Am Sonntag, 25. Oktober, findet die Wahl in Serbien statt. 6.450.523 Wahlberechtigte bestimmen ein neues Parlament. Es ist die erste Parlamentswahl seit dem Einsturz am Bahnhof von Novi Sad, der fast zwei Jahre Proteste auslöste. Auch in Österreich sind 10.484 Menschen zur Wahl registriert, 2023 waren es knapp 4.000. KOSMO erklärt, worum es geht, welche Ausgänge möglich sind und wie die Stimmabgabe in Wien, Linz und Salzburg funktioniert.
Darum geht es bei der Wahl in Serbien
Gewählt werden alle 250 Abgeordneten der Nationalversammlung. Für eine Regierung braucht eine Liste oder Koalition mindestens 126 Sitze. Ganz Serbien bildet einen einzigen Wahlkreis, die Hürde liegt bei drei Prozent. Listen nationaler Minderheiten sind davon ausgenommen. Insgesamt treten 18 Listen mit 2.418 Kandidatinnen und Kandidaten an, neun davon vertreten Minderheiten. Es ist die 15. Parlamentswahl seit Einführung des Mehrparteiensystems und die elfte vorgezogene.
Quelle: Republička izborna komisija (RIK), Stand 22.10.2026. Der Regler erklärt die Mehrheitsregel und ist keine Prognose.
Wie es zur vorgezogenen Wahl kam
Am 1. November 2024 stürzte am Bahnhof von Novi Sad ein Vordach ein, 16 Menschen starben. Daraus entstand eine Protestbewegung, die vor allem Studierende tragen und die seit fast zwei Jahren anhält. Am 9. September 2026 löste Präsident Aleksandar Vučić das Parlament auf und rief Neuwahlen aus. Regulär wäre erst 2027 gewählt worden. Am 27. September trat Vučić als Präsident zurück, um selbst als Spitzenkandidat anzutreten. Seitdem führt Ana Brnabić, die bisherige Parlamentspräsidentin, die Amtsgeschäfte.
- 1. November 2024Am Bahnhof von Novi Sad stürzt ein Vordach ein, 16 Menschen sterben. Danach beginnen Proteste, vor allem getragen von Studierenden.
- 9. September 2026Präsident Aleksandar Vučić löst das Parlament auf und ruft Neuwahlen aus.
- 27. September 2026Vučić tritt als Präsident zurück. Ana Brnabić führt die Amtsgeschäfte.
- 3. Oktober 2026Anmeldeschluss für die Wahl im Ausland.
- 23. Oktober 2026, 0 UhrDie Wahlstille beginnt. Sie dauert bis Sonntag, 20 Uhr.
- 25. Oktober 2026Wahltag. Die Wahllokale sind von 7 bis 20 Uhr geöffnet, auch in Österreich.
- 26. Oktober 2026Die internationalen Wahlbeobachter stellen in Belgrad ihre erste Einschätzung vor.
- Bis Ende Dezember 2026Präsidentenwahl, weil Vučić vorzeitig zurückgetreten ist.
Quellen: RIK, BIRN, N1, Index.hr, Botschaft der Republik Serbien in Wien. Stand 23.10.2026
Die Liste von Aleksandar Vučić
Die Regierungspartei SNS tritt als Liste „Aleksandar Vučić, Ujedinjena Srbija“ (Vereinigtes Serbien) an. Vučić will Ministerpräsident werden, ein Amt, das er schon von 2014 bis 2017 innehatte. Er wirbt mit der wirtschaftlichen Entwicklung seiner Amtszeit und verspricht steigende Löhne und Pensionen. Außerdem kündigte er eine Regierung mit nur zwölf Ministerien an. Die Protestbewegung sieht er als Versuch, das Land zu destabilisieren, und wirft ausländischen Akteuren vor, sie zu finanzieren. Die Studentenliste weist das zurück. [UNVERIFIZIERT: 2. Quelle]
Die Liste der Studierenden
Erstmals tritt die Liste „Studentska lista, Studenti pobeđuju“ (Studenten gewinnen) an. Sie ging aus der Protestbewegung hervor. An der Spitze steht der Kardiologe Ilija Srdanović, Professor an der Medizinischen Fakultät in Novi Sad. Auf den 250 Listenplätzen stehen unter anderem Universitätslehrende, Ärztinnen und Ärzte sowie Kulturschaffende. Ihr Programm umfasst elf Punkte, darunter Korruptionsbekämpfung, eine unabhängige Justiz, freie Medien sowie Bildung und Gesundheit. Zu EU-Kurs und Kosovo legt sich das Programm nicht fest. Aus der Liste kamen dazu unterschiedliche Aussagen.
