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DREI OPFER

Terror in Wien: Was war das Motiv?

Aus ermittlungstechnischen Gründen wollte man bisher keine Details über den Täter, etwa dessen Alter oder Herkunft, bekannt geben. Nach dem neuesten Stand soll es sich aber um einen IS-Sympathisanten gehandelt haben.

Nach dem Terroranschlag am Montagabend in Wien, hatte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer Pressekonferenz Dienstagfrüh eine erste Bilanz gezogen. Er rief die Bevölkerung dazu auf, daheim zu bleiben. Seine Gedanken seien bei den Opfern und deren Angehörigen. Drei Todesopfer – zwei Männer und eine Frau – sind dem Attentäter zum Opfer gefallen. Der vierte Tote ist ein Attentäter, der mittlerweile identifiziert wurde. Es sei ein Anschlag von mindestens einem Islamisten gewesen. Mehrere Personen seien festgenommen worden, hieß es.

„Situation hat es noch nie in Österreich gegeben“
So eine Situation habe er in Österreich noch nie erlebt, so Nehammer. Es sei ein völlig untauglicher Versuch, „unsere demokratische Gesellschaft zu schwächen“, gewesen. „Das lassen wir uns auf keinen Fall und auf keine Weise von wem auch immer gefallen“, so Nehammer. Der Täter habe einen Sprengstoffgürtel gehabt, der sich als Attrappe herausgestellt habe, und ein Sturmgewehr. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen. Der Täter sei IS-Sympathisant gewesen. In seinem Umfeld werde ermittelt.

Details, etwa zu dessen Alter oder Herkunft, könne man aus ermittlungstechnischen Gründen nicht nennen. Daher gab es vorerst keine Informationen zur Nationalität des getöteten Angreifers, ob dieser etwa in Wien gemeldet oder angereist war oder ob er Familie hier hatte. Die Polizeivertreter sagten auch nichts dazu, ob er bisher in Richtung IS-Sympathie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Man könne nicht ausschließen, dass es weitere Täter gegeben habe, so Nehammer in der Früh.

Tat auf Instagram angekündigt?
In Sozialen Netzwerken folgten schnell Spekulationen über einen dschihadistischen Hintergrund. Das US-Unternehmen SITE , das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisiert ist, zitierte auf seiner Seite einen Dschihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag in Wien: „Dschihadist sagt, der Angriff in Wien ist ‚Teil der Rechnung‘ für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition“, heißt es dort in einem Satz. Beigestellt ist ein Bild aus der Wiener Innenstadt.

Die deutsche „Bild“-Zeitung berichtete – mit einem verpixelten Foto –, dass der wahrscheinliche Haupttäter ein IS-Anhänger sei. Er habe die Tat am Montag auf Instagram angekündigt. Das könne man vorerst nicht bestätigen, so Innenministeriumssprecher Sörös.

Unklar ist nach wie vor auch, inwieweit der Stadttempel und die Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) ein Anschlagsziel waren. Die Synagoge wie die Bürogebäude seien nicht mehr in Betrieb gewesen, so IKG-Präsident Oskar Deutsch auf Twitter. Es könne jedenfalls nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele gewesen sei.

Mehrere Personen festgenommen
Sieben Polizisten sollen laut eigenen Angaben im Zuge der Terrorattacke vom Montagabend von ihrer Dienstwaffe Gebrauch gemacht haben. Der Täter sei schließlich um 20:09 Uhr „neutralisiert“ worden, so Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Nehammer in der Früh. Die Wohnung des Täters wurde laut dem Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, gewaltsam mit Sprengstoff geöffnet und durchsucht.

Die Frage, ob es sich bei dem Knall, den Zeugen in der Nacht in Simmering wahrgenommen hatten, um diese Wohnungsöffnung gehandelt haben könnte, wurde vom Innenminister nicht vernein. Ebenso wenig gab es Informationen dazu, ob bei der Hausdurchsuchung an seiner Wohnadresse weitere Menschen angetroffen wurden oder andere Personen dort gemeldet waren.

Das Innenministerium bestätigte in der Früh mehrere Hausdurchsuchungen „im Umfeld des Täters“. Es seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es aus dem Innenministerium nach der Pressekonferenz. Derzeit würden noch Ermittlungen laufen, ob es weitere Täter gibt, sagte der Minister bei der Pressekonferenz.

Suche nach weiteren Tätern läuft
Seit den Abendstunden läuft eine Großfahndung nach weiteren Tätern. Laut Pürstl wurde am Montag nach 20.00 Uhr per Notruf gemeldet, dass ein Mann mit einer Schrotflinte schieße.

Daraufhin wurden die Einsatzkräfte Richtung Seitenstettengasse nahe der Synagoge beordert. Dort kam es zu einem Schusswechsel, „bei dem ein Kollege schwer verletzt wurde“, berichtete Pürstl. Ein Passant verstarb unmittelbar nach der Tat an seinen Verletzungen, eine Frau erlag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Ein weiterer Passant starb ebenfalls. Die Vorfälle seien aber noch nicht „differenziert aufgearbeitet“, so Pürstl. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde der mutmaßliche Täter getötet.

Kurz: Anschlag „sehr professionell vorbereitet“
Ob die nahe gelegene Synagoge Ziel des Angriffs war, lässt sich laut einer Sprecherin des Innenministeriums noch nicht bestätigen. Ein antisemitischer Anschlag könne aber nicht ausgeschlossen werden, so Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Kurz rief die Bevölkerung auf, sich über die aktuelle Sicherheitslage zu informieren. Es handle sich „definitiv“ um einen Terroranschlag. Dieser sei „sehr professionell“ vorbereitet worden. Nach dem Anschlag in Wien wurde auch das Bundesheer aktiviert. Das Militär übernimmt sämtlichen Objektschutz in der Bundeshauptstadt. Teile des Jagdkommandos stehen zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung zur Verfügung, hieß es Montagabend aus dem Bundeskanzleramt.

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