Belgrad, Jerusalem, Geschichte: Die Großeltern von Theodor Herzl kehren nach Jahrzehnten zu ihrem Enkel zurück.
Jahrzehntelang lagen Shimon Leib und Rivka Herzl, die väterlichen Großeltern des Begründers des modernen politischen Zionismus, auf dem jüdischen Friedhof in Zemun, einem Stadtteil Belgrads, begraben. Damit ist es nun vorbei: Am Mittwoch, dem 29. Juli 2026, wurden ihre sterblichen Überreste exhumiert und sollen in den kommenden Tagen nach Israel gebracht werden, um dort auf dem Herzlberg in Jerusalem an der Seite ihres Enkels ihre letzte Ruhestätte zu finden.
Der Überführung gingen mehrjährige diplomatische und organisatorische Vorbereitungen voraus. Sowohl die serbischen Rechtsvorschriften als auch die religiösen Gebote des Judentums wurden dabei eingehalten. Bei der Exhumierung zugegen waren Vertreter der World Zionist Organization, des israelischen Außenministeriums sowie der Hilfsorganisation ZAKA. Anschließend wurden die sterblichen Überreste in eigens angefertigte Särge gebettet, die nun für den Transport nach Israel bereitstehen.
Zeremonie in Jerusalem
Die feierliche Wiederbestattung ist für den 5. August 2026 geplant – ein Datum, das im jüdischen Kalender dem 77. Jahrestag der Überführung Theodor Herzls nach Jerusalem entspricht. An der staatlichen Zeremonie werden voraussichtlich Israels Präsident Isaac Herzog und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu teilnehmen. Theodor Herzl starb 1904 im Alter von 44 Jahren an einer Herzerkrankung. Zunächst in Wien beigesetzt, wurden seine sterblichen Überreste 1949 entsprechend seinem ausdrücklichen Wunsch nach Israel überführt und auf dem seither nach ihm benannten Herzlberg in Jerusalem bestattet.
Mit Wien war Herzl eng verbunden: Seit seiner Jugend lebte er in der österreichischen Hauptstadt, studierte dort Rechtswissenschaften und arbeitete später als Journalist. 1897 rief er in Basel den ersten Zionistenkongress ins Leben und gründete die Zionistische Organisation, aus der die heutige World Zionist Organization hervorging.
Herzls Wurzeln
Herzls Großvater Shimon Leib genoss hohes Ansehen in der jüdischen Gemeinde Zemuns. Er pflegte enge Verbindungen zu Rabbiner Yehuda Alkalai, der bereits Jahrzehnte vor Herzl die Rückkehr der Juden nach Palästina und die Errichtung einer jüdischen Heimstätte propagierte. Darüber hinaus bekleidete Shimon Leib religiöse Ehrenämter in der örtlichen Synagoge.
Nach Einschätzung der World Zionist Organization übten er und Rivka Herzl maßgeblichen Einfluss auf die Erziehung ihres Enkels und die Herausbildung seiner politischen Gedankenwelt aus. Auf dem Herzlberg sind bereits zahlreiche Mitglieder der Familie begraben, darunter Herzls Eltern, seine Schwester Pauline, zwei seiner Kinder und sein einziger Enkel. Nicht unter ihnen befindet sich seine Tochter Trude, die im Ghetto Theresienstadt dem Holocaust zum Opfer fiel.
Wo sie begraben liegt, ist bis heute nicht bekannt.