Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Pflegeskandal

Wiener Seniorenheim: 20 Bewohner über Monate falsch medikamentiert

Wiener Seniorenheim: 20 Bewohner über Monate falsch medikamentiert
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

In einem Wiener Seniorenheim wurden Senioren über Monate falsch medikamentiert – nun sind Direktorin und Teamleiterin freigestellt.

Im Haus Leopoldau, einem Seniorenheim des Trägers „Häuser zum Leben“ in Wien-Leopoldau, wurden über einen längeren Zeitraum Medikamente fehlerhaft verabreicht. Von den insgesamt 350 Bewohnerinnen und Bewohnern waren 20 Personen betroffen. Der Betreiber versichert, dass sich alle Betroffenen in einem stabilen gesundheitlichen Zustand befinden.

Eine daraufhin veranlasste Sonderprüfung sämtlicher Einrichtungen des Trägers ergab, dass die Vorfälle ausschließlich auf das Haus Leopoldau und dort auf ein einzelnes Team zurückzuführen sind. Die zuständige MA 40 wurde bereits einbezogen.

Fehlerhafte Medikamentengabe

Die Fehler bei der Medikamentengabe waren unterschiedlicher Natur: Teils wurden Präparate zu einer falschen Tageszeit ausgegeben – etwa mittags anstatt abends. In anderen Fällen wurden Medikamente weiterhin verabreicht, obwohl diese bereits abgesetzt worden waren.

Bei einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern soll es zudem zu falschen Dosierungen oder zur Ausgabe von Mitteln gekommen sein, für die gar keine ärztliche Verordnung vorlag. Für 18 der 20 Betroffenen schließt der Betreiber gesundheitliche Auswirkungen mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ aus. Bei zwei Personen werden vorsorglich Laboruntersuchungen durchgeführt, alle Betroffenen stehen weiterhin unter engmaschiger medizinischer und pflegerischer Beobachtung.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle wurde im Haus Leopoldau eine zusätzliche Kontrollstufe eingerichtet: Seither wird jede einzelne Medikamentengabe gesondert überprüft. Erste personelle Konsequenzen wurden bereits gezogen – die Teamleiterin des Ambulanzteams sowie die Direktorin des Hauses wurden freigestellt. Weitere dienstrechtliche Maßnahmen sind angekündigt.

Politische Reaktionen

Christian Hennefeind, Geschäftsführer der Häuser zum Leben, sagt: „Ich bin erschüttert von diesen Vorfällen. Die Sicherheit unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat oberste Priorität, so etwas hätte niemals passieren dürfen. Wir müssen diesen Fall lückenlos aufklären.“ Peter Hacker, amtsführender Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport sowie Präsident des Fonds Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (SPÖ), bezeichnete die Vorfälle als „inakzeptabel“. Die geplanten Schritte zur Aufklärung müssten „schnellstmöglich und in vollem Umfang“ umgesetzt werden. Zur vollständigen Aufarbeitung wurde eine externe Untersuchung beauftragt.

„Wenn falsche Medikamentengaben über einen längeren Zeitraum unentdeckt bleiben, haben die Kontrollmechanismen eindeutig versagt. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, dass zu wenig Personal und die damit verbundene Überlastung der Mitarbeiter ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen“, sagt dazu die Wiener FPÖ-Gesundheitssprecherin Angela Schütz. Sie fordert eine rasche Überprüfung und Verbesserung der Abläufe in den Wiener Pflegeeinrichtungen. „Es braucht ausreichend Personal, klare Meldewege und Kontrollprozesse, die in der Praxis funktionieren.“

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen