten, ob denn so eine Praxis und die Höhe der Parkforderungen nicht Kroatien als Tourismusland schadet. In der Kroatischen Tourismuszentrale in Wien bestätigt man hingegen, Beschwerden von Autofahrern bekommen zu haben. „Obwohl die Kroatische Tourismuszentrale in Österreich keine Möglichkeit hat, Einfluss auf die Preise von Parkstrafen und deren Ahndung zu haben, haben wir alles in unserer Macht stehende getan. Wir haben nicht nur das kroatische Tourismus-Ministerium, die Gemeinden und die Konzessionäre kontaktiert, sondern auch Herrn Dr. Tischler. Dabei wurde uns erläutert, dass die Besitzer von Park-Konzessionen über Dr. Tischler nur ihr Geld wollen und dass die Höhe der Parkstrafe sich aus den Kosten ihrer Dienstleistungen ergibt. Uns wurde ebenso bestätigt, dass Dr. Tischler gesetzeskonform handelt“, so der Leiter der Tourismuszentrale in Wien Ranko Vlatković.

„Österreicher sind, neben Deutschen und Slowenen, die TOP 3 Touristen in Kroatien. Sie haben letztes Jahr 7,6 Millionen Nächtigungen gehabt und besuchen Kroatien auch außerhalb der Saison. Wir hoffen, dass sich die Parkstrafen nicht darauf auswirken werden und bitten die österreichischen Fahrer aufzupassen, wo und wie sie ihr Auto stehen lassen“, so Vlatković gegenüber KOSMO.

Parkverstoss
Einige ÖAMTC-Mitglieder berichten davon, die Parkstrafe auf der Autoscheibe nicht gesehen zu habe. Die Folge: 160 Euro Forderung mehr per „Tischler-Brief“. (FOTO: zVg.)

Kroatien als europäischer Einzelfall
Und auch wenn die Tischler-Briefe, wie mehrere unserer Gesprächspartner bestätigen, gesetzeskonform sind: „Tatsache ist, dass Kroatien mit dieser Praxis, der Höhe der Kosten und der Forderungen von ausländischen Autofahrern ein Einzelfall ist“, hält die ÖAMTC-Rechtexpertin Verena Pronebner abschließend fest. Dass die Praxis dem Ansehen Kroatiens bei österreichischen Touristen bereits jetzt schon schadet und ein schlechtes Licht auf das jüngste EU-Mitglied wirft, darüber wird man wohl nicht diskutieren brauchen…