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Affiliateskandal

Tochter von Microsoft-Gründer Bill Gates: Drohen Phoebe Gates bis zu 20 Jahre Haft?

Tochter von Microsoft-Gründer Bill Gates: Drohen Phoebe Gates bis zu 20 Jahre Haft?
Foto: epa/JUSTIN LANE
3 Min. Lesezeit |

Bill Gates‘ Tochter, ein Shopping-Start-up und ein Vorwurf, der strafrechtliche Dimensionen annehmen könnte.

Phoebe Gates, die 23-jährige Tochter des Microsoft-Gründers Bill Gates, steht im Mittelpunkt einer handfesten Unternehmenskontroverse. Interne Nachrichten legen nahe, dass sie möglicherweise von einer Praxis gewusst hat, durch die ihr Start-up Phia sich Verkaufserfolge zuschrieb, an denen es keinen tatsächlichen Anteil hatte.

Phia tritt am Markt als persönlicher Shopping-Assistent auf – konkret als Browser-Erweiterung, die Nutzerinnen und Nutzern dabei helfen soll, günstigere Angebote für Kleidung und Modeaccessoires zu finden. Das Geschäftsmodell dahinter ist klassisches Affiliate-Marketing: Kauft jemand über das System bei einem Partnerhändler ein, erhält Phia eine Provision. Genau dieses Modell steht nun unter Verdacht.

Cookie-Stuffing-Vorwürfe

Im Kern der Vorwürfe steht eine Technik namens „Cookie Stuffing“. Dabei soll die Browser-Erweiterung automatisch einen Hintergrund-Tab geöffnet und ein eigenes Tracking-Cookie gesetzt haben – selbst dann, wenn ein Nutzer bereits dabei war, einen Kauf abzuschließen, der durch einen anderen, legitimen Affiliate-Partner angebahnt worden war. Das Ergebnis: Phia hätte sich die Provision für einen Verkauf gesichert, zu dem das Unternehmen faktisch nichts beigetragen hatte.

Besonders brisant sind nun interne Kommunikationsprotokolle, die Fragen über das Wissen auf Führungsebene aufwerfen. In einer Nachricht vom 18. Dezember des Vorjahres soll Phoebe Gates selbst gefragt haben, ob das automatische Cookie-Setzen auf allen Coupon-Websites aktiv sei, um dem Unternehmen Einnahmen aus dem Gesamtumsatz zu sichern. Mitgründerin Sophia Kiani soll unterdessen die Fortsetzung dieser Praxis befürwortet haben – obwohl ein Ingenieur intern gewarnt hatte, dass das automatische Setzen von Cookies gegen Compliance-Vorgaben verstoßen könnte.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nachdem die umstrittene Funktion deaktiviert wurde, brach der durchschnittliche Tagesumsatz von Phia von rund 80.000 Dollar auf einen Wert zwischen 10.000 und 28.000 Dollar ein. Schätzungen zufolge entfielen allein im Juni rund 51 Prozent aller von Phia beanspruchten Verkäufe auf „Cookie Stuffing“.

Reaktion des Unternehmens

Phia hat nach eigenen Angaben einen Fehler in seinem Code behoben, der zu Fehlzuordnungen bei Umsätzen führte, und erklärte, dass man regelmäßig geprüft werde. Das Unternehmen bezeichnete die Problematik als technischen Fehler, der korrigiert worden sei.

Rechtliche Dimension

Die rechtliche Dimension des Falls verleiht der Angelegenheit zusätzliche Schwere. Unternehmensanwältin Ariel Givner weist darauf hin, dass eine solche Praxis in den Vereinigten Staaten als Bundesbetrug im elektronischen Bereich eingestuft werden kann. Die gesetzlich vorgesehene Höchststrafe liegt bei bis zu 20 Jahren Haft, zuzüglich Geldstrafen und Schadenersatzforderungen. Festzuhalten ist dabei ausdrücklich: Gegen Phoebe Gates wurde bislang keine Anklage erhoben, und es gibt keine Bestätigung, dass ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Dass „Cookie Stuffing“ keine bloß theoretische Rechtsfrage ist, zeigt ein Präzedenzfall aus der Vergangenheit. Shawn Hogan, der ein großes eBay-Affiliate-Programm betrieb, wurde 2008 wegen Betrugs im Zusammenhang mit einer vergleichbaren Praxis verklagt. 2014 folgte die Verurteilung zu fünf Monaten Haft – das Gericht stellte fest, dass er eBay um geschätzte 28 Millionen Dollar an Marketinggebühren geprellt hatte.

Dieser Vergleich gewinnt im Fall Phia noch eine zusätzliche Dimension: eBay war finanziell mit Phia verbunden – ausgerechnet jenes Unternehmen also, das einst selbst Opfer einer ähnlichen Praxis geworden war. Die selbständige Journalistin Liz Morton machte auf diese Verbindung aufmerksam und deutete an, dass auch Etsy rechtliche Schritte in Betracht ziehen könnte.

Mehrere Affiliate-Partner haben die Zusammenarbeit mit Phia bereits beendet, nachdem die Vorwürfe öffentlich geworden waren.

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KO KOSMO-Redaktion
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