Dramatische Versorgungslücken bei Wiens jüngsten Patienten: Mehr als die Hälfte aller Kassen-Kinderärzte nimmt keine neuen Patienten mehr auf, in der Psychiatrie warten Familien bis zu 90 Tage.
Die Wiener Ärztekammer schlägt anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte Alarm: Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche in Wien weist erhebliche Defizite auf. “Die Gesundheitsversorgung unserer jüngsten und vulnerabelsten Bevölkerungsgruppe hat dramatische Versorgungslücken“, erklärt Vize-Präsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied. Ein besonders deutliches Indiz für diese Problematik ist der akute Mangel an verfügbaren Kinderärzten. Eine von Meinungsforscher Peter Hajek durchgeführte Wartezeiten-Studie im Auftrag der Wiener Ärztekammer belegt: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) aller Kassenärzte für Kinder- und Jugendheilkunde können keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Zudem ist die Verteilung äußerst ungleichmäßig – in Wien-Innere Stadt, Wien-Mariahilf, Wien-Neubau und Wien-Josefstadt steht laut Ärztekammer jeweils nur ein einziger Kinderarzt zur Verfügung.
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Monatelange Wartezeiten
Die Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gestaltet sich ähnlich angespannt. Hier können immerhin noch 60 Prozent der Kassenärzte neue Patienten annehmen. Besonders alarmierend sind jedoch die Wartezeiten: Durchschnittlich 90 Tage müssen Familien 2024 auf einen Kassentermin warten. “Viele Familien müssen monatelang warten, obwohl Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zeitnah Unterstützung benötigen”, bemängelt Kamaleyan-Schmied. Jeder zusätzliche Wartezeitraum führe zu längeren Ausfällen – sowohl bei den betroffenen Kindern als auch bei deren Betreuungspersonen. Bei schwerwiegenden Erkrankungen drohen zudem Folgeschäden oder schulische Leistungseinbußen durch häufiges Fernbleiben vom Unterricht.
Nachhaltige Lösungen
“Das ist ein Hilfeschrei an die Politik – die medizinische Versorgung braucht jetzt mehr Kapazitäten, um die wohnortnahe Betreuung zu sichern, bessere Rahmenbedingungen für Kassenärztinnen und -ärzte zu schaffen sowie nachhaltige Konzepte für die medizinische Versorgung vor allem von Kindern und Jugendlichen”, so Kamaleyan-Schmied. Sie betont die Notwendigkeit einer intensiveren Kooperation zwischen Österreichischer Gesundheitskasse und Ärztekammer sowie die entschlossene Umsetzung gemeinsamer Zukunftskonzepte.
“Durch die gemeinsam mit uns entwickelten Konzepte des Kinder-PVE (Primärversorgungseinheit) in Wien haben wir bereits bewiesen, dass wir durch gebündelte Kräfte nachhaltige Verbesserungen erreichen können.”
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