Wissenschaftler haben einen Wendepunkt in Beziehungen identifiziert, der praktisch unumkehrbar ist. Laut einer gemeinsamen Untersuchung der Universitäten Bern und Mainz gibt es tatsächlich frühe Warnsignale für das Ende einer Partnerschaft.
Die Forschung bestätigt zudem ein bekanntes Muster: Beziehungen beginnen typischerweise in einer Phase intensiven Glücks, gefolgt von einem kontinuierlichen Rückgang der Zufriedenheit bis zu einem kritischen Tiefpunkt. Sobald dieser erreicht ist, wird die Rettung der Beziehung nahezu unmöglich – doch wie lässt sich dieser entscheidende Moment erkennen?
Phasen des Verfalls
Der Beziehungsverfall verläuft laut den Forschungsergebnissen in zwei distinkten Phasen. Die erste, als „präterminal“ bezeichnete Phase, ist durch wachsende Zweifel und schleichend nachlassende Partnerschaftszufriedenheit gekennzeichnet. Dieser Prozess kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Erst in der zweiten Phase wird der sogenannte „Transitionspunkt“ erreicht – jener kritische Tiefpunkt, ab dem das Ende der Beziehung nahezu unausweichlich wird.
Ab diesem Moment steigt die Unzufriedenheit beider Partner signifikant an. Die Untersuchung zeigt, dass nach Erreichen dieses Punktes alle beobachteten Paare sich innerhalb von 7 bis maximal 28 Monaten – also etwas mehr als zwei Jahren – trennten. Diese letzte Etappe wird als terminale oder Endphase bezeichnet.
Ursachen und Wahrnehmung
Mangelnde Kommunikation wurde als Hauptursache für das Erreichen dieses kritischen Punktes identifiziert. Die Studie zeigt außerdem, dass betroffene Paare entweder keine professionelle Hilfe suchen oder erst dann Unterstützung in Anspruch nehmen, wenn der Tiefpunkt bereits überschritten ist. Bemerkenswert ist zudem, dass Partner die Endphase ihrer Beziehung oft sehr unterschiedlich wahrnehmen – der kritische Wendepunkt wird von beiden Seiten häufig zu verschiedenen Zeitpunkten erlebt.
„Es ist wichtig, dass wir diese Muster erkennen. Wenn sich die Partner in der präterminalen Phase befinden, noch bevor es steil bergab geht, können Bemühungen zur Verbesserung der Beziehung effektiver sein und eine Trennung kann vielleicht verhindert werden“, erklärt Prof. Dr. Janina Bühler, Psychologin und Paartherapeutin sowie Miterstellerin der Studie. Offene, ehrliche Kommunikation sei daher in jeder Beziehungsphase essenziell, ebenso wie Gelassenheit und Selbstreflexion.
Umfassende Datenanalyse
Für die Untersuchung werteten die Forscher vier repräsentative Studien aus Deutschland, Australien, Großbritannien und den Niederlanden aus. Die Datenerhebungen erstreckten sich teilweise über bis zu zwölf Jahre und verglichen die Ergebnisse mit Paaren, deren Beziehungen intakt blieben.
Jede Partnerschaft durchläuft verschiedene Entwicklungsstadien – von anfänglicher Verliebtheit über Phasen der Ernüchterung und Veränderung bis hin zum Gefühl von Sicherheit. Zwischen diesen Etappen entstehen immer wieder Konfliktsituationen, die zu Auseinandersetzungen führen können.
In solchen Momenten stellen sich viele die bange Frage: Ist das bereits das Ende? Steht meine Beziehung vor dem Aus?
Rechtzeitige Intervention entscheidend
Interessant ist: In Österreich nimmt die Nachfrage nach Paartherapie seit 2024 spürbar zu, jedoch berichten viele Beratungsstellen, dass Paare meist erst dann professionelle Unterstützung suchen, wenn ihre Beziehung bereits in einer fortgeschrittenen Krisenphase steckt. Damit bestätigen Praktiker genau jenes Muster, das auch die Studie identifiziert hat.
Paartherapeuten empfehlen vor allem gezielte Kommunikationstrainings und regelmäßige Reflexionsgespräche als wirksame Interventionen in der präterminalen Phase. Diese Methoden können die Beziehungszufriedenheit nachhaltig stärken, bevor der kritische Wendepunkt erreicht wird. Besonders bemerkenswert: Laut aktuellen Umfragen unter Therapeut:innen im deutschsprachigen Raum liegt die Erfolgsquote präventiver Maßnahmen bei bis zu 60 Prozent, wenn Unterstützung frühzeitig in Anspruch genommen wird.