Home Aktuelles
Mobilitätsstudie

Studie enthüllt: Wo U-Bahnen fahren, bleiben Autos stehen

ubahn
Foto: iStock

Städte mit U-Bahn-Netz haben deutlich weniger Autoverkehr als jene ohne Schieneninfrastruktur. Wien punktet mit nur 25 Prozent Autoanteil – ein österreichweiter Bestwert.

Eine aktuelle Studie des Complexity Science Hub Wien unter der Leitung von Rafael Prieto-Curiel, publiziert im Fachjournal Nature Cities, hat die Mobilitätsmuster in rund 400 europäischen Städten untersucht. Die Wissenschaftler analysierten dabei, wie sich die täglichen Fortbewegungsarten der Stadtbewohner auf drei Kategorien verteilen: aktive Mobilität (Gehen, Radfahren), öffentliche Verkehrsmittel (U-Bahn, Straßenbahn, Bus) und individuelle motorisierte Fortbewegung (Auto, Motorrad, Taxi, Fahrdienste).

Die Datenauswertung zeigt klare Zusammenhänge: In Städten mit U-Bahn-Systemen liegt der Anteil der Autofahrten durchschnittlich bei 36 Prozent. Städte, die nur über Straßenbahnen verfügen, weisen bereits einen Autoanteil von 50 Prozent auf. In Kommunen ohne Schieneninfrastruktur steigt dieser Wert auf 54 Prozent. Besonders markant zeigt sich dieser Effekt in Großstädten mit mehr als 750.000 Einwohnern, die keine U-Bahn besitzen – dort nimmt der Autoverkehr signifikant zu.

⇢ Nach 125 Jahren: Paris schmeißt Metro-Papiertickets – folgt Wien?

Wiener Sonderstellung

Wien nimmt als einzige österreichische Stadt mit U-Bahn-Netz eine Sonderstellung ein. Hier werden etwa 34 Prozent aller täglichen Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, während der Autoanteil bei lediglich 25 Prozent liegt – der niedrigste Wert landesweit. Laut Wiener Linien nutzen 2024 rund 1,3 Millionen Menschen eine Dauerkarte für den öffentlichen Nahverkehr.

Prieto-Curiel verdeutlicht im ORF-Gespräch die Dimension: “Bei einer Stadt mit einer Million Einwohnern fallen mit U-Bahn etwa 370 Millionen Autofahrten jährlich an. Eine vergleichbare Stadt mit Straßenbahn, aber ohne U-Bahn, verzeichnet hingegen 700 Millionen – fast das Doppelte.”

Der Forscher würdigt Wiens “ausgezeichnetes öffentliches Verkehrsnetz”, sieht jedoch weiteres Verbesserungspotenzial: mehr Grünflächen, weniger Parkplätze, Reduzierung von Asphaltflächen und fußgängerfreundlichere Gestaltung des öffentlichen Raums, einschließlich längerer Ampelphasen für Fußgänger.

Österreichische Vergleiche

Innsbruck führt österreichweit die Statistik bei aktiver Mobilität an – 52 Prozent aller Alltagswege werden dort zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die höchsten Anteile an Autonutzung verzeichnen dagegen Feldkirch mit 57 Prozent und St. Pölten mit 56 Prozent.

Obwohl Straßenbahnen häufig als kostengünstigere Alternative zu U-Bahnen betrachtet werden, belegt die Analyse laut Prieto-Curiel, dass sie nicht denselben verkehrsreduzierenden Effekt erzielen. Gründe hierfür seien vor allem die geringere Geschwindigkeit und Kapazität der Straßenbahnen.

“Die Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass leistungsstarke öffentliche Verkehrssysteme einen entscheidenden Faktor für nachhaltige städtische Mobilität darstellen”, resümiert Prieto-Curiel.

Investitionen in U-Bahn-Systeme können langfristig die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs – darunter Luftverschmutzung, Bodenversiegelung und gesundheitliche Belastungen – erheblich reduzieren.