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Doppeltes Spiel

Um Tourismus anzukurbeln – Iran lockt mit günstigen Trans-Operationen

Um Tourismus anzukurbeln – Iran lockt mit günstigen Trans-Operationen
FOTO: iStock/Glen_Pearson/gorodenkoff
3 Min. Lesezeit |

Hinter der Fassade eines medizinischen Vorreiters verbirgt sich ein düsteres Doppelspiel: Der Iran lockt ausländische Transpersonen mit günstigen Operationen, während im eigenen Land Zwang und Repression herrschen.

Der Iran präsentiert sich weltweit als führendes Zentrum für geschlechtsangleichende Operationen und versucht, diese Position nun gezielt für den Medizintourismus zu nutzen. Während ausländische Transpersonen mit kostengünstigen Eingriffen umworben werden, gestaltet sich die Situation für die LGBTQ-Community im Land selbst wesentlich problematischer.

Seit vier Jahrzehnten führt der Iran mehr geschlechtsangleichende Operationen durch als viele andere Staaten. Der Hintergrund ist jedoch beunruhigend: Homosexuelle und geschlechtlich nonkonforme Personen werden häufig unter Druck gesetzt, sich solchen Eingriffen zu unterziehen – andernfalls drohen ihnen schwerwiegende Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Obwohl der Iran zu den wenigen muslimisch geprägten Ländern zählt, die Transpersonen geschlechtsangleichende Behandlungen gestatten, verdeckt dies die problematische Praxis hinter diesen Operationen. Die Lage für die meisten LGBTQ-Personen im Land bleibt prekär: Homosexuellen drohen öffentliche Auspeitschungen oder sogar die Hinrichtung. Der UN-Menschenrechtsrat dokumentierte, dass zahlreiche homosexuelle Iranerinnen und Iraner, die nicht transgeschlechtlich sind, zu geschlechtsangleichenden Operationen ohne ihre Einwilligung gedrängt werden.

Lukrativer Medizintourismus

Angesichts einer durch Kriegsfolgen geschwächten Wirtschaft wirbt das Land nun international mit seiner medizinischen Expertise. Wie die New York Times berichtet, sollen Transpersonen aus dem Ausland mit günstigen Operationspreisen, luxuriösen Hotelaufenthalten und touristischen Angeboten angelockt werden.

Laut staatlichen Medien strebt die iranische Regierung an, jährlich mehr als 7 Milliarden Dollar durch Medizintourismus zu erwirtschaften. In der Folge entstehen immer mehr Unternehmen in diesem Sektor: Sie betreiben englischsprachige Hochglanz-Websites, die neben Nasenoperationen und Haartransplantationen auch geschlechtsangleichende Eingriffe anpreisen. „Wir kümmern uns um alles von Anfang bis Ende und bieten die besten medizinischen Dienstleistungen für ein stressfreies Erlebnis“, erklärt Farideh Najafi, die zwei Unternehmen für Medizintourismus, MabnaTrip und MedPalTrip, leitet.

Die günstigen Preise ziehen dennoch viele Transpersonen aus dem Ausland an. Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten stammt allerdings aus Nachbarländern wie dem Irak, wo derartige Behandlungen verboten sind.

Kritische Stimmen

Tourismusmanagerin Najafi gibt zu, dass einige ausländische Patienten Bedenken hinsichtlich möglicher Repressionen haben. Sie betont jedoch, dass ihre Kundschaft „nie Sicherheitsprobleme“ erlebt habe. Allerdings sind geschlechtsangleichende Operationen komplexe Eingriffe mit erheblichen Risiken. Zudem genießt der Iran keinen guten Ruf bezüglich Sicherheitsstandards und Nachsorge. Manche Aktivistinnen und Aktivisten vergleichen iranische Kliniken mit „Schlachthäusern“, und ein UN-Bericht aus dem Jahr 2015 dokumentierte zahlreiche fehlgeschlagene Eingriffe.

„Das Ziel dieser medizinischen Touren ist wohl, Iran als Paradies für Transmenschen darzustellen – was es nicht ist“, kritisiert Saman Arastu, ein transgeschlechtlicher iranischer Schauspieler.

„Meiner Meinung nach ist das alles nur eine Show. Die Situation für trans Menschen ist katastrophal.“

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KO KOSMO-Redaktion
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