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Verbietet die EU jetzt „Veggie-Burger“?

(FOTO: iStockphoto)

Veggie-Gerichte sind in aller Munde. Das stößt nicht nur Fleischproduzenten, sondern auch den EU-Parlamentariern sauer auf. Am Mittwoch will das EU-Parlament darüber abstimmen, ob Veggie-Burger, -Schnitzel und Co. auch zukünftig noch existieren dürfen.

Ist ein Burger ohne Fleisch immer noch ein „Burger“? Darüber möchte die EU noch diese Woche entscheiden. Konkret geht es darum, ob Begriffe wie „Burger“ oder „Wurst“ weiter für vegetarische Lebensmittel verwendet werden dürfen oder nicht. Groß unterstützt wird das Vorhaben von der Fleischlobby in der EU. Und auch anderen vegetarischen Produkten könnte es an den Kragen gehen.

Wirbel um Fleischersatz
Im Hintergrund der Debatte wird der Kampf von großen Lobbys auf beiden Seiten ausgefochten. So schreibt etwa COPA-COGECA, der Zusammenschluss der zwei größten Interessenvertreter der europäischen Landwirtschaft, zuletzt in einer Aussendung vom „Kapern kultureller Errungenschaften“ und führt als Hauptargument die „Irreführung von Kunden“ an. Auch die Wirtschaftskammer meldete sich am Dienstag zu Wort und schrieb von „Konsumententäuschung und Wettbewerbsverzerrung“.

Auf der anderen Seite nennt die Lobby der „Veggie“-Befürworter, hinter der Lebensmittelgiganten wie Unilever und Nestlé stehen, die Vorwürfe „lächerlich“. Auch NGOs, heimische Lebensmittelhersteller und der Dachverband der europäischen Konsumentenschützer üben Kritik: Felix Hnat von der Veganen Gesellschaft dazu: „Es gibt in Österreich laut VKI keinen einzigen dokumentierten Fall, dass jemand unabsichtlich ein vegetarisches Produkt gekauft hat. Das Gesetz ist völlig sinnlos. Es sorgt nur für Verwirrung, wenn dann am vegetarischen Burger-Patty plötzlich ,Bratscheibe‘ steht.“ EU-Bürger seien mündig genug. Es glaube ja auch niemand, dass in einer Fleischtomate Fleisch steckt.

Aus für „Veggie-Burger“, „Seitanschnitzel“ und „Sojawurst“? Das sagt Österreich
Die österreichischen EU-Abgeordneten zeigen sich bei dem Thema ebenso gespalten wie Handel und Landwirtschaft. ÖVP-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer begrüßt etwa eine Namensänderung: „Milch ist Milch und Fleisch ist Fleisch. Ein Hirse-, Soja- oder Mandel-Getränk ist keine Milch und Soja- und Seitan- und andere sogenannte ‚Schnitzel‘ sind kein Fleisch“, so die Mandatarin. Auch sie spricht davon, dass dadurch “vorsätzlich Verwirrung” unter den Kunden gestiftet würde.

Auf der anderen Seite sind SPÖ, Grüne und NEOS dagegen. Für Günther Sidl (SPÖ) sei es „selbstverständlich“, dass „Veggie-Burger als Burger“ bezeichnet werden dürften. Auch für die Grünen sind „Bezeichnungen wie Veggie-Burger klar und deutlich genug“, um sie von Fleischprodukten abgrenzen zu können. NEOS-Abgeordnete Claudia Gamon hält den Konsumenten ebenfalls für „schlau genug, zwischen einem Veggie-Burger und einem Fleisch-Burger zu unterscheiden“.

Schläuche und Disks?
Unklar ist allerdings noch, wie die Veggie-Burger, -Schnitzerl und -Würstel künftig heißen könnten, wenn sich die EU für ein Verbot der bisherigen Namen entscheidet. Das weiß noch niemand. Bleibt zu hoffen, dass es im Falle des Falles etwas ansprechendere Bezeichnungen werden, als jene die der „Guardian“ im vergangenen Jahr zur Diskussion gestellt hatte: „Schlauch“ statt Wurst und „Scheibe“ statt Burger Patty.