Serbien bekommt eine Universität, die Staat und Kirche gemeinsam tragen – mitten in einer politisch aufgeheizten Zeit.
Vor dem Hintergrund monatelanger Studentenproteste haben die serbische Regierung und die orthodoxe Kirche die Gründung einer gemeinsamen Universität bekanntgegeben. Man reagiere damit auf die „Notwendigkeit einer ständigen Verbesserung des Bildungssystems“, erklärte die Belgrader Regierung laut örtlichen Medien.
Gemeinsame Universität
Wie aus den Berichten weiter hervorgeht, unterzeichneten das Kabinett von Staatspräsident Aleksandar Vucic und die serbisch-orthodoxe Kirchenführung in Belgrad eine entsprechende Absichtserklärung. Darin bekennen sich beide Seiten zu einer „gemeinsamen Verantwortung“, die neben der Wissensvermittlung auch den „Schutz grundlegender Werte“ sowie die Förderung des „kulturellen und geistlichen Erbes“ Serbiens umfasse. Die neue Hochschule soll nach Angaben von Kathpress nach dem serbischen Nationalheiligen Sava benannt werden.
Kirche unter Druck
Die orthodoxe Kirche repräsentiert mit einem Anteil von rund 85 Prozent die mit Abstand größte Glaubensgemeinschaft des Landes. In den vergangenen Monaten geriet die Kirchenführung im Zusammenhang mit den anhaltenden Studentenprotesten zunehmend in den öffentlichen Fokus.
Die protestierenden Studenten verlangen unter anderem ein konsequentes Vorgehen gegen Korruption sowie die Ausschreibung vorgezogener Parlamentswahlen. Die Proteste begannen am 25. November 2024 mit der Besetzung einer Fakultät in Novi Sad. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad am 1. November 2024.