Ein Überholmanöver, ein Tritt aufs Gaspedal – und plötzlich wird die Landstraße zur Bühne für ein gefährliches Ego-Duell.
Wer kennt das nicht: Man setzt zum Überholen an, zieht auf die Gegenfahrbahn – und plötzlich zieht das Fahrzeug vor einem davon, als ginge es um die Weltmeisterschaft. Was wie eine harmlose Eigenheit wirkt, hat aus psychologischer Sicht einen klaren Hintergrund: verletzter Stolz. Überholt zu werden, empfinden manche Lenker unbewusst als persönliche Kränkung – als würde das Manöver des anderen bedeuten, dass man selbst zu langsam, zu zögerlich, zu schwach ist.
Der Wettbewerbsreflex setzt ein, das Gaspedal wird durchgedrückt. Doch so verständlich dieser Impuls psychologisch sein mag – gefährlich ist er allemal. Besonders dann, wenn das überholende Fahrzeug schwächer motorisiert ist und das Manöver ohnehin schon knapp kalkuliert wurde.
Kontrollverlust am Steuer
Eine unübersichtliche Kurve, ein entgegenkommendes Auto, ein Moment der Unaufmerksamkeit – und aus einem Ego-Duell auf der Landstraße wird ein ernsthafter Unfall. Psychologen beschreiben in diesem Zusammenhang auch das Bedürfnis nach Kontrolle: Wer überholt wird, verliert kurzzeitig die gefühlte Dominanz über die eigene Fahrsituation.
Das Beschleunigen ist dann kein bewusster Entschluss, sondern eine Reaktion – der Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Dabei steigt das Risiko für alle Beteiligten erheblich – ein Umstand, den man in diesem Moment ausblendet.
Erhöhtes Unfallrisiko
Die Psychologie ist eindeutig: Wer während eines Überholmanövers beschleunigt, verlängert die Zeit, die das überholende Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn verbringt – und erhöht damit das Unfallrisiko erheblich.
Die Straße ist schlicht kein Ort, um Stärke zu demonstrieren oder Ego-Konflikte auszutragen.