Die SPÖ steht nach einem enttäuschenden Wahlergebnis erneut vor erheblichen internen Spannungen. Bei der jüngsten Nationalratswahl erzielte die SPÖ laut Hochrechnungen lediglich 20,4 Prozent der Stimmen und landete damit deutlich hinter der ÖVP und der FPÖ auf dem dritten Platz. Dieses schwache Ergebnis markiert einen weiteren Tiefpunkt in einer Reihe von Herausforderungen, die ihren Ursprung in der Flüchtlingskrise von 2015 haben.

Ausgangspunkt: Die Flüchtlingskrise 2015
Im Jahr 2015 nahm die Flüchtlingskrise ihren Lauf und Bundeskanzler Werner Faymann geriet parteiintern zunehmend unter Druck. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Faymann, seit 2008 im Amt, relativ ungestört regieren können, abgesehen von einer Inseratenaffäre. Die Migrationsthematik spaltete die Partei jedoch tief und führte im Mai 2016 zu lauten Buhrufen während Faymanns Rede am Rathausplatz. Nur wenige Tage später trat Faymann zurück.
Strategiedebatte und neue Fronten
Hans Peter Doskozil wollte die SPÖ nach dem Vorbild der dänischen Sozialdemokraten positionieren: wirtschafts- und sozialpolitisch links, migrationspolitisch rechts. Pamela Rendi-Wagner hingegen wollte sich in der Migrationsfrage nicht klar festlegen, sondern signalisierte mit Forderungen wie einem leichteren Erwerb der Staatsbürgerschaft Sympathie für den linken Parteiflügel.

Dieser Konflikt führte letztlich zu einer Mitgliederbefragung über den Parteivorsitz. Doskozil gewann zwar, doch überraschend gut schnitt auch Andreas Babler, der Bürgermeister von Traiskirchen und Vertreter des linken Flügels, ab. In einer darauffolgenden Abstimmung der Parteifunktionäre setzte sich schließlich Babler durch.
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Ausblick bei der SPÖ: Erneute interne Debatten
Babler versuchte, die SPÖ auf einen klaren Linkskurs mit Positionen wie einer Reichensteuer und einer Vier-Tage-Woche einzuschwören. Das Migrationsthema rückte er in den Hintergrund – eine Strategie, die offenbar nicht den gewünschten Erfolg brachte, wie das Wahlergebnis nun zeigt.
Doskozil hatte für den Fall eines schwachen Wahlergebnisses bereits angekündigt, eine neue parteiinterne Debatte anstoßen zu wollen. Der nächste Streit um die Migrationspolitik scheint unvermeidlich. Die Pfiffe und Buhrufe vom Rathausplatz 2016 hallen bis heute nach und sind ein Symbol für die andauernden innerparteilichen Spaltungen der SPÖ.
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