Zwischen Pflegealltag und finanzieller Not – ein Wiener Vater steht vor dem Abgrund. Die geplante Kürzung der Mindestsicherung trifft ausgerechnet die Schwächsten.
Gerhard Komoly steht vor einem finanziellen Dilemma. Seit zehn Jahren kann der Wiener keiner regulären Beschäftigung nachgehen, da er sich rund um die Uhr um seine schwerbehinderte Tochter Hannah kümmern muss. Die mittlerweile 14-Jährige benötigt permanente Betreuung. „Sie braucht 24 Stunden Pflege, Tag und Nacht. Sie muss acht bis zehn Mal am Tag gewickelt werden“, schildert Komoly seine Situation. Als 2014 auch noch seine Frau erkrankte, verschärfte sich die Lage zusätzlich: „Da kann man sich halt nicht selbst ums Einkommen kümmern, das geht halt nicht.“
Ein Lichtblick war für ihn im vergangenen Herbst der Wechsel vom Arbeitslosengeld zur Mindestsicherung. Doch die Erleichterung währte nur kurz. Mit der angekündigten Kürzung der Mindestsicherung in Wien ab 2026 droht Komoly ein herber finanzieller Einschnitt. Die Neuregelung trifft besonders Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und ältere Personen. Für Familien verschärft sich die Situation zusätzlich, da künftig auch bei Kindern zweckgewidmete Wohnbeträge von der Mietbeihilfe abgezogen werden.
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Drastische Einbußen
Für Komoly bedeutet dies konkret einen Verlust von rund 2.300 Euro jährlich. Trotz Berufsunfähigkeitspension seiner Frau und Pflegegeld für die Tochter reicht das Geld kaum zum Leben. Im Büro des Wiener SPÖ-Sozialstadtrats Peter Hacker verweist man auf die im Bundesvergleich noch immer höheren Mindestsicherungsleistungen in Wien. Zu Einzelfällen wolle man keine Stellung nehmen.
Die Wiener Grünen sehen in Komalys Fall hingegen eine Bestätigung ihrer Befürchtungen. „Hier sieht man, dass man in Wirklichkeit bei den Allerverletzlichsten kürzt. SPÖ und NEOS zerschneiden das letzte soziale Netz. Eigentlich sollte die Mindestsicherung ja das Mindeste schützen“, kritisiert die Wien-Grünen-Vorsitzende Judith Pühringer die Maßnahmen.
Bedrohte Zielgruppen
Auch die Volkshilfe warnt vor den Folgen der Kürzungen. Johanna Reithner, Leiterin des Bereichs „Soziale Arbeit“ der Volkshilfe Wien, betont, dass Komalys Fall kein Einzelschicksal sei. „Es ist ein Leben am Limit und man muss sich diese Zielgruppe genauer anschauen. Da sind ja auch Menschen, die älter als 65 sind, es sind viele Kinder betroffen.“ Besonders besorgniserregend sei die mögliche Verschärfung der Kinderarmut. Fast 40 Prozent aller Mindestsicherungsbezieher sind Kinder, davon 9.000 Vollbezieher ohne anderweitiges Einkommen.
Für Gerhard Komoly bedeutet die Pflege seiner Tochter nicht nur einen enormen zeitlichen, sondern auch finanziellen Aufwand. Die Sparmöglichkeiten sind begrenzt: „Man kann halt nicht bei der Miete, beim Heizen oder beim Warmwasser sparen.
Lebensmittel sind das einzige, wo wir sparen könnten. Aber sonst ist es schwierig.“