Aleksandar Vučić, Ujedinjena SrbijaVereinigtes Serbien
- Spitzenkandidat
- Aleksandar Vučić
- Hintergrund
- Präsident von 2017 bis September 2026, will Ministerpräsident werden
- Herkunft
- Regierungspartei SNS, an der Macht seit 2012
- Schwerpunkte
- Höhere Löhne und Pensionen
- Regierung mit zwölf Ministerien
- Wirtschaftlichen Kurs fortsetzen
Studentska lista, Studenti pobeđujuStudenten gewinnen
- Spitzenkandidat
- Ilija Srdanović
- Hintergrund
- Kardiologe, Professor an der Medizinischen Fakultät in Novi Sad
- Herkunft
- Protestbewegung seit November 2024
- Schwerpunkte
- Korruptionsbekämpfung
- Unabhängige Justiz und freie Medien
- Bildung und Gesundheit
Reihenfolge alphabetisch nach Listenname. Insgesamt treten 18 Listen an, neun davon von Minderheiten.
Quellen: Aussagen und Programme der Listen, BIRN, Vreme, ORF, 021.rs. Stand 23.10.2026
Ein Wahlkampf unter Beobachtung
Die Wahlbeobachter der OSZE (ODIHR) beschreiben ein stark polarisiertes Umfeld. Kritisch sehen sie Druck auf Wählerinnen und Wähler, den Einsatz öffentlicher Mittel im Wahlkampf und einseitige Berichte. Gleichzeitig halten sie fest, dass Gesetzesänderungen einige frühere Empfehlungen umgesetzt haben. Auch die Lager werfen einander unfaire Methoden vor. Die SNS kritisiert, dass Srdanović ein TV-Duell mit Vučić ablehnt. Die Studentenliste wiederum beklagt, im öffentlichen Rundfunk RTS kaum vorzukommen. Für den Wahltag hat die OSZE rund 300 internationale Kurzzeitbeobachter angefordert.
Wer erkennt das Ergebnis an?
Beide Seiten haben sich zum Umgang mit dem Ergebnis geäußert. Vučić kündigte mehrfach an, eine Niederlage anzuerkennen und dem Sieger zu gratulieren. Dasselbe fordert er von der Studentenliste. Diese stellt die Kontrolle des Ablaufs in den Vordergrund: Tausende geschulte Freiwillige sollen in allen Wahlausschüssen sitzen und jede Stimme absichern. Das Misstrauen ist gegenseitig. Kritiker der Regierung zweifeln an Vučićs Zusage, die SNS wiederum fragt öffentlich, ob die Gegenseite eine Niederlage akzeptieren würde.
Vier Szenarien nach der Wahl in Serbien
KOSMO gibt keine Prognose ab und nennt während der Wahlstille keine Umfragewerte. Die folgenden vier Szenarien sind denkbar, sie schließen sich nicht alle gegenseitig aus. So könnte es jeweils weitergehen.
Tippe ein Szenario an. Die vier Wege schließen sich nicht alle gegenseitig aus.
- Wenn
- Mindestens 126 Sitze für „Aleksandar Vučić, Ujedinjena Srbija“.
- Dann
- Vučić wird Ministerpräsident, die SNS regiert weiter. Die Studentenliste ist in der Opposition.
- Offen
- Wen die SNS bei der Präsidentenwahl aufstellt, denn Vučić darf kein drittes Mal kandidieren.
- Wenn
- Mindestens 126 Sitze für „Studentska lista, Studenti pobeđuju“.
- Dann
- Die Liste bildet erstmals eine Regierung und übernimmt einen seit 2012 von der SNS geprägten Staatsapparat.
- Offen
- Ob die breite Bewegung zusammenhält und welchen Kurs sie in der Außenpolitik wählt.
- Wenn
- Beide Listen liegen eng beisammen.
- Dann
- Die Auszählung kann Tage dauern, einzelne Wahllokale können neu abstimmen. Endgültig ist erst das Ergebnis der Wahlkommission RIK.
- Offen
- Ob beide Seiten das Ergebnis anerkennen.
- Wenn
- Keine Liste erreicht 126 Sitze.
- Dann
- Koalitionen entscheiden. Kleinere Listen und die Listen der Minderheiten werden wichtig.
- Offen
- Ob eine stabile Regierung zustande kommt. Sonst sind Neuwahlen möglich.
In jedem Fall: Am 26. Oktober legen die internationalen Beobachter ihre erste Einschätzung vor, bis Ende Dezember folgt die Präsidentenwahl.
KOSMO-Übersicht auf Basis von RIK, ODIHR, Al Jazeera, ORF und N1. Stand 23.10.2026
Szenario 1: Mehrheit für die Vučić-Liste
Erreicht die Liste mindestens 126 Sitze, würde Vučić Ministerpräsident, und die SNS regierte nach 14 Jahren weiter. Er könnte dann seine Pläne umsetzen, etwa die kleinere Regierung und höhere Löhne und Pensionen. Die Studentenliste stünde als Opposition im Parlament. Offen wäre, wen die SNS bei der Präsidentenwahl bis Ende Dezember aufstellt. Vučić selbst darf kein drittes Mal kandidieren.
