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Wohnungsreform

Wohn-Ticket statt Warteschlange: So einfach kommen junge Wiener jetzt an Gemeindebau

Wohn-Ticket statt Warteschlange: So einfach kommen junge Wiener jetzt an Gemeindebau
(Foto: iStock/ah_fotobox)
3 Min. Lesezeit |

Wiens Gemeindewohnungen werden flexibler vergeben: Tausende Studierende, Lehrlinge und Menschen mit befristeten Mietverträgen profitieren von den neuen Zugangsmöglichkeiten.

Die Vergabe von Gemeindewohnungen in Wien wurde in den vergangenen Jahren grundlegend reformiert. Durch gezielte Sonderaktionen und ein flexibleres Vergabesystem konnten bereits tausende Wienerinnen und Wiener ein neues Zuhause finden. Diese Maßnahmen adressieren vor allem jene Bevölkerungsgruppen, die auf dem zunehmend angespannten privaten Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten, befristeten Verträgen und hohen Zugangshürden konfrontiert sind.

Eine der zentralen Initiativen richtete sich an Personen mit auslaufenden Mietverträgen. Ab Juli 2024 erhielten auch Menschen ohne klassischen Anspruch die Möglichkeit, sich für eine Gemeindewohnung zu bewerben, sofern bestimmte Mindestkriterien erfüllt wurden. Die Bilanz dieser Aktion, die bis Ende Feber 2025 lief, kann sich sehen lassen: 774 Wohnungen wurden im ersten Jahr vergeben, wodurch 1.054 Personen ein neues Zuhause fanden. Im Folgejahr kamen weitere 296 Wohnungen mit 387 neuen Mieterinnen und Mietern hinzu.

Auch die Studierendenschaft profitierte von den Erleichterungen. In einem fünfmonatigen Zeitfenster zwischen Mai und September 2025 konnten Studierende ohne den sonst üblichen Nachweis eines besonderen Wohnbedarfs Anträge auf Gemeindewohnungen stellen. Die Resonanz war beachtlich: 600 Studierende bewohnen bereits Wohnungen mit 35 bis 45 Quadratmetern zu günstigen Konditionen, während weitere 600 kurz vor Vertragsabschluss stehen.

Zielgruppen-Initiativen

Eine weitere Maßnahme fokussierte sich auf junge Menschen aus den Bundesländern. Durch vereinfachte Zugangsbedingungen haben bereits 1.300 Lehrlinge und Jungarbeitnehmer, die neu nach Wien gezogen sind, eine Gemeindewohnung erhalten. Diese Initiative wird fortgeführt.

Seit Mai 2025 existiert zudem eine zusätzliche Vergabekategorie: Personen, die trotz regelmäßigen Einkommens ihre Wohnkosten nicht mehr bewältigen können und Anspruch auf Wohn- oder Mietbeihilfe haben, erhalten nun leichteren Zugang zum kommunalen Wohnungsbestand. Über diesen Weg wurden bereits mehr als 300 Wohnungen zugewiesen.

Systemreform 2026

Ab 2026 steht eine umfassende Systemreform bevor: Ein zentrales Wiener Wohn-Ticket soll künftig sowohl für Gemeindewohnungen als auch für geförderte Wohnungen gelten. Damit wird der Zugang vereinfacht, beschleunigt und transparenter gestaltet. Anstelle starrer Anspruchskriterien tritt ein Bonuspunktesystem, das individuelle Lebensumstände differenzierter berücksichtigt. Punkte werden etwa für Aus- und Weiterbildung oder bei Veränderungen der familiären Situation vergeben. Auch ältere Menschen, die im Alter barrierefrei und selbständig leben möchten, erhalten künftig Priorität.

„Gerade in Zeiten, in denen der private Wohnungsmarkt Menschen durch hohe Mieten und Befristungen unter Druck setzt, ist der soziale Wohnbau in Wien wichtiger denn je“, betont Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SP). „Denn ein leistbares und sicheres Zuhause ist die unverzichtbare Basis für ein gutes Leben. Die Sonderaktionen von Wiener Wohnen bei der Vergabe von Gemeindewohnungen sind ein wichtiger Schritt zu einer neuen flexiblen Wohnungsvergabe – angepasst an die Wohnbedürfnisse und Lebensrealitäten der Wienerinnen und Wiener“, so Gaal.

Die unbefristeten Mietverträge bleiben als Kernelement des Wiener Gemeindebaus erhalten und sorgen weiterhin für Planungssicherheit. Auch der Wien-Bonus wird fortgeführt – wer länger in Wien lebt, genießt nach wie vor Vorteile bei der Wohnungsvergabe.

Mit diesem reformierten System reagiert die Stadtregierung auf die kontinuierlich steigenden Kosten am privaten Wohnungsmarkt.