Szenario 2: Mehrheit für die Studentenliste
Mit mindestens 126 Sitzen könnte die Liste erstmals eine Regierung bilden. Sie übernähme einen Staatsapparat, den die SNS seit 2012 geprägt hat. Ein Wechsel in Verwaltung und öffentlichen Unternehmen bräuchte deshalb Zeit. Fachleute sehen zudem das Risiko, dass die breite Bewegung nach der Wahl an unterschiedlichen Interessen zerfällt. Die Außenpolitik würde sich laut Analysten nicht automatisch ändern.
Szenario 3: Knappes oder umstrittenes Ergebnis
Liegen beide Listen eng beisammen, kann die Auszählung Tage dauern. Bei Fehlern in Protokollen kann die Wahlkommission RIK an einzelnen Wahllokalen neu abstimmen lassen, wie 2016 und 2022. Endgültig ist das Ergebnis erst, wenn die RIK es verkündet. Wie heikel diese Phase sein kann, zeigte 2023. Nach Vorwürfen von Unregelmäßigkeiten gab es tagelange Proteste in Belgrad, die Polizei nahm 38 Menschen fest, acht Polizisten wurden verletzt. Wer am Wahlwochenende nach Serbien reist, sollte die Reisehinweise des österreichischen Außenministeriums prüfen.
Szenario 4: Keine Mehrheit im Parlament
Erreicht keine Liste 126 Sitze, entscheiden Koalitionen. Dann zählen kleinere Listen, etwa die Sozialisten (SPS) von Ivica Dačić, die sich als „Faktor der Stabilität“ anbieten. Auch die Listen der Minderheiten könnten den Ausschlag geben. Kommt keine stabile Mehrheit zustande, sind erneute Neuwahlen möglich.
Was die Region beobachtet
Auch die Nachbarländer verfolgen die Wahl genau. In Bosnien und Herzegowina gilt die enge Verbindung zwischen Vučić und Milorad Dodik als wichtiger Faktor. Dodik führt die SNSD, die in der Republika Srpska regiert. In Sarajevo wünschen sich manche Stimmen von der Studentenliste klarere Positionen zu den 1990er-Jahren. Analysten dort erwarten zugleich, dass ein Machtwechsel die Beziehungen nicht über Nacht verändert.
So wählt die Diaspora in Österreich
10.484 Wahlberechtigte haben sich in Österreich registriert. Damit liegt Österreich hinter Deutschland und Bosnien und Herzegowina weltweit auf Platz 3. Insgesamt sind 102.147 Menschen im Ausland angemeldet, mehr als doppelt so viele wie 2023. Wählen darf im Ausland nur, wer sich bis 3. Oktober registriert hat. Die sechs Wahllokale in Wien, Linz und Salzburg sind von 7 bis 20 Uhr geöffnet. In Graz, Klagenfurt und Innsbruck gibt es keines. Mitzunehmen ist ein gültiger serbischer Personalausweis oder Reisepass.
102.147Menschen haben sich im Ausland zur Wahl angemeldet, mehr als doppelt so viele wie 2023.
Quellen: Vreme und Danas, Daten des serbischen Außenministeriums, Stand 12.10.2026. Tippe auf ein Land für Details.
Wann
Sonntag, 25. Oktober, 7 bis 20 UhrIn der Nacht auf Sonntag wird die Uhr eine Stunde zurückgestellt.
Wer
Nur wer sich bis 3. Oktober für die Wahl im Ausland registriert hat.Eintrag prüfen mit JMBG und Ausweisnummer: upit.birackispisak.gov.rs
Mitnehmen
Gültiger serbischer Personalausweis oder Reisepass
Wien: 4 Wahllokale
Es zählt der erste Buchstabe deines Nachnamens, sortiert nach der Azbuka. Verbindlich ist das Wahllokal in deinem Bescheid (rešenje). Auch Wahlberechtigte aus der Slowakei wählen in Wien.
Salzburg
Generalkonsulat, Schallmooser Hauptstraße 99, 5020 Salzburg
Linz
Honorarkonsulat LinzDie genaue Adresse steht im Bescheid (rešenje), den du nach der Registrierung bekommen hast.
Kein Wahllokal
Graz, Klagenfurt, Innsbruck
Quelle: Botschaft der Republik Serbien in Wien, Republička izborna komisija. Stand: 23.10.2026
Wie es nach Sonntag weitergeht
Um 20 Uhr schließen die Wahllokale, dann endet auch die Wahlstille. Erste vorläufige Ergebnisse werden im Laufe des Abends erwartet. Am Montag stellt die internationale Beobachtermission in Belgrad ihre erste Einschätzung vor. Unabhängig vom Ausgang folgt bis Ende Dezember die Präsidentenwahl, weil Vučić vorzeitig zurückgetreten ist.